Über den Tellerrand hinaus…

Gastkommentar von Dr. Lothar Wiechers, Geschäftsführer
der Warsteiner Brauerei, zum Thema “Chancen und Risiken der Globalisierung”

Das große Wort von der Globalisierung ist derzeit in aller Munde, doch bevor ich auf die Chancen und Risiken eingehe, die eine Überschreitung althergebrachter Grenzen mit sich bringt, lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf die derzeitige Situation der Brauwirtschaft in Deutschland werfen.
Chancen und Risiken eines grenzüberschreitenden, weltweiten, wirtschaftlichen Engagements können meiner Meinung nach nur dann sinnvoll eingeordnet und bewertet werden, wenn man einen analysierenden Blick auf die Ausgangssituation wirft. Und die stellt sich derzeit in Deutschland nicht gerade besonders rosig dar. Der deutsche Biermarkt stagniert seit vielen Jahren auf einem — zugegeben hohen — Niveau. Im vergangenen Jahr beklagte die deutsche Brauwirtschaft beim Bier sogar einen deutlichen Rückgang des Pro-Kopf-Ver-brauches.
Angesichts eines weitestgehend gesättigten, nationalen Marktes ging es in den vergangenen Jahren vor allem darum, sich ein “Stück vom Kuchen zu sichern”, um dann die in einem oftmals ruinös betriebenen Wettbewerb erreichten Marktanteile langfristig abzusichern.
Der weitestgehend gesättigte heimische Markt wird den Unternehmen in naher Zukunft kaum mehr nennenswerte Zuwachsraten ermöglichen. Gleichzeitig werden nach und nach die Schlagbäume an den Grenzen demontiert, und die modernen Techniken nehmen großen Entfernungen ihre Bedeutung, indem sie weltweit eine problemlose, multimediale Kommunikation zur Selbstverständlichkeit werden lassen.
Was liegt angesichts dieser Konstellation näher, als den Blick über den Tellerrand zu werfen, die Chancen neuer Märkte zu analysieren, um sie nach sorgfältiger Prüfung gegebenenfalls in Angriff zu nehmen.
Für Unternehmen und Marken, die in ihren heimischen Märkten eine Positionierung an der Spitze erreicht haben, eröffnen sich hier neue Potentiale, die nur auf ihre Erschließung zu warten scheinen. Wir müssen lernen, global zu denken, wenn wir zu denen gehören wollen, die im Weltmarkt eine ernstzunehmende Rolle spielen. Allerdings sollten wir uns auch stets der Risiken bewußt sein, die ein Engagement auf neuen, noch unbekannten Märkten nun einmal mit sich bringt.
Auch wenn die Welt in den vergangenen Jahren auf eine zuweilen beängstigende rasante Weise “kleiner” geworden ist, so wird ihr Gesicht doch immer noch durch eine Vielzahl unterschiedlicher Kulturen, Interessen und Gewohnheiten geprägt. Diesen Unterschieden muß unsere besondere Aufmerksamkeit gelten, wenn wir den Blick über den Tellerrand wagen. Wir werden lernen müssen, vieles von dem, was wir als für unseren heimischen Markt sinnvoll und effektiv anerkannt haben, in Frage zu stellen. Ein hohes Maß an Toleranz und die Bereitschaft, Wertvorstellungen (noch) fremder Kulturen zu akzeptieren, wird von uns gefordert, wenn wir tatsächlich erfolgreich in neuen Märkten agieren wollen. Wenn wir bereit sind, diese Offenheit für uns zuzulassen, dann bietet die Globalisierung der Märkte vielen Unternehmen ganz außerordentliche Entwicklungschancen.
Doch bei der oftmals zu beobachtenden Euphorie sollten wir einen ganz wesentlichen Punkt nicht vergessen: Nur wer in seinem heimischen Markt das Feld wohl bestellt hat, kann darauf hoffen, im weltweiten Wettbewerb an die bisherigen Erfolge anknüpfen zu können. Unser Haus hat hierfür die Voraussetzungen geschaffen und exportiert Deutschlands bekannteste Biermarke Warsteiner seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten in mittlerweile über 50 Länder rund um den Erdball. Darüber hinaus sind wir bereits eine Reihe von internationalen Kooperationen eingegangen, indem wir Braulizenzen für unsere Marke Isenbeck an leistungsfähige ausländische Partner vergeben haben, die gleichzeitig als Importeure des original in Deutschland gebrauten Warsteiner fungieren.