Warsteiner wächst im ersten Halbjahr 2002 um 4,5 Prozent

Geschäftsführer Spitzhüttl verließ die Gruppe

von Timur Dosdogru

Die Warsteiner-Gruppe meldet für das erste Halbjahr 2002 ein Absatzwachstum um 4,5 Prozent auf 3,3 Millionen Hektoliter, gegenüber dem Vorjahr mit 3,2 Millionen Hektoliter. Die Haus-Cramer-Gruppe habe sich konsolidieren können mit der Stammmarke Warsteiner und den Marken Paderborner, Isenbeck, Weissenburger sowie mit den Beteiligungen Miller Brands Germany (Miller Genuine Draft, Salitos Tequila Flavoured Beer, Salitos Ginger con energía) und König Ludwig Schlossbrauerei (Prinzregent Luitpold, König Ludwig) sowie die C.A.S.A. Isenbeck in Zarate, Argentinien, heißt es.

Für die Marken der Haus-Cramer-Gruppe war der Absatz des ersten Halbjahres 2002 um 0,6 Prozent rückläufig, der Umsatz
stieg hingegen um zwei Prozent. Mit einem Marktanteil von 7,6 Prozent sieht sich das Haus Warsteiner mit der gleichnamigen
Stammmarke weiterhin als Marktführer im Handel (Nielsen, Februar bis Mai 2002, LEH, GAM, Tankstellen).

In der Berichtsperiode April/Mai diesen Jahres sank der Marktanteil um 0,4 Prozent, was auf die zu diesem Zeitpunkt durchgeführte Preiserhöhung zurückgeführt wird. Der Fassbierabsatz von Warsteiner sank im ersten Halbjahr des laufenden Jahres um 4,5 Prozent. Beim Export hingegen wird für das erste Halbjahr 2002 ein Zuwachs von 10,7 Prozent verzeichnet. Weltweit wird die Marke Warsteiner in über 70 Länder der Welt exportiert, wobei die wichtigsten Exportländer Italien, USA und die Niederlande sind.

Anlässlich des 250-jährigen Firmenjubiläums im kommenden Jahr will Warsteiner Anfang 2003 einen neuen Bierkasten einführen. Das “Dankeschön” an die treuen Kunden mit neuartigen Softgriffen lässt sich die Brauerei immerhin stolze 40 Millionen Euro kosten und will damit auch künftig stark auf Mehrweg setzen. Die Einführung der insgesamt rund 6,5 Millionen Kästen soll aufgrund technischer und kapazitätsbedingter Gegebenheiten stufenweise erfolgen, weshalb sowohl die 20-x-0,5- als auch die 24-x-0,33-l-Gebinde erst Ende kommenden Jahres flächendeckend und bundesweit im Handel vertreten sein werden.

Seit April läuft die Kastenproduktion auf Hochtouren, wobei pro Monat etwa 360.000 Kästen vom Band gehen. Ab diesem Monat werden bereits die ersten Händler in der näherren Umgebung beliefert.

Neues gibt es bei Warsteiner auch in Sachen Geschäftsführung zu berichten. So hat Frank Spitzhüttl, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG, das Unternehmen zum 1. September verlassen. Damit zog der frühere Holsten- und Paulaner-Mann die Konsequenzen aus dem Umbau des Unternehmens, nachdem Brauer-eiinhaber Albert Cramer den Geschäftsführer Technik und kaufmännisches Ressort Dr. Gustavo Möller-Hergt zum Vorsitzenden der Geschäftsführung erkoren hatte.

Schließlich will Warsteiner-Inhaber Cramer selbst innerhalb der nächsten Jahre aus der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat wechseln. Spitzhüttl, der “nach Jahren der guten und intensiven Zusammenarbeit” das Ressort bis zum 1. September weiter leitete, um den “sorgfältigen Übergang der Geschäfte zu gewährleisten”, habe in dieser künftigen Veränderung eine “unzureichende Gewichtung des Schlüsselressorts Marketing und Vertrieb” gesehen, so der Tenor aus Warstein. Danach ändert sich die Unternehmensstruktur dahingehend, dass die Haus Cramer Management GmbH nun von einem an den Managementkulturen international tätiger Unternehmensgruppen orientierten “Management Board” (Board of Directors) strategisch und operativ geführt wird. Die zuständigen Geschäftsführer und Prokuristen verschiedener Bereiche der Gruppe sind als Mitglieder an einem “runden Tisch” vertreten, wobei die Geschäftsführung gegenüber dem Beirat und der Gesellschafterversammlung verantwortlich ist. Die Stabsstellen Recht, Revision, Steuern und Unternehmenskommunikation sind direkt Brauereichef Cramer unterstellt und
deren Direktoren Mitglieder des “Management Board” (siehe auch Rubrik Macher & Märkte in dieser Ausgabe).

Dass die Chemie in der Troika Cramer/Spitzhüttl/Möller-Hergt schon länger nicht mehr stimmte, wurde in der Branche schon öfter gemunkelt – obwohl Brauereichef Cramer dies stets laut Branchenblatt Inside als “Locusparole” abgetan hatte. Auch Spitzhüttl selbst scheint bis zuletzt fest an seine Zukunft bei Warsteiner geglaubt zu haben – das Fehlen der meist in solchen Fällen sofort aufkeimenden Gerüchte, welchem Unternehmen er sich sonst zuwenden könnte (zumindest bis Ende Juli, kurz nach Bekanntwerden seines Abganges), spricht dafür.