Wein Special

Reben und gutedler Wein

von Monika Busch

Im Dreiländereck, wo Deutschland, die Schweiz und Frankreich zusammentreffen, liegt das Markgräflerland. Zwischen Freiburg und Basel, in der Vorbergzone des südlichen Schwarzwaldes, präsentiert sich Badens zweitgrößtes Anbaugebiet mit einer Ertragsrebfläche von 3003 Hektar. Das ursprüngliche Land des Markgrafen Friedrich von Hachberg-Sausenberg ist seit rund 200 Jahren die Heimat der Gutedeltraube, in der Schweiz als Fendant und in Frankreich als Chasselas oder Dorin bezeichnet. Ende des 18. Jahrhunderts von Markgraf Friedrich von Hachberg-Sausenberg aus Vevey am Genfer See in “seinem Ländle” eingeführt, ist der Gutedel bis heute die Spezialität und zugleich das Synonym für das Markgräflerland. Rund 40 Prozent der Rebfläche sind hiermit bestockt, die restlichen Flächen mit Müller-Thurgau, Nobling (Kreuzung Gutedel/Silvaner) und Spätburgunder. Die Landschaft ist geprägt von Obstgärten, saftigen Wiesen, farbenprächtigem Mischwald und sonnenverwöhnten Reblagen. Allgegenwärtig ist natürlich ein “Viertele” Wein. Als “Paradiesgärtlein” bezeichnete Johann Peter Hebel diesen Landschaftsteil. Gaumenfreuden und Naturerlebnisse samt Badekultur werden geboten. Denn es locken nicht nur sogenannte Konsumweine, sondern ebenfalls eine Vielzahl von Weinen für den anspruchsvollen Weinfreund, dazu eine exzellente Küche in den Gasthäusern der heimeligen Dörfer mit ihren lukullischen Genüssen.
Der Gutedel ist ein milder, trockener Wein, durch seine Spritzigkeit leicht und bekömmlich. Efringen-Kirchen ist Sitz der Winzergenossenschaft Bezirkskellerei Markgräflerland mit 732 Mitgliedswinzern und 330 Hektar Reben. In rund sechsundzwanzig Ortschaften wird rund 85 Prozent der Weinbaufläche von der Winzergenossenschaft erfaßt, mit einer Kapazität von fast zehn Millionen Litern. Neben dem besonders günstigem Klima mit rund 1.700 Sonnenstunden jährlich, den meist kalkhaltigen Löß- und Lehmböden bestimmen natürlich auch Kellertechnik und die Arbeit des Kellermeisters die Qualität der Weine.
Günter Ehret, Kellermeister der Bezirkskellerei Markgräflerland: “Für mich ist Wein nicht alles, aber ohne Wein ist alles nichts.” Das Markgräflerland ist auch ein “Sektland”, welches der Markgräfler Sektmarkt in Müllheim dokumentiert. Im vergangenen Jahr präsentierten über zwanzig Erzeuger rund fünfzig Winzersekte, ausschließlich im klassischen Flaschengärungsverfahren hergestellt. Verkostet werden konnten auch Gutedel- und Noblingsekte.

Sommelierweltmeister Markus Del Monego im Gespräch mit der dgw

Herr Del Monego, das Markgräflerland – die Toskana Deutschlands – ist da etwas dran?

Del Monego: Es gibt einige Parallelen von der Toskana zum Markgräflerland. Die wichtigste ist sicherlich, daß in beiden Regionen hervorragende Weine wachsen. Das oft gerühmte Licht der Toskana kann man ähnlich bezaubernd auch in der Markgrafschaft erleben. Allerdings ist das Markgräflerland deutlich grüner als die Toskana und die Weine haben einen ganz anderen Typus. Während die Toskana einen hohen Anteil an Rotweinen aufweisen kann, ist der Anteil an Weißweinen im Markgräf-lerland deutlich höher.

Steht das Markgräflerland nur für Gutedel oder mehr?

