Branchengeschehen

Kein Wandel im Handel Preiskämpfe drücken den Umsatz

Seit 1992 bewegt sich die Umsatzkurve des deutschen Lebensmitteleinzelhandels (einschließlich Aldi) um den Nullpunkt; preisbereinigt stand unterm Strich immer ein leichtes Minus.
Nach Ansicht der Marktforscher von IRI/GfK Retail Services und GfK Panel Services Consumer Research handelt es sich beim LEH zu großen Teilen um hausgemachte Probleme, die mit den Begriffen Flächenexpansion und Verdrängungswettbewerb umschrieben werden können.
Auch 1998 haben die Marktforscher einen realen Umsatzrückgang von 0,9 Prozent ausgemacht (nominales Plus von knapp 0,5 Prozent, abzüglich der Preissteigerung bei Lebensmitteln). Das neuerliche Stagnieren im vergangenen Jahr lasse sich allerdings nicht allein auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurückführen, so Marktforscher. Denn die Verbraucher hätten 1998 anderthalb Prozent mehr für ihren privaten Verbrauch ausgegeben und dieses entspricht genau dem Betrag, der ihnen nach Abzug der Preissteigerung vom Einkommenszuwachs (nominal 2,4 Prozent) übriggeblieben ist. Die Verbraucher scheinen also grundsätzlich konsumfreudig gestimmt zu sein. Auch 1998 war der Handel von zunehmenden Konzentrationen geprägt. Großflächige Verbrauchermärkte und Discounter verbuchen Umsatzzuwächse.
Wie die Marktforscher weiter ermittelten, zählen elf Prozent aller Lebensmittelgeschäfte zur Gruppe der Verbrauchermärkte. Sie bestreiten 43 Prozent des gesamten LEH-Umsatzes. Von den traditionellen Supermärkten mußten 1998 mehr als 2.400 Standorte schließen, die restlichen 46.000 Geschäfte kamen nur noch auf ein Umsatzvolumen von 25 Prozent. Die Haushaltsausgaben für alkoholhaltige Getränke sanken laut GfK von 18,4 Milliarden Mark in 1992 auf 17,1 Milliarden Mark in 1998. Gegenüber 1997 bedeutet dieses ein Rückgang von 1,3 Prozent. Die alkoholfreien Getränke verzeichnen im Vergleich zu 1992 (11,8 Mrd. DM) gegenüber 1998 eine leichte Steigerung auf 12,1 Milliarden Mark, verbuchten aber im Vergleich zu 1997 ein Minus von 3,2 Prozent. IRI/GfK Retail Services legt erstmals zu der Entwicklung der preiswerten Handelsmarken in Verbrauchermärkten und Discountern genaue Zahlen vor. Demnach stieg der Umsatz des LEH mit Handelsmarken von 14,3 Milliarden Mark in 1995 auf 16,1 Milliarden Mark in 1998. Dieses entspricht einer Steigerung von 13 Prozent (inklusive Drogeriemärkte: 15 Prozent), während der Umsatz des LEH insgesamt auf der Stelle tritt.
Die Handelsmarken würden somit die Position der klassischen Markenprodukte attackieren; der traditionelle LEH steht somit auch seitens der Handelsmarken unter Druck. Desweiteren schwappt die Welle der Globalisierung auch auf den Handel über; die Europäisierung des Handels sei ohnehin nicht aufzuhalten. Nutznießer – wenn auch nur kurzfristig – der anhaltenden Preiskämpfe im LEH sind die Konsumenten. Preissensibel und anspruchsvoll findet der Verbraucher schnell das günstigste Angebot heraus.
Die Folge: der Preiswettbewerb wird immer härter. Die stetig der Veränderung unterliegenden Konsumgewohnheiten sorgen darüber hinaus für entsprechende Dynamik in den einzelnen Märkten und Warengrup-pen, wie beispielsweise die schlechten Schlagzeilen für Fleisch und Wurst. Diese wurden mit Kaufzurückhaltung quittiert.
Das wiederentdeckte Gesundheitsbewußtsein forciert den Trend zu alkoholfreien Getränken. Mineralwasser & Co. hatten in den letzten Jahren Zuwachsraten. 1998 verbuchte die Branche jedoch ein Minus von 1,1 Prozent. Für die Märkte in 1999 rechnet die GfK mit einem nominalen Anstieg von 3,7 Prozent des privaten Verbrauchs. Die Massenkaufkraft soll durch die politischen Maßnahmen der steuerlichen Entlastung, mehr Kindergeld und höheres Bafög steigen.
Ob der LEH hiervon profitieren wird ist offen. Vermutet wird, daß auch in 1999 größere Ertragseinbußen zu verschmerzen sind, bedingt durch Preiskämpfe, Konzentration und ein immenses Überangebot an Verkaufsflächen. Prognostiziert wird für Ende 1999 ein nominaler Anstieg von zwei Prozent. Preisbereinigt, so die Marktforscher der GfK, winke dem LEH erstmals seit Jahren wieder ein Plus.

