Binding poliert Dortmunder Tochter auf Hochglanz

DAB soll 2002 wieder Gewinne vorweisen

von Monika Busch

Die Sanierung und Neuausrichtung der Binding-Tochter Dortmunder Actien-Brauerei (DAB) nimmt konkrete Formen an. Um eine Insolvenz abzuwenden, stellte die Muttergesellschaft, mit 75,3 Prozent Hauptaktionär, bereits im ersten Schritt einen Kredit in Höhe von 55 Millionen „zur Sicherung der unternehmerischen Selbständigkeit zur Verfügung“. Erklärtes Ziel sei, so Ulrich Kallmeyer, Binding-Vorstandschef und DAB- Aufsichtsrat anlässlich der Pressekonferenz am 28. Mai dieses in Jahres in Dortmund, dass die größte Tochter 2002 wieder Gewinne einfahren soll.

„Ein zweistelliges Ergebnis wäre für uns zufriedend stellend“, so der Vorstandsboss. Um diese Zielsetzung zu erreichen, wird sich das Tochterunternehmen an dem Konzernhintergrund orientieren müssen und dies bedeutet vorrangig eine wirtschaftliche Orientierung. Innerhalb des Konzerns findet zudem ein Generations- und Führungswechsel statt, um die „Expansion der Gruppe vorzubereiten”. Als Pilotobjekt soll die DAB als Kosten- und Profitcenter installiert werden. Die Dortmunder Tochter sei allein nicht mehr überlebensfähig, betonte Kallmeyer.

Das Geschäftsjahr 2000 schloss die DAB mit einem Verlust von 60,7 Millionen ab und dieses bedeutete „eine Bedrohung des Grundkapitals von 33 Millionen Mark“. Allein durch die Nachholung von bisher unterlassenen Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen entstand ein einmaliger außerordentlicher Aufwand von 43,1 Millionen Mark. Kallmeyer betonte, dass sich Bindung klar zum Standort Dortmund bekenne, in den Vordergrund jedoch das Risikomanagement rücke. Künftig wird man sich in Dortmund verstärkt auf das Regionalmarkengeschäft mit den Marken DAB, Kronen,Thier, Stifts und Hövels Bitter konzentrieren, gleichzeitig sollen die nationalen Marken der Gruppe in Dortmund weitere Marktunterstützung erhalten. „Wir lassen niemanden fallen und schon gar nicht in der Not“, kommentierte Kallmeyer die Neuausrichtung. Aber als Teil der Gruppe, müsse sich die DAB den Regeln fügen. Denn es könne nicht heißen „Zum Bezahlen sei die Mutter gut genug, aber sonst bleibe mir bitte vom Leibe. Die DAB braucht eine Chance und diese hat sie bekommen“. Das komplette Marketing wurde nach Frankfurt verlegt und im Vertrieb wird ebenfalls eng mit der Konzernmutter zusammengearbeitet. Handelsmarken, die margenarm sind und zudem noch fremd produziert wurden, will Kallmeyer komplett einstellen, da sie nur die Rendite schmälern. Bei den noch bestehenden Verpflichtungen sollen Handelsmarken jetzt innerhalb der Gruppe produziert werden. „Mittelfristig bleibt das Leben für Regionalmarken schwierig, aber Jammern hilft hier nicht, sondern Handeln“, attestierte der Vorstandboss.

Deshalb soll auch der nach seiner Einschätzung viel zu hohe Dosenanteil von rund 53 Prozent merklich reduziert werden, auch im Hinblick auf das drohende Zwangspfand. Zudem betrage der Markenanteil in Dortmund nur noch 40 Prozent, 60 Prozent entfielen auf Eigen- und Handelsmarken. Warum die Konzernmutter erst jetzt „die Leine“ zog begründete Kallmeyer mit der so genannten „Formel DAB“, welche aber nur in den Jahren mit einer Eins beginnend funktioniert habe, ab dem Jahr mit Zwei beginnend sei das Ziel nicht erreicht worden. Bei der so genannten „DAB-Formel“ habe es immer ein Null-Ergebnis gegeben, also keine Gewinne, aber auch keine Verluste. Der Cash-flow konnte zur Schuldentilgung verwandt werden und bei den nicht dotieren 43 Millionen Mark Rückstellungen lebte man von der Hoffnung. In punkto Positionierung der DAB-Marken betonte Kallmeyer, dass man in einem viel zu teuren Rennzirkus und zudem im falschen Rennen gefahren sei. Verhandlungen in Bezug auf Preiserhöhungen seien zudem aufgenommen worden, auch mit dem Risiko eventueller Auslistungen. Die Altlasten Hansa und Kronen würden sich auch langsam „aufribbeln“, was bedeute, dass diese in den nächsten vier Jahren abgebaut würden.