“Gewinnen wird nicht unbedingt der Große, sondern der Schnellere”.

Sommertage Getränkewirtschaft“ als Branchentreff etabliert

von Monika Busch

Die “Sommertage GetränkeWirtschaft“ sind als Branchentreff etabliert. Als “Who is who” der Branche könnte das dritte Zusammentreffen diesjährig in Leipzig (23. bis 25. August) bezeichnet werden. Rund 400 Entscheider aus Marketing, Verkauf, Vertrieb und Handel kommunizierten ?eifrig“. Das Motto ?Realität und Visionen im Getränkemarketing“ ließ viel Spielraum für Dialoge und auch durchaus kontroverse Diskussionen.

Immer wieder wird über Sinn und Zweck von Veranstaltungen und Seminaren in der Getränkebranche diskutiert. Neben einem nicht unerheblichen Kostenaufwand schlägt letztlich auch immer der Zeitfaktor zu Buche, denn: ?Time is Money” – auch in der Getränkebranche. Jedoch, eine hochkarätige Veranstaltung, wie die jetzige in Leipzig, veranstaltet von Rüdiger Ruoss und der Lebensmittel Zeitung (LZ), wird nach wie vor stark frequentiert.

Und dieses zeigt auch die Struktur der Teilnehmer aus LEH, GFGH und Industrie. Über die Hälfte (53 Prozent) hatten Positionen in Vorstand und Geschäftsleitung inne beziehungsweise waren Inhaber. 31 Prozent kamen aus entscheidenden Positionen im Verkauf/Marketing. Zu 16 Prozent waren Key Accounts/Vertriebsleitung vertreten.

Das Programm sollte nicht nur den unternehmerischen Weitblick schärfen, sondern auch nachdenklich stimmen. Um beispielsweise für die eigene Strategie über den Tellerrand hinaus Hinweise und Ansätze zu finden, wie bei dem Thema “Wertevernichtung, Preisdumping und Wertschöpfung“. Hierzu formulierte Michael Schellenberger, Chefredakteur der LZ treffend: “Der Handel gibt ständig einen aus und niemand sagt Danke.”

Selbst Standing Ovations fehlten auf dieser Veranstaltung nicht. Bundesaußenminister a. D. Dr. Hans-Dietrich Genscher zog das Auditorium mit seinem Vortrag ?Die Wiedervereinigung. 10 Jahre danach.“ in seinen Bann. Fesselnd und humoristisch gab er einen Einblick hinter die “Polit-Kulissen“ und in das “Polit-Theater“.

Sichtlich gelöst und sehr engagiert referierte er über die Geschehnisse vor und nach der Wende und nutzte die Gelegenheit auch, um auf die jetzige Situation einzugehen. Hart kritisierte er die Bildungspolitik in Deutschland: “Wir haben die ältesten Abiturienten und die jüngsten Rentner. Mit dieser Struktur kann heute niemand mehr im internationalen Wettbewerb bestehen“ Auch ein Schmankerl fehlte in seinen Vortrag nicht. So erläuterte er beispielsweise sein Verständnis von “Diplomatie“. Jeder Außenminister habe in seinem Büro eine Weltkarte. Genscher selbst, habe seinerzeit jedoch darauf verzichtet und anstelle der Weltkarte einen Globus auf seinen Schreibtisch gestellt. Damit habe er sich jederzeit auf die Besuche der Außenminister einstellen können, indem er den Globus immer sichtbar auf das jeweilige Land eingestellt habe. So habe jeder Außenminister das Gefühl gehabt, dass sein Land wichtig sei. Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen GFGH, mahnte in seiner Begrüßungsrede das viel strapazierte Thema “Partnerschaftliche Zusammenarbeit“, insbesondere in Bezug auf Preise und Konditionen, Gebindepolitik und Umstellung von D-Mark auf Euro“ an.

Dieses sei aus der Sicht des Getränkefachgroßhandel sowohl heute als auch in Zukunft von großer Wichtigkeit. Seine Frage für den gesamten Getränkefachgroßhandel an Industrie und Handel lautete: “Wollen wir nun oder wollen wir nicht!? Denn Lippenbekenntnisse allein genügen nicht!”

Schaumkronen des Wettbewerbs

“Der Wettbewerb im Biermarkt trägt Schaumkronen, wie sie nicht eindrucksvoller auf einem gut gezapften Pils stehen könnten“, attestierte Karl-Heinz Roiger, IRI/GfK Retail Services, Nürnberg, in seinem Vortrag der Branche. Mittlerweile vereinen die zehn größten Brauereien hier zu Lande stattliche 55 Prozent des Bierabsatzes. Wie hinlänglich bekannt, sieht der Handel, aber auch die Industrie das “Preisargument” als einziges Wettbewerbsmittel.

