Weinseligkeit in Düsseldorf auf der ProWein 2002 Zweiter Teil

Text: Timur Dosdogru
Fotos: Martin Joest, Timur Dosdogru

In Düsseldorf präsentierten die Veranstalter der in Stuttgart stattfindenden Intervitis Interfructa den ersten Band der neuen Informationsreihe “Intervitis Interfructa Dokumente” mit dem Titel “Aspekte der EU-Erweiterung
– die Weinwirtschaft in Mittel- und Osteuropa”.

Die Intervitis-Broschüre gibt einen Überblick über die Situation und das Potenzial der mittel- und osteuropäischen Länder als Weinproduzenten und als -konsumenten. Ein weiterer Aspekt ist, dass diesen Ländern signalisiert werden soll, dass sich die deutsche Weinwirtschaft für sie interessiert und zu einem gegenseitigen Austausch bereit ist. So trafen sich am ersten Messetag die Vertreter der Gemeinschaftsstände Bulgariens, Georgiens, Kroatiens, Litauens, Mazedoniens, Moldawiens, Rumäniens, Sloveniens, Tschechiens, der Türkei, Ungarns, der Ukraine und Zyperns am Stand des Deutschen Weininstitutes (DWI) zum Erfahrungsaustausch.

Man wolle das Treffen dazu nutzen, mit Blick auf den EU-Beitritt weitere Projekte mit den bedeutenden Weinbauländern Mittel- und Osteuropas zu initiieren und die angebotene Partnerschaft Deutschlands mit Inhalten zu füllen, so Dr. Rudolf Nickenig, Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbandes.
Brennerei Humbel bringt “Bio” und “Schnaps” zusammen

Besonders zufrieden zeigte man sich in diesem Jahr auch wieder bei der Spezialitätenbrennerei Humbel – der schweizerische “Kirschbrenner aus Leidenschaft”, wie Lorenz Humbel-Stevanovic sich stolz tituliert. Der umtriebige Schweizer berichtet von einer guten Fruchternte, die zwar nicht die erhoffte Menge gebracht, aber dafür die qualitativen Erwartungen erfüllt habe. Zum ersten Mal seien Mirabellen aus dem eigenen Obstgarten geerntet worden und mit dem daraus gewonnen Mirabellenbrand 2001 “sind wir überglücklich”, wie es heißt. Zum Sortiment der Sortenreinen Brände wurden noch einige weitere Raritäten in Kleinstmengen destilliert, wie beispielsweise der Weiße Traubenkirsch, gebrannt aus gelben Kirschen oder der Speierling (Sorbus), der nicht nur in der Schweiz zu den selten gewordenen Obstbäumen gehört und die Tessiner Feigen.

In sein “Biosortiment” hat Humbel nun auch Rum und Cachaça unter der Marke Matraga aufgenommen. Diese Produkte aus Brasilien werden nicht nur unter Bio-Richtlinien hergestellt, sondern in Kooperation mit der Gebana AG auch nach den Prinzipien des Fair Trade gehandelt – also zu fairen Preisen für die Erzeuger – worauf das Unternehmen Gebana spezialisiert ist. Humbel klärt außerdem die Frage, wie “Bio und Schnaps überhaupt zusammen passen” und die Frage nach der Gesundheit: Man solle sich keine Illusionen machen, nach heutiger Erkenntnis würden Rück-stände nicht in den Schnaps überdestilliert.

Trotzdem mache ein Bioschnaps Sinn, weil auch “unsere Umwelt, in der wir leben, dadurch profitiert”. Und überhaupt sei alles nur eine Frage der Menge, schließlich sei es auch nicht unbedingt gesund, täglich 24 Bio-Eier zu essen: “Maß halten ist alles.”
Distilleria Bottega geht in Sachen Grappa neue Wege

Ihr Messedebüt in Düsseldorf gab die italienische Edelbrennerei Distilleria Bottega, die sich normalerweise als Grappa-Produzent auch für Menschen versteht, die noch nie oder nur sehr selten Grappa getrunken haben, beziehungsweise trinken, weshalb das Unternehmen vor allem auf weiche Destillate mit einem Alkoholgehalt von 38 Prozent setzt. Nicht so bei der zur Messe vorgestellten Neuheit Grappa Alexander Platinum, der mit 60 Prozent Alkoholgehalt völlig aus dem Rahmen fällt. Der Platinum-Grappa wird aus dem Trester von Amarone- und Reciototrauben hergestellt, der Alkoholgehalt nach der Destillation mit Dampf aber belassen. Edel ist vor allem die Ausstattung: eine platinierte 0,7-l-Flasche in einem Metallzylinder.

Erreichen will man diesem Grappa außerdem die “mündigen Genießer”, die mittels eines speziellen Glases der Distilleria Bottega durch die Zugabe von Wasser Eis die gewünschte Trinkstärke kreieren können. Die “Platinbombe” soll im Handel rund 35 Euro kosten. Neu im Portfolio der Brennerei in Roganzuolo di San Fior nahe Venedig ist auch Gianduia Crema Bottega, der laut Unternehmensangaben erste “Chocolate Grappa”. Der Likör hat einen Alkoholgehalt von 17 Prozent, Gianduia ist eine typische und traditionsreiche Schokoladenspezialität aus dem Piemont, die aus Haselnüssen hergestellt wird.

