Apropos Weinernten 2001: Warten hat sich gelohnt

von Monika Busch

Der Weinjahrgang 2001 ist geprägt von “Hoffen und Bangen”. Gerade in Deutschland waren es vor allem wieder einmal die extrem regional unterschiedlichen wechselhaften Witterungsverhältnisse. Ende August wurde noch eine früh beginnende Weinlese erwartet, der regnerische und kühle September sorgte dann für eine deutliche Verzögerung. Der “goldene Oktober”, im wahrsten Sinne des Wortes mit spätsommerlichen Temperaturen und anhaltender, trockener sowie sonniger Wetterperiode, brachte hervorragende Qualitäten, disziplinierte Weinlese vorausgesetzt.

Die Spitzenweingüter aller Weinregionen sind sich im Urteil einig: “Hochkarätiges, gesundes Lesegut brachte exzellente Moste, die überwiegend im Spät- und Auslesebereich liegen.” Die Mengen sind weit unter Durchschnitt, sie bewegen sich zwischen 30 und 65 Hektoliter/ha.

VDP: Kleine Ernte – großartige Weine

Die VDP-Winzer konnten vom Gutswein bis zum Ersten Gewächs und Trockenbeerenauslesen Wunschqualitäten einbringen. Dabei fing die Lese mit einem verrückten Vegetationsverlauf an. Durch den verregneten September deutete vieles auf einen ähnlich problematischen Herbst wie 2000 hin, dann aber riss der Himmel auf und es strahlte ein “goldener Oktober”. Die VDP-Winzer an Mosel-Saar-Ruwer sprechen von einem Traumjahrgang, der mit 1990 verglichen wird. Reife Säuren kennzeichnen die Rieslingweine. “Besser ist kaum möglich”, lautete der Kommentar von Marc Adeneuer zum Ernteverlauf an der Ahr. Am Mittelrhein brillieren auch Spät-Burgunder mit Top-Qualitäten. Im Rheingau konnten bei einigen Weingütern stolze 80 Prozent Prädikatsweinanteil eingebracht werden. “Moste mit hoher Reife, passender Säure haben Top-Qualitäten erbracht, die im wichtigen Sektor Kabinett und Spätlese sehr stark `tiefgestapelt` sein werden”, meint Nahewinzer Werner Schönleber aus Monzingen. Einzig mit der Menge sind die Prädikatsweingüter in Rheinhessen nicht zufrieden. Wer im Außenbereich im Laufe des vergangenen Jahres seine Hausaufgaben in der Pfalz gemacht hat, zählt diesjährig zu den Gewinnern. Ob Weissburgunder oder Chardonnay, Grauburgunder oder Gewürztraminer, auch beim Riesling waren Mostgewichte bis zu 1000 Oechsle keine Seltenheit. “Der goldene Oktober mit T-Shirt- Temperaturen brachte uns einen nie da gewesenen Rotweinjahrgang – ja sogar der Cabernet Sauvignon wurde reif”, berichtete Christian Guradze, Weingut Dr. Bürklin-Wolf erfreut. In Franken versprechen die Silvaner große Weine. “Die Ernte ist auch ein Ergebnis von intensiv durchgeführten Ertragsregulierungen, beziehungsweise qualitätssteigernden Maßnahmen”, betonte Horst Kolesch vom Würzburger Juliusspital. In Württemberg liegt der Ertrag rund zwanzig Prozent unter der Vorjahresernte. Graf Adelmann vermeldet 57 Hektoliter/ha gegenüber 105 Hektoliter im Landesdurchschnitt. In Baden wurden neben vielen hochwertigen Spät- und Auslesen auch Höchstergebnisse im edelsüßen Bereich erzielt. “Die Prädikatsweingüter haben mit ihrer Geduld im September 2000 alles auf eine Karte gesetzt und diesen Poker gewonnen. Nun haben wir ein exzellentes Weinportfolio im Keller liegen, das anlässlich der Frühjahrs-Weinbörse im April 2002 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Jahrgang den Nachfrageboom nach deutschen Spitzenweinen weiter verstärken wird. Hinzu kommt, dass erstmals mit dem Jahrgang viele ‘klassifizierte Lagenweine’ beziehungsweise ‘Erste Gewächse’ gemäß unseres jüngst beschlossenen Casteller Klassifikationsstatus auf den Markt kommen werden. Dass die Voraussetzungen für erstklassige terroirgeprägte Weine im vergangenem Jahr optimal waren, freut uns dabei natürlich ganz besonders”, kommentierte Michael Prinz zu Salm-Salm, Präsident der Prädikatsweingüter, den Jahrgang 2001.

