Let`s talk about Brau 2000

Informations-Plus durch vielfältiges Rahmenprogramm

von Monika Busch

Die 42. Europäische Fachmesse für die Brau- und Getränkewirtschaft von 15. bis 17.11.2000 im Messezentrum Nürnberg frequentierten 37.482 Fachbesucher (99: 36.804) aus dem technischen und kaufmännischen Management der europäischen Bier- und Getränkewirtschaft. Mehr als ein Drittel der 1.554 Aussteller (99: 1.508) kamen aus dem Ausland. Italien (81), Österreich (64) und Großbritannien (58) stellten die größte internationale Beteiligung. Wie die Messegesellschaft mitteilt, war die Stimmung an den drei Messetagen ausgezeichnet.

Rund neunzig Prozent der Aussteller waren mit dem Gesamterfolg ihrer Beteiligung zufrieden. Und 97 Prozent der Besucher äußerten sich in der Umfrage eines neutralen Instituts lobend über das Angebot der Brau 2000.
Ebenso zufrieden äußerten sich die Aussteller über das rege Interesse hoch qualifizierter Fachleute.

Rund 85 Prozent sind in ihren Unternehmen in Einkaufs- und Beschaffungsentscheidungen einbezogen. „Maschinen und Anlagen made in Germany stehen derzeit vor allem bei Entscheidern aus den osteuropäischen Ländern hoch im Kurs. Das bestätigen die marktführenden deutschen Unternehmen nahezu einhellig”, so die Messebilanz von Roland Kast, Projektleiter der Brau bei der NürnbergMesse.

Und dies gelte besonders für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Die rund 620 deutschen Betriebe mit 56.800 Beschäftigen in diesem Wirtschaftszweig kamen 1999 auf einen Gesamtumsatz von fast 13 Milliarden Mark. Das Segment Getränke- und Getränkeverpackungsmaschinen bestritt hiervon 2,4 Milliarden Mark. Über die Hälfte der Brau-Besucher kamen wie in den Jahren zuvor aus Brauereien und Mälzereien. 17 Prozent bestritten Fachbesucher aus den Segmenten Erfrischungsgetränke, Mineralwässer, Fruchtsäfte, Molkereien und der sonstigen Getränkewirtschaft. Schwerpunkt mit rund 50 Prozent ist nach wie die Getränketechnologie. Dazu zählen Maschinen und Anlagen zur Erzeugung und Abfüllung von Getränken, die technische Ausstattung für Betrieb und Labor, energietechnische Anlagen sowie Betriebsstoffe und Packmittel.
Seit 1989 findet parallel zur Brau eine Getränkefachbörse Bier und Alkoholfrei statt. Diese ging zur Brau 2000 unter dem neuen Namen Getfab an den Start. Rund sechzig Aussteller nutzen die Getfab für die Präsentation ihrer Produkte.
Wie die Messegesellschaft weiter mitteilt, haben rund 40 Prozent der Brau-Besucher dieses zusätzliche Angebot genutzt. Einhelliges Lob der Getfab-Fachbesucher gab es für das Fachseminar „Trends erkennen, Zukunft sichern” am zweiten Messetag. Insgesamt 160 Seminarteilnehmer kamen zu den Vorträgen. Das stark erweitere Rahmenprogramm fand regen Zuspruch bei fast sechzig Prozent der Fachbesucher. Erstmals fand das Top-Management-Seminar für die Brauindustrie von Roland Berger & Partner in unmittelbarer räumlicher und zeitlicher Nähe zur Brau 2000 statt (siehe Der Biermarkt ist tot. Es lebe der Biermarkt!). Ebenso lud erstmals Rüdiger Ruoss, Management-Berater für die internationale Getränkeindustrie, zum 1.World Beer Tasting for
professionals. Die Teilnehmer stellten sich der durchaus nicht einfachen Aufgabe, zwölf unterschiedliche Biertypen im Blindtest richtig zu erschmecken. Hans Schinner, Präsident des Verbandes der mittelständischen Privatbrauereien in Bayern e.V., wies im Rahmen der Pressekonferenz in Nürnberg, darauf hin, dass die „Dosenproblematik” nach wie vor Kummer bereite.

