Neue Ära für Tetra Pak: Einstieg in das Kunststoffverpackungs-Segment

Neue Barrierelösungen für PET-Flaschen vorgestellt

von Timur Dosdogru

Neue Ära für Tetra Pak: Einstieg in das Kunststoffverpackungs Segment Neue Barrierelösungen für PET-Flaschen vorgestellt von Timur Dosdogru.

Getreu dem Motto “Der Kunde kriegt immer was er will, entweder von uns oder vom Mitbewerber”, will der Kartonverpackungsspezialist Tetra Pak, Hochheim, ins Kunststoffverpackungsgeschäft einsteigen.

In Deutschland sollen nun auch die bereits im Ausland erfolgreich erprobten aseptischen PET-Abfüllanlagen und Blasmaschinen eingeführt werden. Außerdem wurde eine neue aseptische HDPE-Abfüllanlage (High-Density-Polyethylen) eingeführt. Zwei ebenfalls neuartige Barrierelösungen für PET-Flaschen sorgen dafür, dass die Flaschen diffusionsdicht werden. Die so genannten Barriereflaschen sollen in Deutschland bereits ab diesem Jahr angeboten werden – wer allerdings bei Tetra Pak auf der Kundenliste steht, wollte Harry Salonaho, Vorsitzender der Geschäftsführung der deutschen Tetra-Pak-Gruppe, noch nicht sagen. Eines aber weiß er schon: “Eine neue Ära beginnt für Tetra Pak.” Zwar seien Kannibalisierungseffekte gegenüber den eigens produzierten Kartonverpackungen nicht auszuschließen, aber der Kunststoffmarkt sei zu wichtig “und deshalb müssen wir in diesem Markt präsent sein”.

Mit der Aufnahme von Kunststoffflaschen in die Produktpalette biete das Unternehmen nun den Kunden Lösungen an, um im Zuge der Globalisierung bestehen und neue Märkte erschließen zu können, so der Tetra-Pak-Chef weiter. “GlaskinTM” und “SealicaTM” heißen die neuen Beschichtungslösungen, die ein vorzeitiges Entweichen der Kohlensäure und ein Eindringen von Sauerstoff verhindern sollen, was bisher bei herkömmlichen PET-Flaschen die Haltbarkeit flüssiger Nahrungsmittel beeinträchtigte.

Die neuen diffusionsdichten Flaschen verhindern laut Unternehmensangaben den Gasaustausch durch die Außenwände der Flaschen und sollen eine Produkthaltbarkeit je nach Kategorie von bis zu zwölf Monaten garantieren. Beide Barrierelösungen seien in Feldversuchen in Europa und den USA ein Jahr lang getestet worden, was die Kundenerwartung voll erfüllt und teilweise sogar übertroffen habe, so Salonaho. Beim GlaskinTM-Verfahren wird auf der Innenseite fertig geblasener PET-Flaschen eine kristallklare und geschmacksneutrale Schicht Silikonoxyd aufgetragen. Die dadurch erzielte Barrierewirkung soll 17 Mal höher sein als bei herkömmlichen PET-Flaschen, weil das Produkt nicht mit dem PET in Berührung kommt. Zwar geben laut Tetra Pak die meisten Abfüller der Anlieferung fertiger Flaschen den Vorzug, möglich sei aber auch die Vor-Ort-Produktion von beschichteten Flaschen aus Preforms beim Kunden, heißt es aus Hochheim.

In Deutschland können die Flaschen über das Duale System der Kunststoffverwertung zugeführt werden. Beim SealicaTM-Verfahren wird ein thermoplastischer Kunststoff mit dem Markennamen Blox auf die Außenseite von PET-Preforms aufgebracht. Damit dürfte auch für die Fruchtsaft- und Milchindustrie der PET-Traum näher gerückt sein. Die Schichtstärke kann vom Kunden individuell festgelegt und somit unterschiedliche Grade der Gasdichtigkeit für unterschiedliche Füllgüter erreicht werden. Der Vorteil: Es wird nur bezahlt, was an Barrierematerial auch verbraucht wird.

