Test-O-Manie

Fragt doch Einer mein Frauchen – eine Expertin im Verkosten – ob diese Begabung auch auf mich abgefärbt habe? Natürlich hat das abgefärbt! Und so durfte ich Hundefutter testen.

Welch eine Vielzahl von Duftnoten schlug mir im Forschungsinstitut entgegen. Rindfleisch in den verschiedenen Variationen: pur, mit Gemüse und – welch eine Leckerei – mit Leber und Nierchen, garniert mit einem Stück Pansen; Känguruschwanz in Aspik; Schweine Potthast, sauerländer Art; frisches Lamm aus Friesland. Einfach überwältigend, die Vielfalt. Ich probierte das eine oder das Töpfchen. Das eine fraß ich leer, das andere schubste ich weg, der weißbemantelte Mensch wusste dann schon, was ich mochte.

Dass die Menschen die Gläser, die Töpfchen, die Dosen, die Weichpackungen stehen gelassen haben, hat mich aber nicht beeindruckt. Ich bin doch kein Mensch, der auf jede noch so blöde Werbung hereinfällt und dabei das Produkt vergisst. Ob ich über einen Graben springen möchte, auf einem Balken balanciere oder noch so klug dreinschaue, entscheide ich selbst und nicht die Werbung.

Wie war das doch anders bei der letzten Bierprobe, zu der ich mit musste. Was traf ich da doch für arme Menschen. Sie wussten nur, dass sie Bier tranken. Keiner konnte das eine vom anderen unterscheiden, stritten sie sich auch noch, wer welches Bier gebraut habe und welches er nun trinke. Sie testen blind, damit sie nicht von Namen und Gebinden beeinflusst werden. Können sie aber nach Geschmack und Geruch urteilen, wenn sie keine Biertrinker sind? Das wäre ungefähr so, wie wenn ich mir ein Urteil über Hundefutter erlauben würde und nur tiefrotes Tatar von so genannten Château-Rindern von Salzwiesen und eines bestimmten Jahrgangs gustierte.
Und dann noch die Werbung? Was muss sich der Mensch ärgern, der viel Geld für Werbung ausgibt und dann nicht einmal sein eigenes Bier erkennt. Oder wie freut es den Menschen, dessen unverwechselbare Spezialität erkannt und genossen wird? Oder wie feixt dieser Mensch, der weiß, sein Bier wird auch akzeptiert, obwohl es nur die Hälfte des anderen im Laden kostet. Das Hundefutter, das fünfmal am Abend im Fernsehen ist, wie auch diejenigen Biermarken, die mich permanent anöden, beide Produkte, meines und das meines Herrchens, werden immer billiger. Nur eins wissen mein Herrchen und ich: Einheitspaste und Einheitsbier mögen wir beide nicht!

Bis zum nächsten Mal!

Euer Viktor