Henninger Brauereigruppe wird erneut restrukturiert

Verschmelzung zu Henninger-Eichbaum Brauerei AG

von Monika Busch

Die Henninger Brauereigruppe wird künftig unter dem Namen Henninger-Eichbaum Brauereien AG firmieren. Vollmundig versprach der Projektentwickler Werner Kindermann im Februar 1998 bei der mehrheitlichen Übernahme (nach dem Konkurs der März-Gruppe 1996 hielt der Konkursverwalter RA W. Folger 98,8 Prozent des Henninger-Aktienpaketes) seine Devise sei “Rendite-vor-Hektoliter-Denken”. Die Uhr ticke, deshalb werde sofort mit den Maßnahmen begonnen, so die Töne von Kindermann (dgw 3/4/98).
Seitdem wurde in alle Richtungen spekuliert, wer sich hinter “dem Kreis der Investoren” verbarg. Nun ist es heraus: hinter Kindermann und seiner RMN Rhein-Main-Neckar-Holding steht der SAP-Gründer Dietmar Hopp. Für Kindermanns Engagement war Hopp der Co-Investor.
Der ehemalige Deutschland-Chef von Hewlett-Packard und heutige Henninger-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Dieter Laidig präsentierte nun anlässlich einer Pressekonferenz am 15. Oktober diesen Jahres in Frankfurt weitere “Rettungsmaßnahmen”.
Denn im Rahmen zur Vorbereitung der anstehenden Restrukturierungsmaßnahmen habe sich gezeigt, dass ein erheblicher Finanzierungsbedarf erforderlich sei. Deshalb sei der Investorenkreis um Mitglieder der Familie Hopp erweitert worden. Die Geschäftsanteile der RMN werden treuhänderisch von dem Steuerberater Berthold Wipfler und Rechtsanwalt Dr. Christof Hettich gehalten (siehe Branchengeschehen).
Die Rettungsmaßnahmen sollen sich wie folgt gestalten. Künftig wird die Brauereigruppe unter dem Namen Henninger-Eichbaum Brauereien AG firmieren. Sitz der AG werden die Standorte Frankfurt (Main) und Mannheim sein. Geplant ist in Frankfurt der Neubau einer den Marktgegebenheiten angepassten, modernen und rentablen Brauerei. Insbesondere sei diese Maßnahme notwendig, um künftig an diesem neuen Standort rund um die Uhr produzieren und distribuieren zu können. Die Inbetriebnahme der neuen Brauerei soll im Jahr 2001 erfolgen. Das geplante Investitionsvolumen wird mit 90 Millionen Mark angegeben.
Die zur RMH gehörende Heidelberger Schlossquell Brauerei GmbH (diese erwarb Kindermann von der Brau und Brunnen AG) wird komplett durch die Henninger-Eichbaum-Brauerei AG übernommen.
Desweiteren beinhaltet der “Plan” auch eine gruppenweite Reduzierung der Mitarbeiterzahl um 180 bis 200. Konzentriert werden soll sich künftig auf die Kerngeschäftsfelder der einzelnen Standorte. Regional will man sich auf die Biermarken Henninger, Eichbaum, Freiberger, Heidelberger und Mammut konzentrieren.
National im Fokus stehen Karamalz und die Biermischgetränke, wie Radler. Eine Exportoffensive, so Laidig weiter, werde dem Unternehmen Wachstum erlauben und die Marktposition festigen und ausbauen. Die Umsatzentwicklung der Gruppe erfordere laut Laidig ein offensives Vorgehen am Markt. Schnelles und unternehmerisches Handeln sei erforderlich und dieses nicht nur aufgrund von Überkapazitäten, der nicht mehr zeitgemäßen Anlagen und der Standort-Situation in Frankfurt.
Der Gruppenumsatz sank im abgelaufenen Geschäftsjahr (30.9.99) um vier Prozent auf 460 Millionen Mark. Die Gruppe belegt mit einem Gesamtausstoß von 3,655 Millionen Hektoliter Bier auf dem deutschen Markt Rang 9. Die operativen Verluste der Gruppe im Geschäftsjahr 1998/99 bezifferte Laidig auf 21,8 Millionen Mark, wobei Henninger in Frankfurt mit 12,5 Millionen mehr als die Hälfte der Verluste eingefahren hat. Hinzu kommen außerordentliche Aufwendungen für Wertberichtigungen bei Sachanlagen und Beteiligungen in Höhe von 55 Millionen Mark sowie für das Jahr 2000 zurückstellende Restruktierungskosten von 25 Millionen Mark. Die Gesamtverluste addieren sich somit auf rund 100 Millionen Mark, die durch Darlehensverzicht der Hauptaktionärin RMN ausgeglichen wurde.
Erste Innovationen wurden auf der Anuga vorgestellt. Karamalz plus Lemon gibt es ab Anfang nächsten Jahres in der 0,5-l-Pet-Flasche, Henninger Kaiser Pilsner erhält eine neue Produktausstattung. Seit Juni diesen Jahres wurde das Pilsner von der Vichy- auf die Longneck-Flasche mit Drehverschluss umgestellt. Premium Lager soll auf eine breitere Basis gestellt werden.