Er kann heiß, kalt, auf Eis und Speiseeis genossen und als Bestandteil von Cocktails und Longdrinks gebraucht werden. Der Endverkaufspreis für die 0,5-l-Flasche beträgt 19,50 Euro. Vertrieben wird die Spezialität in Deutschland durch Culinaria Metropole.
Brennerei Felix Rauter
– Absinth-Pionier der Neuzeit

Die Brennerei Felix Rauter in Essen hat ihre Tabu-Absinth-Reihe weiter ausgebaut. Das Unternehmen ist mit der Handelsregisternummer 7 eine der ältesten Firmen in der Ruhrmetropole. Zu der Rauter-Gruppe zählt auch die Firma Tabu-Spezialitäten, die mit besonderen Erzeugnissen das 1500 Produkte umfassende Sortiment ergänzt. Jetzt wurde die Absinth-Reihe um den Tabu 73 classic strong erweitert, der gegenüber der 55-Prozent-Variante mit dem dreifachen Wermutanteil hergestellt wird. Die 0,5-l-Flasche ist im Fachhandel für rund 35 Euro erhältlich.

Die Brennerei Rauter war der erste deutsche Hersteller, der 1998 Absinth nach einem alten Familienrezept und – entsprechend der heutigen Rechtslage angepasst – wieder aufleben ließ, nachdem Absinth europaweit jahrzehntelang verboten war. Auch für den in Österreich bekannten Absinth Mata Hari hat Rauter kürzlich den Vertrieb übernommen.
Racke engagiert sich stärker
auf dem britischen Markt

Die Firma Racke in Bingen will sich nach ihrem erfolgreichen Auftritt in Düsseldorf auch auf dem britischen Markt engagieren, weshalb das Unternehmen die Zusammenarbeit mit seinem Distributionspartner Edward Cavendish & Sons verstärkt und sein internationales Portfolio im Mai auf der “International Wine & Spirits Fair” in London präsentierte. Vor allem die nun international positionierte Marke Revian’s, soll auf der Insel forciert werden und die Internationalisierung vorantreiben.
drinks & food wächst weiter

Die Berliner Vertriebsgesellschaft drinks & food erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz 216,28 Millionen Euro und damit 80 Millionen Euro mehr als im Jahr 2000. Michael Bouchette, Geschäftsführer und Inhaber des Familienunternehmens führt das Wachstum unter anderem auch darauf zurück, dass drinks & food seit Mitte letzten Jahres das Gros aller Spirituosen-Handelsmarken der Edeka-Gruppe produziert.

Zufrieden ist Bouchette auch mit der Markenentwicklung der eigenen Spirituosen, vor allem mit dem Absatzerfolg des Kräuterlikörs Fläminger Jagd, von welchem im vergangenen Jahr rund 2,6 Millionen Flaschen verkauft werden konnten. Mittlerweile wenden sich die Berliner auch verstärkt dem Fachhandel zu, wofür sie eine unter dem Namen Lanius eine neuen Marke geschaffen haben. Diese Range besteht aus Basisspirituosen für die Bar und ist laut Unternehmen “so preiswert, wie es angemessen ist für eine Spirituose, die ausschließlich als Ingredienz dient”.

Innerhalb der drinks-&-food-Verkaufsorganisation gibt es seit letztem Jahr zudem “gelernte Keeper”, die den Fachhandel betreuen. Weiter ausbauen wollen die Berliner auch das Geschäft in Polen, wo eine Brauerei und eine Spirituosenproduktion mit insgesamt 160 Arbeitsplätzen betrieben werden. Insgesamt beschäftigt die Gruppe derzeit 275 Mitarbeiter. Zur ProWein wurde außerdem mit dem Kräuter-Klaren Matjesschluck eine Neuheit vorgestellt.
Berentzen startet
Puschkin-XPerience-Tour

Mit ihrer Marke Puschkin setzen die Berentzen Brennereien, Haselünne, auch in diesem Jahr wieder auf einen Marketingmix aus Promotions im LEH und Below-the-Line-Aktivitäten in der Gastronomie. Im März startete die so genannte Puschkin-XPerience-Tour durch deutsche Dis-kotheken, die seit vier Jahren in Zusammenarbeit mit dem Musiksender MTV als Kooperationspartner besteht.

Eine Attraktion der “Experience” ist in diesem Jahr unter anderem ein Simulator in Form eines übergroßen Eisblocks, in welchem eine Puschkin-Flasche steckt, wobei der Besucher in den Genuss einer aufwendigen und rasanten 3D-Show kommt. Für die Berentzen Minis in Tüten läuft seit Februar für ein ganzes Jahr eine Kooperation mit dem Musiksender Viva, indem die neuen Produkte in die Sendung “Club Rotation” eingebunden wurden. Ein Mediavolumen mit sechsstelliger Höhe bei Viva soll für massive Präsenz der “Minis” bei den Zuschauern sorgen.
Genießen und Dialog:
Messeausklang mit Cocktail Hour beim BSI

Zum Händeschütteln mit “Small Talk” begaben sich am zweiten Messetag auch in diesem Jahr wieder die Prominenten der Spirituosenbranche zur Cocktail Hour des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e.V. (BSI), Bonn. Sehen und gesehen werden war hier traditionell angesagt und informative Gespräche fanden sich schnell bei den Klängen des bekannten Jazzpianisten Dirk Raufeisen, begleitet von Carola Grey am Schlagzeug und Götz Ommert am Bass.

Barkeeper der Dortmunder Cocktail Akademie sorgten für Cocktails auf Spirituosenbasis und Diplom-Psychologe Stephan Grünewald vom Kölner Rheingold Institut konnte in diesem Rahmen erheiternd über die geheime Logik des Getränkemarktes referieren, nach welcher die Nachfrage nach Spirituosen auch von den situativen Verfassungswünschen der Konsumenten abhängt. Am Beispiel der Spirituosengattungen Whisky, Cognac, Korn, und Liköre zeigte Grünewald unter allgemeinem Beifall, wie Spirituosen dabei als Stimmungswandler …

 

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 6/7/2002