Dortmunder Lösung

DAB übernimmt Kronen Brauerei

“Wir haben nicht gerade das Rad am Biermarkt neu erfunden” wand sich etwas der Geschäftsführer der Dortmunder Kronen Brauerei Friedhelm Cramer, als er die sogenannte “Dortmunder Lösung”, sprich die Übernahme der Kronen – Geschäftsanteile durch die zur Binding – Gruppe gehörenden Dortmunder Actien Brauerei ( DAB ) verkündete.

Danach sollen die Geschäftsanteile von Kronen, ohne Immobilien und Grundstücke, zum 1. Oktober diesen Jahres in den Besitz der DAB übergehen. 205 Beschäftigte verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz, die Kronen – Produktion wird dichtgemacht. Die übrigen 130 Beschäftigten sollen auf die beiden zusammengeschlossenen Brauereien verteilt werden. Die Marken Kronen, Hövels, Thier und Stifts sollen erhalten bleiben, deren Markting und Vertrieb eigenständig weitergeführt werden. Die Entlassungen nannte Cramer ein “schmerzliches Personalanpassungsprogramm”, welches aber als “Signal zu Sicherung und Stärkung des Braustandortes Dortmund” notwendig sei, um außerdem den Verlust der Identität Dortmunder Premiumbiere abzuwenden. In einer solchen “Vernunftehe” sei der einzige Weg zum Erlöswachstum zu sehen, so Cramer, wobei er auf ähnliche Zusammenschlüsse wie Patrizier und Tucher, EKU und Reichelbräu und Stauder/Stern im nahen Essen verwies.

Der Zusammenschluß sei die einzige Antwort auf die stagnierende Biernachfrage in einem heiß umkämpften, von Verdrängung gekennzeichneten Markt. Nicht nur der harte Wettbewerb machte der Kronen Brauerei zu schaffen, sondern auch interne Probleme. Um mithalten zu können, hätten die Dortmunder etwa 50 Millionen Mark für die Modernisierung ihrer Braustätte investieren müssen – wobei diese sowieso schon durch ihre Innenstadtlage und einem daraus resultierenden Nachtbeladeverbot Nachteile barg. Ein Neubau auf der “grünen Wiese” hätte bei dieser Lösung eine Chance auf Amortisierung nicht bestanden. Künftig wird also komplett in der Dortmunder Steigerstraße produziert. DAB – Vorstandsvorsitzender Wolfgang Burgard zeigte sich nicht gerade unzufrieden über die “Dortmunder Lösung” und versprach : “Alle Marken von Kronen bleiben erhalten, wir werden für einen internen Wettbewerb sorgen.” Fünf Millioen Mark müßten aber noch investiert werden, um die rund eine Million Kronen Hektoliter bei DAB mitzubrauen. Die Kapazitäten dafür seien vorhanden, weil die DAB bereits in diesem Jahr wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit auf Lohnbrauaufträge mit einem Volumen von 300.00 Hektoliter vezichtet habe. Bei der DAB erwartet man nun für das laufende Jahr einen Ausstoß von bis 4 bis 4,2 Millionen Hektoliter und einem Umsatz von rund 500 Millionen Mark. “Wir glauben, daß Kronen und DAB gestärkt aus dieser Veranstaltung hervorgehen.” zeigte man sich allgemein zuversichtlich. Auch Jürgen Keip bezeichnete die Entlassungen als einen “notwendigen Einschnitt”, wobei er aber anmerkte, daß von den Entlassungen Außendienst und Logistik nicht betroffen seien, aus Gründen der Kundennähe. Etwas veschnupft zeigten sich die Honorationen von DAB und Kronen über die Berichterstattung im Vorfeld zu der ziemlich kurzfristig einberufenen Pressekonferenz, die allerhand “Spekulationen” enthalten habe. Vielleicht war dies mit ein Grund, weshalb der Preis für die Übernahme der Kronen Brauerei nicht genannt wurde. Das Risiko des Zusammenschlusses sei “kalkulierbar” hieß es lapidar dazu. Und : Die Dividendenfähigkeit der DAB solle “mittelfristig” wieder hergestellt werden. Die Übernahme spiegelt den Verdrängungswettbewerb im Biermarkt wieder. Mitte der 80er Jahre gab es in Dortmund noch sechs Braustätten. Die Kronen Privatbrauereien erzielten im vergangenen Jahr einen Bierabsatz von über einer Million Hektoliter. Mit rückläufigen Ausstoßzahlen mußte sich Kronen in den letzten Jahren mehrfach herumschlagen, was auch durch die Übernahmen von Stifts, Thier und Hövels nicht verhindert werden konnte.

Jetzt, wo Kronen selbst “geschluckt” wurde, gibt es in Dortmund ab Oktober nur noch zwei Braustätten : Dortmunder Union und DAB. Dies sieht DAB – Vorstandsvorsitzender Wolfgang Burgard aber nicht so dramatisch : Es ändert sich für Kronen nichts, nur der Standort und der Gesellschafter.” Und nicht zu vergessen, die Anzahl der Arbeitsplätze.