Für den Markt der stillen Getränke bieten die Hochheimer neben Preforms und fertig geblasenen Flaschen jetzt auch aseptische Abfüllanlagen an. Dazu wurde eine neue Rotationsanlage (Tetra PlastTM RFA-40) für aseptische PET-Abfüllungen entwickelt, die zudem ohne handelsübliche und kostenintensive Reinraumtechnik auskommt. 12.000 Abfüllungen sind hier pro Stunde möglich, alle gängigen Flaschengrößen und -formen lassen sich mit dieser Anlage verarbeiten. Darüber hinaus gibt es bei Tetra Pak für den Markt der kohlensäurehaltigen und stillen Getränke auch PET-Blasmaschinen. Mit einem Ausstoß von 7200 Flaschen pro Stunde ist laut Unternehmen die Blasmaschine Tetra-Plast LX-6 die schnellste ihrer Klasse und eignet sich für Flaschengrößen von 0,25 bis zwei Liter – mit leichten Modifikationen sind auch 2,25 Liter möglich. Abfüllen lassen sich damit kohlensäurehaltige Getränke, Bier, Eistee und Speiseöl. Die fertig geblasenen Flaschen aus HDPD eignen sich vor allem für die einfache und kostengünstige Abfüllung von haltbarer Milch. Auch diese Abfüllanlage namens Tetra PlastTM LFA 20 kommt ohne Reinraumtechnik aus und soll in diesem Sommer in Serie gehen. Geben wird es verschiedene Flaschenformen und -größen, mit oder ohne Henkel, je nach Anforderung an die Produkthaltbarkeit besteht die Flasche aus bis zu sieben Lagen.

Die Flaschen für haltbare Milch werden mit steriler Luft geblasen und geschlossen an die Abfüllanlage befördert, wo sie quasi geköpft und dann befüllt werden. Daher muss auch nur noch der Flaschenhals nachsterilisiert werden, anschließend wird die Flasche mit Aluminiumfolie verschlossen und dann mit einem Schraubverschluss versehen. “Die Anuga hat eindrucksvoll bestätigt, dass auch der deutsche Markt die Kunststoffflasche fordert”, so Salonaho. Mit den neuen Flaschen für Molkereiprodukte werde die Marktposition der deutschen Milchwirtschaft im Zeitalter der Globalisierung gestärkt. Schließlich würden Kunststoffflaschen für Molkereiprodukte schon seit Jahren für das Ausland produziert. In Sachen Frischmilch erwarteten die Hochheimer für Anfang dieses Jahres auch einen Meilenstein in einem ihrer klassischen Segmente: irgendwo in Deutschland ging die 500-millionste Tetra Brik Square-Verpackung über den Ladentisch – was laut Unternehmensangaben für einen Marktanteil von knapp 50 Prozent bei der kartonverpackten Frischmilch steht.

Die Verpackung mit mit dem so genannten FlexiCap sei von den Verbrauchern hervorragend angenommen worden, heißt es. Somit ist wieder einmal Bewegung in den Verpackungsmarkt gekommen und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Kürzlich haben die im Fachverband Kartonverpackung für flüssige Nahrungsmittel (FKN) e. V., Wiesbaden, vertretenen Hersteller (darunter auch Tetra Pak) beim Umweltbundesamt (UBA) die Einführung eines neuen Umweltzeichens für Milchkartons beantragt. Dies sei eine der Schlussfolgerungen, die man aus der seit März vorliegenden Ökobilanz des Fraunhofer Instituts zu Frischmilchverpackungen ziehe, so dazu FKN-Geschäftsführer Dr. Wilhelm Wallmann. Nach dieser Studie (die dgw berichtete ausführlich in der Ausgabe 9/99) lägen bei einer ganzheitlichen Betrachtung des Lebensweges der Milchmehrwegflasche und der Karton beide sehr nahe beieinander. “In einigen Umweltbereichen schneidet der Karton, in anderen schneidet die Flasche besser ab”, so Wallmann, der darauf hinweist, dass das zusammenfassende Ergebnis der Studie keine eindeutige und umfassende Priorisierung eines Systemtyps ausgemacht habe. “Von zwei ökologisch gleichwertigen Produkten kann nicht eines mit dem “Blauen Engel” ausgezeichnet sein, dem anderen aber dieser Hinweis an die Verbraucher versagt bleiben”, ist für den FKN der Fall klar, der dies auch in seiner Antragsbegründung niedergelegt hat.

Die Kartonhersteller wollen durchsetzen, dass auf ihren Produkten künftig ein Satz wie “Umweltzeichen weil transportvermindernd” oder “Umweltzeichen weil ressourcenschonend” in Verbindung mit dem “Blauen Engel” vermerkt sein soll. Schließlich sei es nur konsequent, wenn man beim Getränkekarton genauso verfahre, wie seinerzeit beim Milchschlauchbeutel.

Eine Ökobilanz des Umweltbundesamtes war 1998 zu dem Schluss gekommen, dass Schlauchbeutel und Flasche ökologisch gleichwertig seien – was seither für den FKN ein ständiges Ärgernis darstellt, weil der Schlauchbeutel sich seitdem mit dem Umweltengel und dem Hinweis “…weil verpackungsarm” schmücken darf.

Verweis: Die komplette Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 1/2/2000