„Superministerium“ Brau und Brunnen: Vorstandschef Hollmann zentralisiert

Nahezu alle Geschäftsführer der Tochtergesellschaften entmachtet

von Timur Dosdogru

Die frisch umfirmierte Dortmunder Union Ritter Brauerei in Brauerei Brinkhoff GmbH, eine Brau-und-Brunnen-Tochter (siehe dgw 10/02), will ihre Hauptmarke Brinkhoff’s No. 1 „in ganz NRW weiter nach vorn bringen“, wie der Brinkhoff-Geschäftsführer Vertrieb und Marketing, Erich Wulff, anlässlich seines 100-tägigen Wirkens in dieser Funktion in der Brauerei der versammelten Presse am 21. Oktober mitteilte.

Vorgestellt wurden der neue Auftritt der Pilsmarke Brinkhoff’s, deren neue Ausstattung und die künftige Ausrichtung des Unternehmens. Ach ja, und dass man erwäge, die Marke Wicküler in der Gastronomie neu zu forcieren. Das war’s dann aber auch schon mit Wulff. Denn eigentlich hatte dieser schon zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu sagen, wie das Branchenblatt Inside zwei Tage zuvor berichtet hatte – wie andere Kollegen der Brau-und-Brunnen-Töchter auch. Denn Brau-und-Brunnen-Vorstandschef Michael Hollmann hatte in der Woche zuvor einen Großteil der Führungskader seiner Tochterunternehmen von ihren Aufgaben entbunden. Hollmann will die Leitung der Töchter wieder in die Zentrale nach Dortmund holen. Erwischt hatte es damit auch die Vertriebsgeschäftsführer Bernhard Gödde (Jever), Udo Hopf (Kölner Verbund), Andreas Vazart (Schlösser) und Peter Michaelis (Iserlohner) sowie sämtliche Mitarbeiter und die Marketingleiter der betroffenen Unternehmen.

Die meisten der Führungsspitzen hatte Hollmann höchstpersönlich erst in den letzten zwei Jahren oder vor wenigen Monaten ins Unternehmen geholt. So hatte Brinkhoff-Geschäftsführer Wulff gerade noch kundgetan, wie sehr er sich mit seiner Familie bereits in Dortmund eingelebt habe und auch für Kölner-Verbund-Brauereien-Chef Udo Hopf dürfte dies ein harter Schlag gewesen sein. Hatte dieser noch wenige Wochen zuvor bei einem ähnlichen Anlass in seinem Unternehmen anhand der Neuausrichtung der Kölner Verbund Brauereien gezeigt, wie sehr er die Ärmel aufgekrempelt hatte und in dieser Aufgabe voll aufging, seit er die Kölner Privatbrauerei Gaffel verlassen hatte, um diese Herausforderung beim Mitbewerber anzunehmen. Glück hatte beispielsweise – oder auch nicht, wie die Zukunft zeigen wird – Brinkhoff-Geschäftsführer Technik Dr. Edgar Groneick. Er darf das, was er bisher bei Brinkhoff tat, künftig auf größerer Ebene in der neuen Vertriebsgesellschaft ausführen. Bleibt fraglich, ob sich der Rest der Geschassten die Rolle als Frühstücksdirektor gefallen lässt.

Die Gestaltung der neuen Vertriebsgesellschaft wurde Anfang Dezember begonnen, laut Inside gibt es auch einen Namen dafür: Tivoli. So heißt zwar auch die Agentur des Dortmunder Getränkeriesen, aber manche vermuten, dass dies auch ein Hinweis auf einen dänischen Kaufinteressenten sein könnte. Schließlich wurde schon bei Hollmanns Amtsantritt vor zwei Jahren gemunkelt, er könne möglicherweise das trojanische Sanierer-Pferd für seinen früheren Brötchengeber Carlsberg/Tuborg/Hannen spielen.
Die alleinige Zentralisierungswut (Vorbilder Interbrew und Superminister Clement), die dieser Tage vor allem in Politik und Wirtschaft auszumachen ist, wird es nicht allein sein, die B-u-B-Chef Hollmann umtreibt, ist jetzt doch klar geworden, dass auch vor allem nach dem Verkauf von Apollinaris ein internationaler Aufkäufer Gewehr bei Fuß steht, der sich die starken Marken einverleiben will. Am 22. November hatten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Verkauf Marke Apollinaris beschlossen. Der Konzern hat bis dahin über seine 100-prozentige Tochter Apollinaris Brunnen Actien-Gesellschaft 72 Prozent an der Apollinaris & Schweppes GmbH & Co. gehalten, welche damit für 151 Millionen Euro an den bisherigen Joint-Venture-Partner Cadbury Schweppes plc. gehen. Die dadurch zur Verfügung stehenden Mittel will Brau und Brunnen in Erwartung eines positiven Jahresergebnisses für weitere Akquisitionen nutzen.

Derzeit laufen laut Vorstand „Gespräche über eine Beteiligung an einem namhaften Mitbewerber“, wie es heißt. Zukäufe sind sowohl im Brauerei-, als auch im Mineralbrunnenbereich geplant. Vor allem sollen damit auch die Vertriebswege für alle Brau-und-Brunnen-Produkte ausgeweitet und optimiert werden. Die östlichen Töchter Berliner Schultheiss Brauerei, Leipziger Brauhaus zu Reuditz und Oderland Brauerei sind von der Zentralisierung bisher verschont geblieben, aber die Branche rechnet fest damit, dass diese auch noch „eingemeindet“ werden.

Eine Art Organigramm nach oft belächelter Warsteiner-Manier gibt es auch schon. Neben den bereits erwähnten Spitzenpositionen soll Wolfgang Speth den Bereich Handel leiten, den Bereich Gastronomie soll der von Interbrew abgeworbene Christoph Höhmann übernehmen (siehe auch Rubrik Macher & Märkte), für das Marketing zeichnet Thomas Riesmeier verantwortlich.

Damit wird der Konzern zum zweiten Mal zentralisiert, nachdem dies schon einmal vor wenigen Jahren wieder rückgängig gemacht worden war. Und damit wächst der Verdacht, dass dies bereits im Auftrag eines Käufers geschieht. Was bleibt? Zu Risiken und Nebenwirkungen frage man die HypoVereinsbank.