Mineralbrunnen von der Sonne nicht verwöhnt

Branche mit Absatzminus – Importe gestiegen

von Monika Busch

Nach einem Rekordjahr 1997 mit einer Absatzsteigerung um 5,6 Prozent auf rund 9,6 Millionen Liter, mußte die Branche 1998 nach vorläufigen Daten des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM) ein Minus von 1,1 Prozent hinnehmen. Von den 242 Betrieben (Vorj.: 239) mit 350 Marken wurden insgesamt 9.481,4 Millionen Liter abgesetzt (Vorj.: 9.591,7 Mio. Liter).
Davon entfielen auf die alten Bundesländer 8.550,4 (-1,7%), auf die neuen Bundesländer 931,0 Millionen (+4,7%). Den Löwenanteil bestritten die Mineral- und Heilwässer mit 7.392,6 Millionen, jedoch war hier ein Minus von 1,6 Prozent zu verzeichnen. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank auf 92,5 Liter (Vorj.: 93,4 l).
Mit 6.774,8 Millionen Liter verzeichnen die alten Bundesländer ein Minus von 2,2 Prozent, in den neuen Bundesländern gab es einen Anstieg um 5,2 Prozent auf 617,8 Millionen Liter. Die Mineralwässer mit Aromen sanken auf 82,0 Millionen, gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 3,4 Prozent (Vorj.: 84,9 Mio.). Leicht zunehmen konnten die Mineralwässer mit Frucht um 0,6 Prozent auf 2.088,8 Millionen Liter (Vorj.: 2.076,3 Mio.) Der Pro-Kopf-Verbrauch der Mineralbrunnen-Erfrischungsgetränke betrug 25,5 Liter (Vorj.: 25,3l).
Die Importe erhöhten sich auf 249,0 Millionen Liter (Vorj.: 223,0 l). Die Exporte sanken auf 57,0 Millionen Liter (Vorj.: 61,6 Mio.).
Die anhaltende Konsumschwäche und die kühle Witterung in den Sommermonaten sind auch im Was-sermarkt spürbar. Zudem entfaltet sich unter den Niedrigpreismarken ein immer stärkerer Preiskampf. Brancheninsider haben festgestellt, daß rund 35 Prozent aller CO2-haltigen Mineralwässer zu einem Kistenpreis von unter DM 5,00 verkauft wurden. Auch Branchenprimus Gerolsteiner samt Tochterunternehmen (Bad Pyrmonter, Birresborner, Glashäger, Margon) mußte 1998 sowohl Absatz- als auch Umsatzverluste hinnehmen. Der Absatz des Gerolsteiner Brunnen sank um 4,4 Prozent auf sechs Millionen Hektoliter bei einem Umsatz von 340 Millionen Mark. Der gesamte Gruppenabsatz in Deutschland verzeichnete ein Minus von 4,8 Prozent auf 7,7 Millionen Hektoliter.
Der Umsatz sank um 4,5 Prozent auf 423,5 Millionen Mark. Die Mineralwässer mit CO2 der Gruppe verbuchten ein Minus von vier Prozent, die stillen ein Minus von zwei Prozent und die Heilwässer branchenkonform ein Minus von 7,6 Prozent. Erfreulich verlief das Exportgeschäft mit einem Absatzplus von rund zehn Prozent auf 138.000 Hektoliter. Der Exportanteil am Gesamtabsatz beläuft sich auf 2,4 Prozent. Von der im November letzten Jahres eingeführten 1,0-Liter-PET-Mehrwegflasche konnten bis zum 31.12.1998 1,8 Millionen verladen werden. Diese Zahl wertet das Unternehmen als deutliches Zeichen für die hohe Akzeptanz des neuen Gebindes bei Handel und Verbraucher.
Die Gütersloher Unternehmensgruppe Gehring-Bunte Getränkeindustrie verzeichnete im gesamten Mineralbrunnenbereich ein leichtes Minus von 0,6 Prozent. Abgesetzt wurden 233,5 Millionen Liter (1997: 235 Mio.l). Das Mineralbrunnengeschäft Deutschland-West (Teutoburger Mineralbrunnen GmbH &Co) verzeichnete bei einem Absatzvolumen von 197 Millionen Liter (1997: 200 Mio.l) ein Minus von 1,5 Prozent. Erfreulich entwickelte sich das Mineralbrunnengeschäft Deutschland-Ost (Fläming Quellen) mit einer Steigerung von 4,3 Prozent auf 36,5 Millionen Liter (97: 35 Mio.l).
Das mit 470 Mitarbeitern erzielte Umsatz-Gruppenergebnis inklusive der Frischgetränke GmbH (Coca-Cola-Konzessionär) und dem GFGH belief sich auf 270,6 Millionen Mark, welches einem Minus von 0,5 Prozent entspricht (97: 272 Mio.DM). Wachstumpotential sehen die Gütersloher weiterhin in allen Mineralwas-sersegmenten, insbesondere bei den kohlensäurearmen Wässern. Auf den Jahrtausendwechsel hat sich das Unternehmen mit Investitionen in Innovationen sowohl im Verpackungs- als auch im Produktbereich vorbereitet. Rund zehn Millionen Mark wurden in eine neue PET-Anlage investiert.
Gestartet wird mit einer breiten Palette von Produkten und Erfrischungsgetränken, wie natürliches Mineralwasser in PET-Flaschen, teils Einweg, teils Pfandflaschen. Angepeilt für 1999 wird ein Absatz- und Umsatzwachstum von sieben Prozent bei einem “guten Sommer”, sollte sich dieser nicht einstellen, so wird dennoch von einem Wachstum von drei Prozent ausgegangen, wie eine Rückfrage ergab.
Mit 408 Millionen verkaufter Flaschen Mineralwasser und Limonaden und einer Absatz- sowie Umsatzsteigerung von 7,8 Prozent auf 122,4 Millionen Mark (Vorj.:113,5 Mio. DM), verbuchten die RheinfelsQuellen ein stolzes Wachstum entgegen dem Branchentrend.
Die positive Bilanz des deutschen Privatbrunnens ist nach Aussage von Geschäftsführer Wilhelm Josten vor allem auf die gezielte Marken- und Vertriebsstrategie sowie auf nachfrageorientierte Produktinnovationen zurückzuführen. So sei es gelungen flächendeckend den Distributionsausbau im organisierten LEH, im Getränkefachgroßhandel und in den Fachmärken voranzutreiben.
Wie das Unternehmen weiter mitteilt, konnten sich alle Mineralwassermarken behaupten und stehen für 80 Prozent des Gesamtabsatzes. Hocherfreut zeigten sich die Duisburger über die Entwicklung der Römerwall Apfelschorle. Binnen eines Jahres hätte diese sich zum Marktführer in NRW mit einem Anteil von 21 Prozent am Gesamtvolumen in diesem Segment entwickelt. Verkauft wurden 1998 über 13 Millionen Liter, überwiegend in 0,7-l-Mehrweg.
Von Römerwall ACE wurden seit der Einführung Mitte letzten Jahres annähernd 1,5 Millionen Flaschen verkauft. Für 1999 rechnet man mit einer Absatzsteigerung auf rund drei Millionen Füllungen.
Zufrieden zeigte sich das Unternehmen auch mit dem Bereich der Limonaden. Hier konnte der Absatz von Sinalco um 28 Prozent, bezogen auf das Distributionsgebiet der RheinfelsQuellen, erhöht werden.