Bayerische BrauHolding will ertragsstärkste Brauereigruppe werden

Weiteres Wachstum und Akquisitionen angepeilt

von Timur Dosdogru

Für die zur Schörghuber-Gruppe zugehörigen Bayerische BrauHolding AG, München, war das abgelaufene Geschäftsjahr 2001 insbesondere durch das Joint Venture mit dem niederländischen Heineken-Konzern geprägt, der Ende Januar diesen Jahres als Gesellschafter in die Bayerische BrauHolding eintrat und über seine 100-prozentige Tochtergesellschaft Heineken International B.V. 49,9 Prozent der Anteile hält.

Die Umsatzerlöse der Bayerischen BrauHolding betrugen 457,6 Millionen Euro (Vorjahr: 415,5). Davon entfielen rund 78 Prozent auf das Geschäftsfeld Bier, rund vier Prozent auf das AfG-Geschäft, zwölf Prozent auf den Vertrieb fremder Marken und 7,4 Prozent auf Mieterlöse. Im Gegensatz zum Vorjahr verringerten sich die sonstigen betrieblichen Erträge um rund acht Millionen auf 10,4 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit beläuft sich auf 17,8 Millionen Euro, wobei sich bereinigt um das Zinsergebnis ein EBIT von 22,8 Millionen Euro ergibt. Die Rendite auf die Bilanzsumme ergibt damit 3,6 Prozent, der Jahresüberschuss nach außerordentlichen Erträgen aus Verlustausgleich und Abzug von Anteilen Dritter wird mit 14,2 Millionen Euro beziffert. Die daraus abgeleitete Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital betrug zu Jahresbeginn 4,6 Prozent. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit weist ein Minus von 5,6 Millionen Mark aus. Der Gewinnanteil aus der 50-Prozent-Direktbeteiligung an der Paulaner Brauerei GmbH & Co. KG habe deutlich abgenommen und von den anderen Gesellschaften seien keine Beteiligungserträge vereinnahmt worden, heißt es dazu.

Die Paulaner Brauerei Gruppe musste beim Bier ein Absatzminus 1,7 Prozent hinnehmen und lag damit bei 2,7 Millionen Hektoliter, auch die umsatzstärkste Marke Paulaner verzeichnete ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahr. Die Weißbiersparte bei Paulaner erreichte hingegen ein Plus von 3,4 Prozent und kam damit auf 1,1 Millionen Hektoliter. Rück-läufig war auch die regionale Marke Hacker-Pschorr, ebenso wie Thurn & Taxis. Die lokale Marke AuerBräu konnte Zuwächse erzielen. Im Ausland wurde mit 419.192 Hektoliter ein Plus von 1,1 Prozent erreicht, wobei Italien, Frankreich und Nordamerika die wichtigsten Märkte waren. Der Jahresüberschuss der Paulaner Brauerei Gruppe betrug 2,3 Millionen Euro und lag damit um 5,6 Millionen Euro unter Vorjahresniveau.

Der Rückgang des operativen Ergebnisses um 7,7 Millionen Euro wird auf die erhöhte Risikovorsorge und die geringere Absatzmenge zurückgeführt. Von einer deutlichen Verbesserung ist beim Finanzergebnis die Rede, aufgrund eines günstigen Zinsniveaus in 2001 und den frühzeitig zugegangenen Erlösen aus Immobilienverkäufen im letzten Jahr. Insgesamt investierte die Paulaner Gruppe 61,2 Millionen Euro, rund 17 Prozent des Umsatzes. Im Jahresdurchschnitt beschäftigte die Gruppe 1095 Mitarbeiter.

Die Kulmbacher Gruppe konnte im vergangenen Jahr ihren Getränkeabsatz um 3,5 Prozent auf 2,8 Millionen Hektoliter steigern, wobei der Bereich der alkoholfreien Getränke auf rund 850.000 Hektoliter zunahm. Beim Bierabsatz war eine Steigerung von 1,2 Prozent auf 1,95 Millionen Hektoliter zu verzeichnen. Die Kulmbacher Eigenmarken erreichten ein Wachstum von 1,7 Prozent. Der rückläufige Trend der Marke Kulmbacher konnte gestoppt werden, diese bewegte sich beim Absatzvolumen auf Vorjahresniveau, im Gegensatz zur Marke EKU, die verlor. Zulegen konnten die Marken Kapuziner Weißbier und Mönchshof. Die ostdeutschen Brauereigesellschaften entwickelten sich unterschiedlich. Sternquell in Plauen konnte den Absatz auf Vorjahresniveau halten, während Braustolz in Chemnitz Absatzeinbußen hinnehmen musste. Insgesamt kam die Kulmbacher Gruppe auf einen Konzernjahresüberschuss von 0,9 Millionen Euro. Investiert wurden 35,4 Millionen Euro, vor allem für moderne Abfüllanlagen in Chemnitz und Plauen sowie für das PET-Gebinde am Brunnenstandort Bad Brambach. Im Jahresdurchschnitt beschäftigte die Gruppe 882 Mitarbeiter.

Die chilenische Tochtergesellschaft Compañía Cervecerías Unidas S.A. (CCU) der Bayerischen BrauereiHolding AG konnte einen Gesamtabsatz von 836.000 Hektoliter verzeichnen. Das Unternehmen ist größter Mineralwasser- und drittgrößter Weinanbieter in Chile. Im laufenden Geschäftsjahr will die Bayerische BrauHolding AG weiterhin in Shareholder-Funktion mit Heineken “die künftige Beteiligungspolitik im Sinne einer weiteren Expansion der Bieraktivitäten in Deutschland mitgestalten”, wie es blumig formuliert wird.

Das so genannte “Squeeze Out” zur Abfindung von ungeliebten Minderheitsaktionären setzt sich auch zunehmend in der Brauereilandschaft fort: auch die Muttergesellschaft Schörghuber Stiftung & Co. Holding KG will von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Weitere Akquisitionen im deutschen Biermarkt sind laut Vorstand in Planung. Ziel ist, die ertragsstärkste Brauereigruppe Deutschlands und Weltmarktführer bei Weißbier und Münchner Bierspezialitäten zu werden.