Getränkefachgroßhandel blickt verhalten optimistisch in die Zukunft

Bundesverband sieht Einwegpfand gesichert Lkw-Maut zieht Preiserhöhungen nach sich

von Timur Dosdogru

Der Wahlsieg von Rot-Grün ist Wasser auf den Mühlen des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels e. V. (GFGH), Bonn – wenigstens in der Frage des Pfandes für Einwegverpackungen. Der Weg dazu ist mit der Fortsetzung der bisherigen Regierungskoalition frei und der geschäftsführende Vorstand Günther Guder sieht das Mehrweggetränkesystem als wichtigsten Pfeiler „unseres Geschäfts“, welches dadurch bei einer aktuellen Mehrwegquote von rund 54 Prozent „kurz vor dem Kollaps gerettet“ worden sei.

Allerdings erwartet der Spitzenverband von 1180 Fachgroßhändlern keine „entscheidenden Impulse für den privaten Konsum“. Eitel Freude herrscht dennoch über die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Berlin, den Eil-Rechtsschutzantrag der Firmen Rewe und Für Sie auf vorläufige Aussetzung der Pfandpflicht abzulehnen. Klar ist demnach: das Pfand ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Genauso wie für Verbandschef Guder sicher ist, dass die Industrie sich derzeit noch verhalte, wie die berühmten drei Affen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Abfüller und Einzelhandel blieben zur Zeit noch bei ihrer Vogel-Strauß-Politik und machten – zumindest offiziell – keine Anstalten, sich konkret auf den 1. Januar vorzubereiten.

Sicher ist Guder aber auch, dass sich dies zum Jahreswechsel ganz schnell von allein erledigen wird, weil die derzeitige Einweg-Ware nach dem neuen Recht nicht mehr verkehrsfähig sein wird. Gesetzt den Fall, dass die Geschäfte von Testkäufern besucht würden, womit auf jeden Fall zu rechnen sei, die auf solche Ware stießen, hieße das: Ware auslisten und/oder Bußgeld. „Wir handeln weiter nach dem Motto: heute mitgestalten, statt morgen gestaltet zu werden“, so Guder. Im GFGH werde man sich auf jeden Fall gesetzeskonform verhalten und appelliere damit auch dringend an die Industrie und den Einzelhandel, sich auf Rücknahme und Pfandpflicht vorzubereiten. Schließlich hätten Getränkefachgroßhandel, Getränkeeinzelhandel und mittelständische Getränkehersteller Milliarden investiert.

Bei einem Zusammenbruch des Mehrwegsystems seien rund 250.000 Arbeitsplätze gefährdet, rechnet der Verband vor, davon etwa 45.000 in Mitgliedsbetrieben. Allerdings hätten die Mitglieder in den letzten Jahren ihr Dienstleistungsspektrum konsequent ausgebaut und dies über den Transport und das Mehrweg-Handling hinaus. Dazu gehörten auch traditionell die Marketingunterstützung der Gastronomie durch Finanzierungen und Konzepte sowie der qualifizierte Ausbau der eigenen, rund 7000 Getränkefachmärkte als Einzelhandelsstandbein, Service für Festivitäten und der zunehmende Heimdienstsektor. Inzwischen habe der GFGH auch in der Informationstechnologie mit der elektronischen Abbildung der Logistik- und Wertschöpfungskette vom Hersteller bis zum Konsumenten die Nase vorn, heißt es. Dazu gehörten auch ECR-Technologien (Electronic Consumer Response) für den Einsatz in der Getränkewirtschaft, KEG- und Kasten-Identsys-teme für die Optimierung befänden sich in der ersten Erprobungsphase.

Im Jahr 2001 konnten die 1180 im Verband organisierten Unternehmen 12,665 Milliarden Euro Umsatz verbuchen, 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das sind rund 88 Prozent des Gesamtumsatzes der Fachgroßhandelsbranche. Für diese hat das Statistische Bundesamt ein Umsatzminus von 3,2 Prozent ermittelt. Angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen des vergangenen Jahres zeigt sich der Verband mit dem kleinen Ertragsplus von 0,3 Prozent noch zufrieden. Für das erste Halbjahr diesen Jahres verzeichnet die Branche zwar noch ein Umsatzplus von 3,8 Prozent, führt dies allerdings auf das Vorjahresminus von 3,2 Prozent und die seitens der Brauereien durchgeführten Preiserhöhungen zurück.

Die angespannte Lage der Branche werde auch in der fortschreitenden Konzentration auf Fachgroßhandelsebene durch Kooperationen, Fusionen und Betriebsaufgaben deutlich. Die Umsatzsteuerstatistik zeichne für 1999 (aktuellere Zahlen lagen bis zu diesem Zeitpunkt nicht vor) bundesweit 5978 tätige Unternehmen aus, 4,1 Prozent weniger als im Vorjahr und 6,3 Prozent weniger als 1997. Allerdings, so Guder weiter, habe die 1999 um 4,1 Prozent verminderte Anzahl aller Betriebe mit 17,336 Milliarden Euro genau 4,1 Prozent mehr umgesetzt, als 1998, was für ihn eine Stärkung der wirtschaftlichen Position durch Konzentration darstellt. Beim Bundesverband selbst sind aktuell 1180 Mitglieder registriert, Anfang letzten Jahres waren es noch 1240 gewesen.

Für das laufende Jahr 2002 beteiligten sich nur rund 25 Prozent der Mitglieder an der jährlichen Konjunkturumfrage. Dabei meldeten 40 Prozent der Befragten eine gleiche Umsatzentwicklung für das erste Halbjahr, 28 Prozent eine Steigerung und 32 Prozent hätten Umsatzrück-gänge zu verzeichnen gehabt. Nur 19 Prozent wollen ihre Investitionen steigern, während 37 Prozent weniger oder gleich viel investieren wollen. Preisaggressivität im Einzelhandel – vor allem durch die Discounter – und die fortschreitende Konzentration kennzeichneten die Bran-…