Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Hoher Besuch: die Bremer Stadtmusikante

Was sieht er gut aus, mein Artgenosse aus Bremen! Ein Toupet auf seinen ehemals kahlen Stellen im Fell, ein Spazierstock mit goldenem Knauf und eine Designerbrille auf der Nase.

Wir, Benno, der Hofhund vom Bierverleger, Herr von Fuchsberg, der weidmännische Begleiter eines Bierindustriellen, Hugo, der Hund des Kneipers meines Herrchen und ich haben ihn erst gar nicht erkannt. Spricht er jetzt auch mal englisch oder flämisch und französisch; hoffentlich vergisst er sein Bremer Platt nicht.

Er hat Kasse gemacht: Hat er doch den ganzen Deal in Bremen als Merger- und Acquisition-Spezialist eingefädelt. Seine Kollegin, die Katze hat die alten Damen und Herren umschmeichelt. Der Hahn hat auf dem Pressehaufen die neusten Gerüchte gekräht, und der Esel hat die Golddukaten dann gesch……

Jedem von uns schossen sofort Gedanken der Hoffnung für jeden unserer Herrchen durch den Kopf. Wir müssen uns mit den Stadtmusikanten unter allen Umständen gutstellen!

Herr von Fuchsberg, der Compagnon des Bierindustriellen: Rettung naht! Unser Artgenosse sollte schnellstens eine positive Studie erstellen; der Hahn wird sie vom Misthaufen krähen und die Katze wird dann leichtes Spiel mit der Braudynastie und den Investoren haben. Den Dukatenesel hört er schon scharren.

Benno, der Leergutsheriff des Bierkutschers, macht den Stadtmusikanten klar, dass nur mit der Distribution in der Hand die böse Konkurrenz aus dem Markt geworfen werden kann. Benno zeigt ihnen, in welchem Büro der Einkauf sitzt. Vor dessen Fenster können sie den Lärm machen, mit dem sie dazumal die Banditen vertrieben haben. Gerne gibt der Verleger dann einen Teil seiner Schulden an die Investoren ab.

Hugo, mein Freund in der Kneipe, hofft, dass die Stadtmusikanten es fertig bringen werden, dass die neuen Herren mit neuem Bier auch neues Geld bringen, um seine Bude und auch das Ferienhaus auf Mallorca renovieren zu können. Sein bisheriger Bräu will die Kohle nicht mehr rausrücken; verlangt er doch noch immer die Pendellisten.

Und was können die Stadtmusikanten für uns, meinem Herrchen und mich als leidenschaftliche Biergenießer, tun? Die Hoffnung, dass es Bier mit deutschem Namen und hoffentlich mit der heutigen Qualität auch weiterhin weltweit geben wird.

 

Bis zum nächsten Mal

Euer Viktor