Die Folge: die Verbraucher können sich immer preiswerter zuprosten. Roiger stellte fest, dass der Bierabsatz kurzfristig mehr denn je ganz erheblich von der Witterung beeinflusst werde. Ein wärmeres Halbjahr 2000 hätten vor allem die Top 10 nutzen können. Laut Roiger erreichten diese in den warmen Monaten Mai und Juni 2000 einen Mengenanteil von gut 56 Prozent.

Von einem verregneten Sommer ist nicht nur die Gastronomie betroffen, sondern auch der In-house-Konsum. Allen Unkenrufen zum Trotz: Bier ist nach wie vor Spitzenreiter unter den alkoholischen Getränken und rangiert in der Beliebtheitsskala bei den Getränkegattungen ganz oben. In Deutschland wird 66 Prozent mehr Bier getrunken als im Durchschnitt der europäischen Nachbarn. Fakt ist, dass alkoholhaltige Getränke seit langem ein relativ stabiles Ausgabenbudget in den deutschen Haushalten haben. Vom Gesamtkuchen entfallen rund ein Drittel der Haushaltsausgaben auf Bier, gefolgt von Wein.

Die Käuferreichweiten, so Roiger, blieben auf hohen Niveau stabil. Eine erfolgreiche Positionierung im Biermarkt sieht Roiger für Spezialitäten, da diese fast immer mit einem regionalen Ursprung verbunden sind, insbesondere für Segmente mit eindeutig regionaler Herkunft wie beispielsweise Kölsch, Weizen oder Altbier. Auch Schwarz- und Bockbiere bieten gute Chancen für die regionalen Anbieter. Beispiele in der Branche gibt es genügend, wie Privatbrauerei Strate (Detmold), Augustiner-Bräu (München), Staatsbrauerei Rothaus (Grafenhausen), Brauerei Leikeim, Weißbierbrauerei Hopf oder Pott‘s Brauerei (dgw 1/2/00: “Hidden Champions“). Diese Beispiele zeigen auf, dass nicht global von einer Krise der deutschen Brauereilandschaft gesprochen werden kann, sondern von Krisen in einzelnen Unternehmen.

Immer wichtiger werden bei einem verschärften Wettbewerb innovative Wege zur Konsumentenfindung- und bindung, aber auch Kostenreduzierungen. Und das Beenden der immer noch stattfindenden Wertevernichtung durch so genannte Dauerniedrigpreise. Gewinnen wird nicht mehr unbedingt der Große, sondern der Schnellere.

Die Zielsetzung sollte sein: ein Hochleistungsunternehmen zu schaffen und sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Laut GfK haben die deutschen Haushalte im 1. Halbjahr 2000 23,3 Millionen Hektoliter Bier eingekauft. Dieses entspricht der Hälfte des letztjährigen Gesamtabsatzes. Hierbei bestreiten Verbrauchermärkte und Discounter mittlerweile schon 35,5 Prozent.

Die Discounter (ohne Aldi) erhöhten den Marktanteil auf zwölf Prozent, denn die Literpreise dieser Billiganbieter lagen rund 19 Prozent unter dem Branchendurchschnitt und verbilligten sich gegenüber dem Vorjahr erneut um vier Prozent. Als dramatisch bezeichnete Roiger die Entwicklung im traditionellen LEH. Die Marktbedeutung für Bier in diesem Segment beträgt nur noch knapp 23 Prozent.

Bei Pils gewinnt laut GfK das so genannte Premiumsegment seit Jahren Marktanteile hinzu. Der Anteil dieser Marken belief sich am Ende des ersten Halbjahres 2000 auf 47 Prozent. Der Marktanteil der Pils-Konsumbiere ist von 70 Prozent zu Beginn der 80er Jahre auf knapp unter 60 Prozent gesunken (1999).

Der Durchschnittserlös für das definierte Premiumsegment Pils liegt rund 15 Prozent über dem Durchschnittspreis von Pils gesamt, beziehungsweise dem Konsum-Pils. Beim Preiseinstiegssegment kann sich der Verbraucher um rund ein Drittel billiger versorgen. Zu den Gewinnern des Jahres zählen die Biermischgetränke mit einen Absatz von 480.000 Hektoliter (1.Hj.2000) – ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 1999….

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Printausgabe 11/12/2000