Der Verband freue sich jedoch darüber, dass heute mehr Frauen zum Bier griffen als früher. Durch die bessere Ausbildung sei ein größerer Teil als früher berufstätig, und daher sei auch mehr Geld für die Konsumwünsche vorhanden. Ferner hätten Frauen auch mehr Zeit für „geselliges Trinken”.
Bisher sei versucht worden, so Schinner weiter, eigene Bierkompositionen speziell für Frauen anzubieten, da man vermutet habe, dass Frauen stärkere, nicht zu herbe und dunklere Biere bevorzugten. Mittlerweile würden sich die Trinkgewohnheiten zwischen den Geschlechtern immer mehr angleichen. Allerdings bevorzuge das weibliche Geschlecht kleinere Einheiten und dieses
sollte besonders bei der Gestaltung der Gläser berücksichtigt werden. Insgesamt gesehen seien Frauen für die Getränkebranche eine äußerst attraktive Zielgruppe und deshalb werde in Zukunft sicherlich eine Vielzahl von Produkten auf den Markt kommen, die besonders weibliche Konsumenten ansprechen würden.„Wir wollen unser reines Bier ins richtige Licht setzen, nicht nur als Durstlöscher, keinesfalls als Droge, sondern als Genussmittel ohne Reue mit einem hohen Gesundheitswert, und dann können wir einer erstrebenswerten Zukunft erwartungsvoll entgegen sehen.” Schinner stellte weiter fest, dass die zunehmende Globalisierung zu einer Beliebigkeit und Austauschbarkeit der Produkte führe. Dadurch verliere der Massenmarkt an Bedeutung: Genuss und Geschmack rückten immer stärker in den Vordergrund. Dass es sich bei der Brau- und Getränkewirtschaft um einen sehr innovativen Wirtschaftszweig handelt, stellte die Firma Sanders Fun Products GmbH, Neutraubling eindrucksvoll auf der Getfab unter Beweis.
Mit „Produkten für Leute von Heute” haben die Neutraublinger erfolgreich Nischen besetzt. Trendforscher prognostizieren für die kommenden Jahre völlig neue Getränke-Generationen. Getränke, die absolut „hip” sind, aber auch ebenso so schnell wieder „out”. Also mit kurzem Lebenszyklus, aber einer umso höheren Rendite. Glänzende Umsatzzuwächse erzielt die Ideenschmiede Sanders mit so genannten Trendprodukten. Beispielsweise mit Billy Boy und Big Ben, Energydrinks mit angesleevtem Kondom.
Oder mit Zulu42 – Espresso Liqueur oder Wodka Lemon im zischenden Taschenspray und dem Powerdrink Dolly Buster, der mit prallem Busen auf dem Etikett Durst auf noch mehr macht.

Das Erfolgskonzept basiert auf unkonventionelles Denken, „Verrücktheit im Team” und gleichzeitiger konsequenter Umsetzung der Produktvisionen. In nur drei Jahren haben die Querdenker aus Ostbayern mit ihren „Verkaufshits” unter der Regie von Firmenchef Alexander Czech den Unternehmensumsatz laut eigenen Angaben von 140.000 in 1998 auf voraussichtlich 3,5 Millionen
Mark im Geschäftsjahr 2000 verzwanzigfacht. Die Strategie: Marktberechnung, professionelles Produkt-Know-how und konsequentes Marketing mit maximalem Umschlagtempo der Produkte im Convenience-Bereich, in der Gastronomie sowie im LEH und Getränkefachhandel. Stolz verweist das junge Marketingteam auf Abverkaufszeiten von drei bis sieben Tagen für die Umsatzrenner Billy Boy und Big Ben, denen die gleichnamigen Kultkondome ihren Namen geben.

Stolz berichtete Czech, dass die Neutraublinger mittlerweile die größten Einzelabnehmer dieser Kondome seien. Seit Einführung seien rund 1,1 Millionen Dosen verkauft worden – und dieses zu einem nahezu identischen Preis wie der Marktführer Red Bull. Synergieeffekte nutzen, heißt das Zauberwort bei Sanders. „Mehr Spaß durch Power” – diese Botschaft erzählen Produkte wie Billy Boy mit angehängtem Präservativ am PoS selber. „Den USP versteht jeder, auch ohne teure Werbung”, betonte Czech. Die Emotionen der jungen lebensfreudigen Zielgruppe schneller als andere zu erkennen, Trends und Stimmungen aufzufangen und schnellstens Handelsprodukte umzusetzen, sind die Zielvorgaben in Sanders-Denkfabrik. Das mittlerweile achtköpfige Team pflegt das „verkaufsfördernde Image” als Crazy-Company im Getränkebereich, durch ein flankierendes Non-Drink-Programm, das den Kunden ebenfalls vor eines bringen soll: „Mehr Spaß am Leben.” „Wir wollen Sanders Fun Products und unser Label – den geöffneten Sexy-Mund als Brand der Subkultur, über die Einzelprodukte als Qualitätslabel für Fun und Lebensspaß im Markt positionieren”, so das Fazit von Alexander Czech. Und wer das Team besucht, wird feststellen, dass dies durchaus realistisch ist.

Turnusgemäß pausiert die Brau in diesem Jahr.
Die nächste Brau findet vom 13. bis 15. November 2002 statt.