Branchengeschehen

Pro-Kopf-Verbrauch weiterhin rückläufig

Der inländische Pro-Kopf-Verbrauch an Bier sank 1998 um 2,7 Prozent von 131,2 auf 127,4 Liter. Die Zahl der betriebenen Braustätten verzeichnete jedoch einen Anstieg auf 1.283, welches zum größten Teil auf Brau-stätten mit einer Gesamtjahreserzeugung von bis zu 5.000 Hektolitern zurückzuführen ist.
Im wesentlichen handelt es sich hierbei um Gasthausbrauereien, deren Zahl auf mehr als 250 geschätzt wird. Numerisch an der Spitze liegt 1998 mit 696 betriebenen Braustätten Bayern, mit weitem Abstand folgen Baden-Württemberg (170), Nordrhein-Westfalen (115), Hessen (60), Sachsen (45), Thüringen (43), Niedersachsen/Bremen (41), Rheinl.-Pfalz/Saarland (39), Berlin/Brandenburg (32), Schles.-Holst./Hamburg (18), Sachsen/Sachsen-Anhalt (13) und Mecklenburg-Vorpommern (11). Der Gesamtabsatz im Januar 1999 sank um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, der steuerpflichtige Bierabsatz verzeichnete im Januar ein Minus von 7,6 Prozent. Die Ausfuhr sank um 16,8 Prozent. Im gesamten Brauwirtschaftsjahr 1998/99 war ein Minus von vier Prozent zu verzeichnen. Die Brau Ring Kooperationsgesellschaft Privatbrauereien nimmt jetzt eine bundesweite GfK-Meinungsumfrage zum Anlaß, um in den nächsten Wochen PR-Maßnahmen in die Wege zu leiten, an denen sich alle deutschen Brauereien beteiligen können.
Wie der Kooperationsvorsitzende Manfred Gebhardt-Euler in München vor Pressevertretern betonte, habe die GfK-Meinungsumfrage bestätigt, daß nur acht Prozent der deutschen Bevölkerung wüßten, daß es hierzulande mehr als 1.000 Brau-stätten gebe.
Aus der Sichtweise von Gebhard-Euler sei nun erwiesen, daß im Bewußtsein der deutschen Bevölkerung von den 1.283 ganze 100 Betriebe existierten. Besonders kritisch betrachtete er die Negativ-Antworten der 16 bis 29jährigen, die weit über dem Durchschnitt liegen. Daraus schließt Gebhardt-Euler, eine nun eingetretene negative Wirkung der sogenannten “Fernseh-Biere”, die massiv an der Bewußtseins-Veränderung beteiligt seien.
“Diese Verfälschung darf von den mittelständischen Privatbrauereien nicht länger hingenommen werden. Es muß ein ,nationaler Schulterschluß’ stattfinden. Dieses kann nur mit einer bundesweiten Aufklärungskampagne geschehen”, betonte angriffslustig Gebhardt-Euler.