Del Monego: Da wäre – richtig – zunächst einmal der Gutedel, eine im ersten Moment unscheinbare Rebe, die allerdings ein großes Potential hat. Die Burgundersorten werden im Markgräflerland sehr erfolgreich angebaut. Gerade in der oberen Markgrafschaft geben die Kalkböden diesen Weinen einen eleganten und mineralisch geprägten Charakter. Die Burgunder sind hier vielleicht nicht so üppig wie am Kaiserstuhl, doch in der Regel Weine von Konzentration und Eleganz. Übrigens Weine, die ideal in der Gastronomie einzusetzen sind. In der Unteren Markgrafschaft, südlich von Freiburg, können Sie ausgezeichnete Gewürztraminer finden. Und der Nobling liefert ausgezeichnete Sekte.

Meinen Sie, daß die Weine aus dem Markgräflerland deutliche Marktchancen haben?

Del Monego: Ja! Das Markgräflerland – genauso wie Baden im allgemeinen – hat sehr gute Marktchancen in Deutschland. Das Qualitätsniveau ist hoch und zuverlässig konstant, sowohl für Weine der Weingüter als auch der Genossenschaften. Mit dem Gutedel hat das Markgräf-lerland eine Spezialität, die sich vielfältig einsetzen läßt. Mit dem Trend zur leichteren Küche eröffnen sich gerade für solche Weine enorme Chancen. Die Burgundersorten haben sich schon fest etabliert. Und wenn Sie die Weinkarten renommierter Restaurants in Deutschland unter die Lupe nehmen, dann werden Sie zahlreiche Markgräfler Weine finden. Übrigens, auch international finden die Weine großen Anklang. Ich habe immer Weine aus meiner Heimat im Handgepäck und bislang konnte ich bei Verkostungen – ob in Frankreich, Italien oder Fernost – regelmäßig Erfolge verbuchen. Ich sehe dort Marktchancen für die Zukunft.

Halten Sie den Gutedel für eine Rebe mit Zukunft?

Del Monego: Ja! Gutedel ist eine Rebsorte, die sehr reizvoll sein kann und eine Palette verschiedenster Weinstile hervorbringt. Der etwas zurückhaltendere Charakter der Rebsorte läßt vielfältige Interpretationsmöglichkeiten zu: Sie können den Gutedel ganz klassisch ausbauen, deutlich Terroir-geprägt mit seinem eigenen Charakter. Sie können einem mit Reinzuchthefen kaltvergorenen Gutedel intensive Fruchtaromen entlocken oder gar im edelsüßen Bereich Dessertweine mit üppigem Schmelz vinifizieren. Sie können den Gutedel klassisch im großen Holzfaß ausbauen oder aber im Stahltank, Sie können das sur-lie-Verfahren genauso anwenden, wie die malolaktische Gärung. Das Ergebnis wird auf alle Fäl-le reizvoll sein. Außerdem paßt der Gutedel ideal zur fernöstlichen Küche und zur momentan leichten, modernen Küche in Europa. Mit diesen vielfältigen Möglichkeiten ist der Gutedel bestens präpariert für die Zukunft.

Was bedeuten Innovationen für das Markgräflerland?
Sind sie eher wichtig oder gefährlich?

Del Monego: Baden ist immer für eine innovative Überraschung gut und da macht das Markgräflerland keine Ausnahme. Die Winzer haben ausgezeichnet gelernt, mit dem neuen Holzfaß umzugehen. Sur-lie und Biologischer Säureabbau sind Verfahren, die sehr gut umgesetzt werden. Die nächste Herausforderung wird wohl bei kaltvergorenen Weinen mit Reinzuchthefen liegen. Erste Weine sind bereits erfolgreich auf dem Markt. Diese innovativen Weinstile sind sehr wichtig, um neue Kundenkreise und Märkte zu erschließen. Gleichzeitig kann dabei auch der eigene Stil des Winzers weiterentwickelt werden. Solange diese Innovationen nicht zu einer Uniformität der Weine führen, stehe ich diesen Methoden positiv gegenüber. Gefährlich wird es aber, wenn plötzlich alle Weine diesen “Neue-Welt-Charakter” hätten und die Typizität des Terroirs bei der kompletten Weinpalette auf der Strecke bliebe. Es ist auch interessant zu sehen, daß die Länder der Neuen Welt, aus der diese Verfahren stammen, heute plötzlich anfangen, von Terroir zu reden. Da zeichnet sich der nächste Trend schon am Horizont ab. Und beim Trend “Terroir” können wir in der Alten Welt mühelos mithalten!

Herr Del Monego, wir danken Ihnen für das Gespräch.