Weinspecial

“… ist so wie das Blut der Erde”

Wein aus Griechenland

von Wilfried Moselt

Wo wäre man den Göttern näher als im Land der Hellenen, wo hehre Geschichte und holde Gegenwart eine Verbindung eingehen, deren Faszination sich niemand entziehen kann. Hier hat Athena, die göttliche Beschützerin des Olivenbaums, in ihrer Güte aus dem noch schlagenden Herz des von Titanen gemeuchelten Zeus-Kegels Dionysos einen Rebstock sprießen lassen und den Griechen den Wein geschenkt.

“Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde” war die Botschaft, mit der uns schließlich Udo Jürgens, der mit einem Professorentitel bedachte Schlagersänger von Österreichs Gnaden, beglück-te und uns bewusst machte, dass die Griechen nicht nur liebenswerte Nachbarn und Mitbürger in der Fremde waren (und sind), sondern in ihrer Heimat auch Weine erzeugten, in die “hineinzuschnuppern” sich lohnte – und wenn es nur aus der Neugier heraus geschah, solche Weine in der nächsten Griechenkneipe kennenzulernen. Die Wegstrecke vom schlichten Sorgenbrecher, der genügte, einfachste Alltagsansprüche zu erfüllen, hin zu den teilweise auf hohem Niveau angesiedelten Weinen unserer Tage war lang und beschwerlich und für manchen Erzeuger auch aus finanziellen Gründen oft nicht zu bewältigen. Es waren letztlich die größeren Weingüter, die vor einem Vierteljahrhundert die entscheidende Wende hin zu einer Qualität einleiteten, die internationalen Anforderungen gerecht werden konnte.

Dass sich in deren Fahrwasser auch kleinere Produzenten mutig daran machten, nicht nur ihre Betriebe, sondern auch vorgefasste, starre Verhaltensweisen zu “entrümpeln” und sich außerhalb der eigenen vier Wände umzuschauen, soll nicht verschwiegen werden. Ein Önologiestudium im Ausland und das Einbringen moderner kellerwirtschaftlicher Erkenntnisse in die Unternehmensphilosophie sind heute für das Gros aufstrebender Weinmacher in Griechenland selbstverständlich.

Vom “guten” alten Retsina in seiner Version mit der über Gebühr betonten Harznote, der eh nur in Pauschalvorstellungen mit dem griechischen Wein schlechthin identifiziert wird, hat man sich jenseits regionaler Beharrlichkeiten ohnehin schrittweise verabschiedet. Schon Hippokkrates, dem der Asklepiadenschwur zugeschrieben wird, mit dem unsere Ärzte ethisches Handeln beim Umgang mit uns Patienten geloben, war ein Befürworter des angemessenen Weingenusses. Dem Arzt, der um 400 v. Chr. lebte, wird folgender Ausspruch nachgesagt: “Der Wein ist in wunderbarer Weise für den Menschen geeignet, vorausgesetzt, dass er bei guter und schlechter Gesundheit (also immer) sinnvoll und in rechtem Maß in Übereinstimmung mit der Verfassung der jeweiligen Person verwendet wird.” Wenn das schon für die Weine aus jenen Tagen galt, muss es dann nicht umso mehr für sauber ausgebaute Weine von heute gültig sein?

Es gibt wohl kein Land in Europa, in dem die Anbaugebiete so verstreut sind wie in Griechenland mit seinen aberhundert Inseln und Halbinseln. Auf größere zusammenhängende Rebflächen trifft man eher selten, zumeist sind die Weingärten von Ölbaumkulturen und Getreidefeldern durchzogen. Von den insgesamt mit Reben bestockten ca. 150.000 Hektar wird nur gut die Hälfte für die Weinerzeugung genutzt. Der Rest dient der Gewinnung von Tafeltrauben und Rosinen.

Man unterscheidet zwischen zehn großen Anbaugebieten, unter denen der Peloponnes sowohl von der Rebfläche als auch von der Weinerzeugung her den größten Anteil aufzuweisen hat. In Zentralgriechenland mit Attika, Böotien und der Halbinsel Evia, das im Hinblick auf die Anbaufläche in der Spitzengruppe rangiert, spielt die Weinerzeugung dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Abgesehen von Trauben für den Ausbau des Retsina werden hier in dem heißen und trockenen Klima fast ausschließlich Tafeltrauben und vor allem Rosinen produziert.

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 3/2002