Getränkefachgroßhandel mit pessimistischer Umsatz- und Gewinnerwartung

In der Frühjahrs-Konjunkturumfrage des Bundesverbandes des deutschen Getränkefachgroßhandels e.V., an der sich von 1.360 Mitgliedern 353 (26 Prozent) beteiligten, beurteilten die Unternehmen den Start der neuen Bundesregierung zu 63,7 Prozent mit “mangelhaft” und “ungenügend”.
Präsident Carl-Heinz Willems, beschreibt die Stimmung unter den Mitgliedern als pessimistisch: “Die Energie- und Mineralsteuerbelastung durch die sogenannte ,ökologische Steuerreform’, die Schlechterstellung der 630-Marks-Jobs, die Entscheidungen zur Scheinselbständigkeit und das Vor- und Zurück der Besteuerung von Unternehmensverkäufen konterkarieren die versprochenen Förderungen der mittelständischen Wirtschaft.”
Zudem sei die wirtschaftliche Lage ohnehin sehr angespannt: Gaben die Getränkefachgroßhändler ihre Umsatzentwicklung 1998 gegenüber 1997 noch mit einem Plus von 0,99 Prozent an, so gingen dagegen die Erträge um 1,40 Prozent zurück. 38,8 Prozent erwarten für das erste Halbjahr eine eher verschlechterte Umsatzentwicklung, und mit 51 Prozent prognostizieren über die Hälfte aller Unternehmen eine verschlechterte Ertragsituation. Von der vielzitierten Förderung der mittelständischen Wirtschaft sei nichts zu spüren, beklagt der Bundesverband. Ebenso unterminiere die Bundesregierung den Appell zu mehr Selbständigkeit durch eine praxisferne Abkanzelung der Scheinselbständigkeit. “In der Auslegung der bestehenden Sozialgesetze wäre beinahe jeder Existenzgründer im Bereich GAM oder Spedition nur scheinbar selbständig, wenn er üblicherweise zunächst mit einem Auftraggeber oder Lieferanten startet”, argumentiert GFGH-Hauptgeschäftsführer Günther Guder und weist darauf hin, daß ” ein Bill Gates unter solchen Bedingungen keine Entwicklungschance gehabt hätte, weil er anfänglich nur für IBM gearbeitet hat.” Sturm läuft der Bundesverband auch gegen die aus seiner Sicht benachteiligende Regelung der ökologischen Steuerreform, die zu dem Paradoxon führe, daß die Einweg produzierende Industrie entlastet und die Logistik der ökologisch vorteilhaften Mehrweggebinde im Handel durch die Mineralölsteuererhöhung belastet würde.
“Die Schere zwischen Umsatz- und Ertragsentwicklung öffnet sich immer weiter”, beklagt GFGH-Geschäftsführer Günther Guder die derzeitige Situation. Die Getränkefachgroßhändler mit einem Jahresumsatz zwischen zehn und 20 Millionen Mark melden für 1998 ein durchschnittliches Plus von 1,6 Prozent für Umsatz und Gewinn, hingegen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 20 Millionen Mark ein schwaches Umsatzplus von 0,57 Prozent verzeichneten, jedoch ein Minus von 3,31 Prozent bei der Gewinnentwicklung hinnehmen mußten.
Nicht nur der weiterhin sinkende Bierabsatz, mit 53 Prozent einer der Hauptumsatzträger, läßt den Optimismus bei den Mitgliedern in den Keller sinken, sondern ebenfalls die rückläufigen Umsätze bei den rund 7.000 Getränkeabholmärkten der Verbandsmitglieder.
Denn: “Sowohl der organisierte LEH als auch die künftig preisaggressiver agierenden Tankstellenshops haben dieses Geschäft entdeckt”, hat der Bundesverband “scharfsinnig” erkannt.
Neu ist diese Situation ebensowenig wie die Tatsache, daß die traditionellen GAM zunehmend verlieren. Statt beständig die Verantwortung auf andere Bereiche zu verlagern, sollte sich der Getränkefachgroßhandel mit der Ursache befassen. Die Getränkeabholmärkte müssen durch Serviceleistungen die Kunden binden. Eine mürrische, überlastete Mitarbeiterin in einem “Käfig”, sollte einem Serviceangebot weichen. Nicht der Kunde sollte das Leergut sortieren, sondern freundlich in Empfang genommen und betreut werden. Und dieses bis zum Verstauen der neuen Ware. Das häufig sehr unübersichtliche Angebot in den GAM und jegliche fehlende qualifizierte Beratung tragen bestimmt nicht zur Kundenbindung und somit auch nicht zur Rendite bei. Die Folge: ein ausschließlich preisaggressiver Wettbewerb, natürlich zu Lasten der Rendite. Bundesweit gibt es mittlerweile etliche Beispiele für gut geführte GAMs mit einer breiten Sortimentsauswahl. Und diese schwächeln nicht am Gewinn. Wenn der Kunde sich gut betreut fühlt, ist er auch bereit, einen bestimmten Mehr-Preis zu zahlen. Beispielsweise an den Tankstellenshops. In der Regel ist hier für alle Getränke ein höherer Preis zu zahlen als im GAM. Dennoch die Tankstellenshops werden immer mehr ernstzunehmende Mitbewerber für die GAMs. An erster Stelle werden bei Befragungen als Grund die “flexiblen Öffnungszeiten” genannt. Sicherlich ein Punkt der zum Nachdenken anregen sollte.
Ein Beispiel aus dem Sitz der Re-daktion: Neben dem organisierten LEH gibt es in unserem Ortsteil einen Getränkeabholmarkt, schlecht sortiert und mit einer stets unfreundlichen Mitarbeiterin. “Verbraucherfreundliche” Öffnungszeiten: nachmittags von 15.00 bis 18.00 Uhr (!). Die Folge: Dieser GAM wird sicherlich nicht nur von der Redaktion gemieden, sondern wahrscheinlich auch von anderen potentiellen Kunden. Derartige Beispiele sind kein Einzelfall, insbesondere für kleinere Städte, aber mit einer relativ hohen Anzahl von Haushalten, sprich also potentiellen Kunden.