Keine Trendwende im deutschen Gastgewerbe in Sicht

von Monika Busch

Die verhalten optimistischen Erwartungen der gastgewerblichen Betriebe für die Wintersaison 1998/99 wurden nicht erfüllt. Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturumfrage des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA). Die Hoffnung vieler Gastwirte und Hoteliers auf eine Verbesserung der wirtschaftlich schwierigen Situation der vergangenen Jahre habe sich nicht bestätigt. Von einer Trendwende könne keine Rede sein.
Die vorliegende Konjunkturumfrage bringt zum Ausdruck, daß erstmals Steuern und Sozialabgaben die meisten Nennungen bei den Problembereichen erhalten haben. Umsatzeinbußen bei 43,3 Prozent der Befragten, Ertragsrückgänge in jedem zweiten Betrieb, stagnierendes Investitionsverhalten und rückläufige Mitarbeiterzahlen stehen für die derzeitige wirtschaftliche Situation.
Aus dem Konjunkturbericht ist eine Zweiteilung des gastgewerblichen Marktes ersichtlich. Die Negativmeldungen aus der Gastronomie setzten sich fort, die Werte der Hotellerie sind zumindest stabil und deuten auf eine leichte konjunkturelle Entspannung in diesem Bereich hin.
Das abgelaufende Geschäftsjahr 1998 bezeichnet der DEHOGA aus wirtschaftlicher Sicht als eines der schwierigsten Jahre für das deutsche Gaststättengewerbe. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und DEHOGA-Berechnungen sanken die Umsätze der Gastronomen im Vergleich zu 1997 um nominal 3,1 Prozent. Wies die Gruppe der Restaurants, Cafés, Eisdielen und Imbißhallen noch ein Umsatzminus von 2,4 Prozent aus, schwanden die Umsätze im Segment “Sonstiges Gastgewerbe”, zu dem auch die Schankwirtschaften und Kneipen gehören, um 5,4 Prozent. Der Negativtrend scheint sich auch im ersten Quartal des Jahres 1999 fortzusetzen. Hier liegt das Gaststättengewerbe bei einem nominalen Umsatzminus von 4,8 Prozent (real -5,9 Prozent). 852 von 1.677 teilnehmenden Betrieben meldeten bei der Konjunkturumfrage gesunkene Umsatzzahlen.
Lediglich 22,7 Prozent konnten steigende Umsätze verbuchen. 58,7 Prozent der Befragten beklagten Ertragsrückgänge, 23,4 Prozent konnten im Vergleich zum Vorjahr gleichbleibende Erträge erzielen. Lediglich 14,6 Prozent der Unternehmen erzielten Ertragssteigerungen. In dem Bereich der Betriebe mit weniger als 250.000 Mark Umsatz sind Unternehmen mit deutlich gesunkenen Umsätzen und Erträgen überproportional präsent. 62,0 Prozent geben hier bei der Konjunkturumfrage Umsatz- und 66,1 Prozent Ertragsrückgänge an.
Lediglich bei den Betriebseinheiten mit bis zu zwei Millionen Mark Umsatz liegen die Werte für den Umsatzrückgang deutlich unter der 50-Prozent-Grenze. Die Einbußen bei Umsatz und Ertrag seien, so der DEHOGA, auf stagnierende oder weiter gesunkene Gästezahlen zurückzuführen. Zudem seien die Gastwirte nicht in der Lage, die Auswirkungen der anhaltenden schlechten konjunkturellen Lage durch Preiserhöhungen auch nur im Ansatz abzufedern. Diese würden von den Gästen nicht akzeptiert, so daß sich in 81,3 Prozent der Fälle die Preise für Speisen und Getränke auf Vorjahresniveau bewegten. Die wirtschaftlich angespannte Situation erlaube es den meisten Gaststättenbetrieben nicht, ihre Investitionstätigkeit zu erhöhen.
Blickten die Gaststättenbetriebe nach Beendigung des vergangenen Sommerhalbjahres noch verhalten optimistisch in die Zukunft, fand am Ende der Wintersaison 1998/99 eine deutliche Korrektur dieser eingeschränkt positiven Aussichten statt. Ein Drittel der Gastwirte rechnet auch für die kommende Sommersaison mit sinkenden Umsatzzahlen, 38,9 Prozent der Betriebe gehen von gleichbleibenden und 26,1 Prozent von steigenden Umsätzen aus. Besserung ist kaum in Sicht.
Marktforschungsunternehmen haben zudem ausgemacht, daß klassisches Verzehrverhalten immer stärker obsolet wird. Der Trend gehe, so die Institute, zum “Essen-rund-um-die-Uhr” und dies mit der Folge, daß vermehrt Imbisse und Snacks statt mehrgängiger Menüs nachgefragt würden. Bäcker, Metzger, Einzelhändler und Tankstellenshops würden somit immer mehr zur Konkurrenz der Ga-stronomen. Neben der Sparsamkeitsphilosophie ihrer Gäste, die immer mehr Leistungen für weniger Geld erwarten, identifizieren Gastwirte weitere segmentübergreifende Trends, wie beispielsweise die verstärkte Nachfrage nach Veranstaltungen, Aktionen und Events sowie der Möglichkeit des Verzehrs “außer Haus”.

DEHOGA fordert sofortige Aussetzung des “Chaos-Gesetzes”

“Es ist genau der Fall eingetreten, vor dem wir die Verantwortlichen immer eindringlich gewarnt haben. Bereits sechs Wochen nach Inkrafttreten der neuen Regelung für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse hat sich diese Regelung als erstklassiger Job- und Existenzvernichter erwiesen”, stellt Dr. Erich Kaub, Präsident des DEHOGA erbost fest. Denn, gerade das Gastgewerbe sei von dem de-facto-Wegfall der geringfügigen Nebenbeschäftigung härter betroffen als andere Branchen.
Nach vorsichtigen Schätzungen seien rund 200.000 Beschäftigte nicht mehr bereit, unter den neuen Bedingungen weiterzuarbeiten.
“Wie wir jetzt festgestellt haben, so Kaub, “sorgt der mit der Gesetzesänderung einhergehende Verwaltungsaufwand zusätzlich für Chaos in den Betrieben. Gerade kleine und mittlere Betriebe sind zwingend auf die Mitarbeit der 630-DM-Jobber angewiesen. Verkürzte Öffnungszeiten, Service-Engpässe oder gar Betriebsschließungen werden die Folge sein. Wie man sehenden Auges einer ganzen Branche einen Großteil der Mitarbeiter zwangsentlassen kann, ist für uns nicht nachvollziehbar. Viele unserer bisherigen 630-DM-Jobber sind dringend auf diese Entlohnung angewiesen, aber natürlich nicht