Spirituosenbranche verzeichnet stabile Nachfrage

von Timur Dosdogru

Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen meldet der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI), Bonn, ein stabiles Jahresgeschäft 2001. Rund 70 Prozent aller privaten Haushalte haben danach unverändert einmal im Jahr Spirituosen eingekauft – insgesamt 756 Millionen Flaschen. Damit ist der deutsche Spirituosenmarkt nach wie vor der größte der gesamten
Europäischen Union.

Der deutsche Pro-Kopf-Verbrauch lag mit durchschnittlich 5,8 Liter ungefähr auf Vorjahresniveau, dagegen sank er allgemein bei alkoholischen Getränken (Bier, Wein, Sekt, Spirituosen) leicht um 0,7 Prozent auf 153,3 Liter Fertigware ab. Auch in Zukunft, heißt es, werde sich das Segment der alkoholischen Getränke behaupten können, so der Verband. Die Konsumgewohnheiten der alten und neuen Bundesländer hätten einander fast angeglichen. Die zunehmende Konzentration auf dem Spirit-uosenmarkt habe diesen weiter verändert, so der BSI, die stärksten Segmente seien aber immer noch Weinbrand, Korn und Liköre. Nach GfK-Analysen zählten zu den eindeutigen Gewinnern aber die Erzeugnisse Halbbitterliköre, Wodka, Sahneliköre, Weißer Rum, Bourbon / American Whiskey, Mokkaliköre, Ouzo, Kokosliköre und französischer Weinbrand.

Auch seien nach wie vor auf hohem Niveau Spirituosen importiert worden, die Gesamteinfuhren werden mit 295 Millionen Flaschen (0,7 Liter) beziffert, allerdings 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Wertmäßig blieb der Import aber stabil, wobei die Einfuhren rund ein Drittel des Marktes ausmachten. Als wichtigste Importländer stehen Frankreich, Italien, Bahamas, Großbritannien, USA, Griechenland, Niederlande, Mexiko, Spanien, Russland und Dänemark auf der Liste, deren Spirituosen bereits 88 Prozent aller Importe in Deutschland ausmachen. Die Importe aus der EU lagen im vergangenen Jahr unverändert bei etwa 65 Prozent. Eine weiterhin positive Entwicklung vermeldet der BSI bei den Mischgetränken und Cocktails, die auch zu einer Rück-kehr zu klassischen Spirituosensegmenten geführt habe. Im Trend hätten vor allem ausgewählte klassische Spezialitäten gelegen – auch mit regionalem Bezug. Beim Export hingegen hätten die deutschen Hersteller allerdings Einbußen hinnehmen müssen, vor allem durch massive Handelsbeschränkungen im tarifären und nicht tarifären Bereich. Vor allem beklagt der BSI dabei eine Reihe von Handelsbeschränkungen bei Ausfuhren in andere Länder Osteuropas. Damit ist die Ausfuhr deutscher Spirituosen drastisch von 127 Millionen Flaschen in 2000 auf 90 Millionen Flaschen zurückgefallen – annähernd das Niveau von 1998. Wichtigste Ausfuhrländer hierbei waren Frankreich, Belgien, Luxemburg, USA, Niederlande, Tschechische Republik, Türkei, Russland, Österreich, Dänemark, Schweiz, Italien und Weißrussland (Exportanteil in EU-Länder: 47 Prozent). Von der Osterweiterung versprechen sich die deutschen Hersteller und Importeure weitere Chancen, auch wenn die Betrittsverhandlungen bei einigen Ländern wie beispielsweise Polen noch zu keinen Konzessionen im tarifären Bereich geführt hätten, so der BSI.

Stabil blieb hingegen die Inlandsnachfrage, die ein kleines Plus von gegenüber dem Vorjahr verzeichnete (756 Millionen Flaschen). Die Umsatzentwicklung stieg dabei um 7,4 Prozent auf rund drei Milliarden Euro, die Importe eingerechnet auf über vier Milliarden Euro an. Im Pro-Kopf-Verbrauch an Alkohol liegt die Bundesrepublik derzeit auf Platz Sieben im europäischen Vergleich, nach Luxemburg, Rumänien, Portugal, Irland, der Tschechischen Republik und Frankreich. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Spirituosen in Deutschland liegt im europäischen Vergleich auf Platz Zwölf (nach Rumänien, Slowakische Republik, Tschechische Republik, Polen, Ungarn, Irland, Frankreich, Spanien, Bulgarien, Finnland, Griechenland).

Ohne reine Importeure sank die Zahl der produzierenden Betriebe um 5,5 Prozent auf 88, beschäftigt wurden 4038 Mitarbeiter, 381 (8,6 Prozent) weniger als im Vorjahr. Für das zweite Halbjahr 2002 rechnet die Branche aufgrund des prognostizierten gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs mit einer positiven Konsumentwicklung bei Spirituosen. Längerfristig wird auch mit einer positiven Wirkung der Euro-Einführung auf den europäischen Integrationsprozess und die Stabilisierung der Wirtschaftslage der einzelnen Mitgliedsstaaten gerechnet.

Festgehalten wird von EU-Seite anscheinend doch am deutschen Branntweinmonopol. Der Vorschlag dieses zu streichen, weil es nach Ansicht der EU-Kommission möglicherweise eine verbotene Beihilfe kleiner Brennereien in Deutschland darstelle, scheint vom Tisch.