“Aktion Saubere Landschaft”: Mogelpackung?

Die deutsche getränke wirtschaft berichtete in ihrer letzten Ausgabe (6/98) in dieser Rubrik über die bundesweite “Aktion Saubere Landschaft”, welche mit einem gut zweistelligen Millionenaufwand am 31. März diesen Jahres startete. Der Verein Pro Mehrweg e. V. und die ihm nahestehenden Verbände des Getränkefachgroßhandels, der mittelständischen Brauereien und des Getränkeeinzelhandels protestieren gegen das integrierte Gewinnspiel und betrachten dieses als entscheidenden “Haken”. Denn, gewinnen kann nur derjenige, der beim Sammeln des DSD-fähigen Abfalls mindestens fünf leere Getränkedosen in die kleinen gelben Säckchen einpackt.

Der Verein Pro Mehrweg hat sich mit Schreiben vom 6. Mai 1998 an das BMU gewandt, um gegen die massive Verkaufsförderung für Getränkedosen zu protestieren. Nichts anderes ist die Aktion nach Ansicht der mehrwegfördernden Verkehrskreise bei auch nur etwas näherem Hinsehen.

Die Redaktion druckt den Brief an das BMU an dieser Stelle ab ohne weiteren Kommentar:

“Sehr geehrte Frau Ministerin, mit Befremden nehmen wir vom Verein Pro Mehrweg e. V. und die uns nahestehenden Verbände des Getränkefachgroßhandels, der mittelständischen Brauereien und des Getränkeeinzelhandels zur Kenntnis, daß Sie persönlich in einem Grußwort und Ihr parlamentarischer Staatssekretär, Herr Walter Hirche, auf der Pressekonferenz am 31. März 1998 die “Aktion saubere Landschaft” kritiklos unterstützen.
Selbstverständlich begrüßen auch wir, wenn die Landschaft durch weniger Littering entlastet wird. Allerdings verwahren wir uns entschieden dagegen, daß für ein Jahr quasi eine gigantische Verkaufsförderungsaktion zugunsten der Getränkedose durchgeführt wird unter dem Deckmantel des Umweltschutzes. Nichts anderes verbirgt sich bei nur etwas genauerem Hinsehen hinter dieser Aktion.
Denn, statt es beim Sammeln von Abfall mit Grünem Punkt zu belassen, loben die Initiatoren als bindende Voraussetzung für die Teilnahme an dem Gewinnspiel mit den gelben Sammelsäckchen ausdrücklich aus (und auf den insgesamt 60 Millionen Säckchen aufgedruckt), daß jedes Säckchen mindestens fünf leere Getränkedosen enthalten muß, um an der Verlosung teilnehmen zu können. Hochgerechnet bedeutet dies ein Verkaufsvolumen von 300.000.000 Getränkedosen!
Spätestens beim Blick auf die Initiatoren hätte Ihrem Ministerium auffallen müssen, welche Absichten hinter der immerhin mindestens 20 Millionen Mark teuren Kampagne stecken: Hier haben sich versammelt das “Forum Getränkedose”, “Lekkerland”, “Tank & Rast” sowie Förderer wie die Tankstellenbetreiber Aral, Esso, Shell, das DSD, Coca-Cola und die Arbeitsgemeinschaft Marke und Verpackung Deutscher Brauereien.
All diese Beteiligten torpedieren nicht nur die von Ihrem Ministerium geförderte Mehrwegquote, sondern sie haben alle ein unmittelbares Interesse am Dosenverkauf.
Schon bei oberflächlicher Prüfung dürften erhebliche Zweifel angebracht sein, ob die ganze Aktion nach § 1 UWG statthaft ist.
Denn so naiv können weder Richter noch ministerielle Mitarbeiter sein, daß sie annehmen, Deutschlands Autofahrer hielten am Straßenrand an, um Dosen zu sammeln statt sie bequemerweise zu kaufen.
Aus all unseren dargestellten Gründen bitten wir Sie eindringlich, die Initiatoren von seiten des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit offiziell anzuschreiben und auf den Umstand hinzuweisen, daß das BMU eine solche Förderung der Dose nicht tolerieren kann. Schließlich tritt Ihr Ministerium doch immer noch dafür ein, Abfallvermeidung zu fördern vor Abfallverwertung. Oder?

Für eine Antwort auf unsere Einwände wären wir Ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüßen
Verein Pro Mehrweg e. V.
Geschäftsführung”