Goldener Oktober beim Bernkasteler Ring

Hofften die Winzer in den Monaten Juni und August noch auf einen Jahrhundertjahrgang, so schwanden die Hoffnungen in dem für die Reifeentwicklung wichtigen Monat September. Jedoch mit dem fast hochsommerlichen Wetter im Oktober sind die Reben dann wieder richtig durchgestartet und bescherten vor allem bei den spätreifen Sorten Top-Qualitäten. Die Erntemengen liegen allerdings nochmal 20 bis 30 Prozent unter denen des Vorjahres und damit deutlich unter dem langjährigen Mittel. Durch die in den Ring-Betrieben übliche Selektion bei der Hand-Lese konnte ein Erntegut eingebracht werden, das sich nicht nur zur Erzeugung hervorragender trockener Weine eignet, sondern auch für hochwertige Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen.

Italien: mengenmäßig einer der geringsten Jahrgänge der letzten 40 Jahre

Das Ergebnis der durchgeführten Umfrage des italienischen Önologen-Verbandes zur Weinlese 2001 lautet: Qualitäten insgesamt mehr als gut. Rotweine mit schöner Struktur und ausgeprägtem Charakter gibt es in den Gebieten, wo keine ergiebigen Herbstniederschläge zu verzeichnen waren. Die Erntemenge 2001 mit 50,56 Millionen Hektoliter zählt zusammen mit 1997 zu den beiden mengenmäßig geringsten Jahrgängen der letzten vierzig Jahre. Blüte und Fruchtansatz vollzogen sich in fast allen Regionen unter besten Bedingungen. Jedoch, der Frost in der Osternacht hinterließ fast überall Spuren und verursachte irreversible Produktionsausfälle. Erhebliche Hagelschäden waren vom Piemont bis ins süditalienische Apulien zu beklagen. Im weiteren Verlauf des Jahres förderte die Augusthitze den Konzentrationsprozess der Trauben und war teilweise der Grund für eine geringe Mostausbeute. Bis Anfang September waren die Trauben gesund. Anlass zur Sorge gab allein die Flavescence dorée in den Regionen Trentino, Venetien, Piemont, Emilia Rogmagna und vor allem in der Lombardei, wo im Gebiet Oltrepó Pavese in den letzten Jahren mehr 30 Prozent der Reben in mittlerer Hügellage abgestorben sind. Der Markt weist zwei gegenteilige Tendenzen auf: charaktervolle Weine gefragter Provenienzen steigen im Preis, anonyme Massenweine verlieren Boden.

Kalifornien: reichliche Ernte und guter Fruchtertrag

Die kalifornischen Winzer berichten mit großer Freude über einen guten Fruchtertrag und einer sehr guten Qualität bei der Weinlese 2001. Zu Anfang des Jahres fiel 25 Prozent weniger Niederschlag, im April führte ein Frosteinbruch vor allem in den nördlichen Anbaugebieten zu einigen Ernteverlusten. Die Monate Mai und Juni ließen aufgrund großer Hitze die Trauben rasch reifen, so dass diese zum Teil in der zweiten Augustwoche erntereif waren. Bedingt durch die kühlen Monate Juli, August und September reicherte sich in den Trauben kein Zucker mehr an. So konnte das Tannin voll ausreifen und der Säuregehalt sich reduzieren. Bis Oktober blieben die Trauben am Rebstock. “Dieses Jahr erinnert mich sehr an die Ernte von 1984, die für uns beispielhaft war”, so Bernard Portet von Clos du Val in Napa Valley.

Südtirol: Weine mit Überraschungen

“Einen Jahrgang mit Überraschungen”, so definiert Arnold Terzer, Präsident des Verbandes der Kellereigenossenschaften Südtirols und Obmann der Kellerei Kurtatsch den Jahrgang 2001. Weißweine mit lebhafter Säure und schönem Aromaspiel sowie Rotweine mit feinen Ansätzen zu frischer Fülle und Lebendigkeit seien das Resultat. Einig ist man sich in Südtirol, dass vor allem das Qualitätsbestreben der Winzer auch in Bezug auf die Ertragsregulierung belohnt worden ist. “Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die Weinbauern, die in den Weingebieten auf absolute Qualität setzen, die wahren Sieger des Jahrgangs sind”, ist sich Terzer sicher.

Spanien: qualitativ außergewöhnlicher Jahrgang

Der allgemeine Tenor der Ernte 2001 lautet nicht Menge sondern Qualität. Spaniens wichtiges Rotweingebiet, die D.O.Ca Rioja, lag mit 367 Millionen Kilogramm rund 25 Prozent unter der Vorjahresproduktion. Im Sommer letzten Jahres wurde soviel Grünschnitt wie noch nie vorgenommen, um Topqualität zu erreichen. Mit Werten …

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 1/2/2002