Ein Weinbaugebiet im Wandel-Rheinhessen

von Monika Busch

Rheinhessen, auch als Land der 1000 Hügel bezeichnet ist das größte deutsche Weinanbaugebiet. Gelegen im weiträumigen Dreieck zwischen Mainz, Worms und Bingen wird es im Norden und Osten vom großen Rheinbogen umschlossen. Etwas verwirrend ist, dass Rheinhessen zu Rheinland-Pfalz gehört und nicht dem Bundesland Hessen zugehörig ist.

Die bestockte Rebfläche beträgt 26.268 Hektar, die Ertragsrebfläche 1998 betrug 25.368 Hektar. Von den 136 Gemeinden betreiben 133 Weinbau. Insgesamt existieren 5.485 Weinbaubetriebe (1997). Hauptrebsorte mit 21,7 Prozent ist Müller-Thurgau, gefolgt von Silvaner mit 12,6 Prozent. Weiterhin werden Riesling (9,6%), Kerner (8,4%), Scheurebe (7,2%) und Portugieser (6,5%) angebaut. 85 Prozent der Rebfläche ist mit Weißwein bestockt, 15 % mit Rotwein. Geerntet wurden 1998 insgesamt 2,57 Millionen Hektoliter Weinmost – für Rheinhessen eine Erntemenge, die knapp unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegt. Der Durchschnittsertrag beläuft sich auf 101 hl/ha. Die Region hat auch heute immer noch Imageprobleme. Allzu häufig steht Rheinhessen immer noch für den Exportschlager Liebfrauenmilch, also für Massenware im Supermarktregal. Die Winzer Rheinhessens gelten aber auch als sehr experimentierfreudig, stehen sie doch für etliche Neuzüchtungen.
Heute steht nun immer mehr das Qualitätsdenken im Vordergrund und einige Winzer aus Rheinhessen zählen heute zur internationalen Spitzenklasse. Mit dem Gemeinschaftsprogramm RS – Selection Rheinhessen, mit Winzersekten nach der Méthode Champenoise oder feinen Destillaten wird der Qualitätsanspruch untermauert. Alte Reben, klassische Rebsorten, Erträge von maximal 55 hl/ha und eine selektive Lese von Hand sind die Kriterien, die für die Herstellung von Weinen der Qualitätskategorie Selection Rheinhessen Voraussetzung sind. 1992 wurde die “Selection” ins Leben gerufen, unter der Prämisse, von gesunden Trauben nachhaltige Weine mit sortentypischen Aromen, aber ohne Auslesecharakter und einem konzentrierten, trockenen Geschmackseindruck zu vinifizieren. Die Winzerinnen und Winzer haben sich dieses Reglement selbst auferlegt, um das Qualitätspotenzial ihrer Lagen, Böden und Rebsorten unter Beweis zu stellen. Das Selectionssiegel garantiert, dass das Reglement im Weinberg eingehalten wurde und die Weine in der sensorischen Prüfung den hohen Qualitätsstandard der Jury mit Erfolg überschritten haben.
In Rheinhessen befindet sich auch mit 3.240 Hektar das weltweit größte Anbaugebiet für Silvaner. Mit “RS” – Rheinhessen Silvaner kam diese Rebe Mitte der achtziger Jahre zu “neuen Ehren”. Wie in allen deutschen Weinbauregionen pflegen auch hier die Weinbaubetriebe den ganz persönlichen Kontakt zum Kunden und bieten vielfältige Angebote mit den unterschiedlichsten Aktivitäten. Die Rebsorte Müller-Thurgau, Spitzenreiter im Anbau ist durch ihr Synonym Rivaner wieder stark im Kommen. Denn die Rebsorte aus der der Rivaner erzeugt wird, ist die Müller-Thurgau-Rebe. Gezüchtet wurde diese 1882 von Prof. Müller aus Thurgau in der Schweiz an der königlichen Lehranstalt in Geisenheim. Entstanden ist die Sorte durch eine Kreuzung. Lange Zeit wurde angenommen dass Riesling und Silvaner die “Eltern” waren. Deshalb auch der Name Rivaner, eine Zusammensetzung aus Riesling und Silvaner. 1996 wurde in Klosterneuburg mit Hilfe der Genort-Analyse jedoch ermittelt, daß der zweite Kreuzungspartner neben dem Riesling, der Gutedel war.
An die Lage stellt der Müller-Thurgau nur geringe Ansprüche, benötigt aber viel Kalium und Magnesium. Die Weine aus dieser Rebe sind hauptsächlich leicht und schmecken jung getrunken am besten. Aus der Müller-Thurgau-Rebe können spritzige Rivaner erzeugt werden, mit säurebetontem Charakter. Sie eignen sich vorzüglich als sogenannte Sommerweine an einem lauen Abend auf der Terrasse. Rotweinsorten, wie Dornfelder, Spätburgunder, Portugieser & Co. bestreiten in Rheinhessen die Hälfte aller Wiederanpflanzungen.
Die für 1998 ausgewiesene Rotweinfläche von 3.873 Hektar steigerte sich um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Spitzenreiter ist mit 1.723 ha der Portugieser, gefolgt von Dornfelder mit 1.125 und dem Spätburgunder mit 728 ha. Hingegen ist bei den meisten Weißweinsorten im Anbau ein Rückgang zu verzeichnen. Auch die beiden wichtigsten Rebsorten der Müller-Thurgau und der Silvaner verringerten sich jeweils um zwei Prozent. Auf der diesjährigen ProWein haben die Winzer aus Rheinhessen ihre Verkaufsförderungsaktion für den Fachhandel vorgestellt. Mit der Aktion für das Jahr 1999 soll den Händlern und Kunden mehr Lust und Laune auf die Weine aus Deutschlands größten Weinbaugebiet gemacht werden. Mit Unterstützung der Gebietsweinwerbung können die Winzer dem Fachhändler ein Paket aus Anzeigenkostenzuschüssen, finanzieller Beteiligung an Direkt-Mailings und Werbemitteln anbieten.