Berentzen wieder in der Gewinnzone

Breitere Kompetenz im Spirituosenregal durch neue Tochter Dethleffsen

von Monika Busch

Umfangreiche Neuordnungsmaßnahmen sowohl in den materialwirtschaftlichen wie in den administrativen Abläufen und eine Neuausrichtung von Marketing und Vertrieb haben Berentzen für ein weiteres Wachstum wieder fit gemacht, betonte Dr. Jan B.Berentzen, Vorstandsprecher der Berentzen-Gruppe AG anläßlich eines Pressegespräches in Frankfurt.
Nach dem Verlustjahr 1997 ginge es kurz gesagt darum, so Dr. Berentzen weiter, das Berentzen-Schiff wieder zügig seeklar und mehr noch, auch nachhaltig sturmfest zu machen. Mit einem Jahresüberschuß von rund drei Millionen Mark, gegenüber einem Verlust in 1997 von 13,9 Millionen Mark, wurde 1998 wieder ein positives Ergebnis erzielt. Der Umsatz belief sich 1998 inklusive Branntweinsteuer auf 923 Millionen (Vorj.: 1.053 Mio. DM), exklusive auf 395 Millionen Mark (Vorj.: 478 Mio. DM). Im Geschäftsfeld Spirituosen wurden im Berichtszeitraum 324 Millionen Mark Umsatz (Vorj.: 407 Mio. DM) erzielt.
Der Absatz reduzierte sich um zehn Prozent auf 114 Millionen 0,7-l-Flaschen (Vorj.: 126,5 Mio.). Dr. Jan Berentzen hob hervor, daß der Absatz von Markenspirituosen bereinigt um das neue Segment der leicht-alkoholischen Mischgetränke, lediglich knapp vier Prozent hinter dem Vorjahr zurückgeblieben sei und sich damit marktkonform entwickelt habe. Auch innerhalb des Sortimentsmixes habe es, ebenfalls marktkonform, eine Verschiebung hin zu höhergrädigen Produkten wie Wodka und Korn gegeben. Im Inland belief sich der Absatz auf 99 Millionen Flaschen Spirituosen, im Ausland auf 15 Millionen. Der mit Markenspirituosen erzielte Umsatz ohne Branntweinsteuer betrug 229 Millionen Mark (Vorj.: 296 Mio. DM). Bei den Handels- und Zweitmarken wurden 95 Millionen Mark erreicht (Vorj.: 111 Mio. DM). Im Geschäftsfeld alkoholfreie Getränke steigerte sich der Umsatz leicht von 70,7 Millionen in 1997 auf 71,3 Millionen Mark.
Dieses Ergebnis bezeichnete Berentzen aber noch nicht als zufriedenstellend, das Ertragseis sei recht dünn, das AfG-Schiff müsse “flotter gemacht werden”. Das positive Jahresergebnis zeigt für Jan Berentzen, daß das Unternehmen auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel angelangt sei, dem Wettbewerb hinsichtlich quantitativen wie qualitativen Wachstums wieder eine Nasenlänge voraus zu sein.
“Mit der Übernahme der Dethleffsen-Spirituosen stehen wir mit neuen Chancen zugleich vor neuen Herausforderungen und auch innerhalb der Berentzen-Gruppe werden wir Abläufe und Strukturen weiter effizienter gestalten, was in diesem Jahr beispielsweise auch die Neuausrichtung des alkoholfreien Bereichs bedeutet.” Die wichtigste Marke Berentzen wurde einem Relaunch unterzogen, mit der Zielsetzung, sich von mee-to-Produkten abzuheben und die Gesamtmarke zu stärken.
Die sogenannten “Sahnigen” wurden aus der typischen Optik der Dachmarke herausgenommen und eine für Liköre typische Flasche gewählt. Zukünftig werden diese unter “Großmutters Geheimnis” vermarktet. In den Relaunch wurden insgesamt fünf Millionen Mark investiert. Mit “Spaßdirektor” Jürgen von der Lippe setzt das Unternehmen erstmals ein Testmonial in der Werbung ein. Vorstand Jürgen Pabst: “Mit Jürgen von der Lippe wirbt ein Prominenter für Berentzen, der sowohl hohe Sympathiewerte erreicht als auch hervorragend die Imagewerte ,Spaß’ und ,Lebensfreude’ der Marke Berentzen verkörpert. Ziel aller Aktivitäten für unsere Marken ist es, in der Vermarktung unserer Produkte neue, innovative Wege zu gehen, um uns auch auf diese Weise von unseren Wettbewerbern und vor allem von unseren Nachahmern zu unterscheiden.”
Mit der Übernahme von Dethleffsen betritt Berentzen auch Neuland. Erstmals befinden sich mit den Marken Osborne und Linie Aquavit Importmarken im Portfolio. Neu im Sortiment sind auch die Halbbitterliköre Sechsämtertropfen und Echt Stonsdorfer, im Segment Rum die Marken Hansen und Asmussen sowie Springer Urvater als Branntweinverschnitt. Jan Berentzen zu der Übernahme: “In Deutschland sind wir nun das größte Spirituosenunternehmen und erreichen einen Marktanteil von rund 20 Prozent, oder anders herum: Jede fünfte in Deutschland verkaufte Flasche Spirituose wird 1999 von der Berentzen-Gruppe produziert und vermarktet.” Ein endgültiges Konzept für alle Bereiche steht noch nicht fest. Im ersten Halbjahr sollen Buchhaltung und Controlling zusammengefaßt werden. Seit Februar werden von Haselünne alle rechtlichen Aufgabenstellungen, wie beispielsweise die Verwaltung der Markenrechte oder die gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen geregelt. Fest steht, daß Marketing und Export ebenfalls in Hasellünne zusammengefaßt werden. Beabsichtigt ist, die Handels- und Zweitmarken von Dethleffsen mit Müllhoff, Pabst und Richarz zusammenzuführen.
Eine externe Beratung wurde beauftragt, ein Konzept für eine gemeinsame Logistik zu erstellen. Zukünftig wird es auch zwei Markenvertriebe, neben dem Handels- und Zweitmarkenvertrieb geben. Im Zuge der Integration von Dethleffsen in die Berentzen-Gruppe wird es zu einem Arbeitsplatzabbau in Flensburg kommen.
Wie das Unternehmen weiter mit-teilt, soll die Produktion in Flensburg bestehen bleiben. Der Vorstand der Berentzen-Gruppe erwartet für 1999 einen Umsatz inklusive Branntweinsteuer von rund 1,3 Milliarden Mark und über 500 Millionen ohne Brannt-weinsteuer. Für das laufende Jahr geht der Vorstand von einem Jahresüberschuß in Vorjahreshöhe aus. Ein zweistelliges Wachstum soll wieder in drei Jahren erreicht werden.