Fruchtsafthersteller haben
ein schwieriges Jahr hinter sich

(tido) Schwierige Situationen hatten auch die im Verband der Deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. (VdF) zusammengeschlossenen 450 Hersteller im Jahr 1998 zu meistern.
Zwar wuchs die mengenmäßige Herstellung von Fruchtsäften, Fruchtnektaren und stillen Fruchtsaftgetränken ohne Kohlensäure um zwei Prozent, die wertmäßige Umsatzgröße von 5,1 Milliarden Mark des Vorjahres wurde nach ersten Zahlen jedoch nicht erreicht. Zu dieser Entwicklung trugen erhebliche Verteuerungen von knapp 100 Prozent bei den Orangensaftkonzentraten zu Beginn vergangenen Jahres bei, die zwingende betriebswirtschaftliche Konsequenzen zur Folge hatten. Die erforderlichen Preiserhöhungen für Orangensaft habe man nicht oder nur schleppend an den Handel weitergeben können, klagt der VdF, auch in dieser Branche finde ein zunehmender Verdrängungswettbewerb statt. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt mit einem Volumen von 41,4 Liter etwa auf Vorjahresniveau, wobei der Apfelsaft mit 12,8 Liter seinen Vorsprung vor Orangensaft mit 10,4 Liter halten konnte. Nach wie vor ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland der höchste in Europa.
Gute Ergebnisse konnten bei der Eigenherstellung aus deutschen und ausländischen Mostäpfeln erzielt werden. Knapp 500 Millionen Liter betrug die Eigenherstellung hochwertigen Apfelsaftes, womit die Fruchtsaftbranche über dem Ergebnis des Vorjahres liegt. Rund die Hälfte des Apfelsaftverbrauchs in Deutschland stammen aus eigener Produktion. Im Verhältnis zu importierten Apfelsaftkonzentraten aus Osteuropa seien die von deutschen Obstbauern geforderten Preise für Mostäpfel zur Herstellung von Apfelsaftkonzentrat “problematisch”, so der Verband, der im laufenden Jahr mit Zuwachsraten für die Fruchtsaftindustrie rechnet.

RGMI und WGL legen Logistik zusammen

(tido) Die beiden auf Getränkelogistik spezialisierten Unternehmen Rhein-Main-Getränkeindustrie GmbH (RGMI) und Wetterauer Getränke-Logistik GmbH (WGL) haben aufgrund ihrer weitgehend ähnlichen geografischen Aktivitäten eine Kooperation vereinbart, um sowohl bei der Warenbeschaffung als auch bei der Warenverteilung von Synergieef-fekten profitieren zu können. Danach werden die Geschäftsbeziehungen der RGMI zum 1. April 1999 auf die Wetterauer Getränke-Logistik übertragen.
Laut Unternehmensangaben sei die Übernahme der 50 RGMI-Mitarbeiter bereits vertraglich garantiert, auch den Kunden wolle man während der Übergangsphase einen reibungslosen und kundenfreundlichen Ablauf garantieren, heißt es weiter.