Einweg-Einbruch setzt Holsten-Gruppe unter Druck

von Timur Dosdogru

Zu den Bierproduzenten, die vom Pflichtpfand besonders stark betroffen sind, gehört auch die Hamburger Holsten-Gruppe. Zwar konnten die Hamburger im Geschäftsjahr 2002 ihre Umsätze und Erträge steigern, aber im ersten Quartal des laufenden Jahres ging das Einweggeschäft durch die Zwangspfand-Einführung stärker zurück, als es mit Mehrweg kompensiert werden konnte. Allerdings konnte der Umsatz 2002 um 2,6 Prozent auf 834 Millionen Euro gesteigert werden, bei einem EBITDA von 117 Millionen Euro, weshalb der Vorstand eine Dividende von 0,45 Euro je Stückaktie vorgeschlagen hat.

Insgesamt konnte die Gruppe rund 14,35 Millionen Hektoliter Getränke absetzen, 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr – ohne die Mengen der im November 2001 verkauften Beteiligungen in Polen. Davon entfielen auf Bier 10,22 Millionen Hektoliter (+0,7%) und 4,14 Millionen Hektoliter auf alkoholfreie Getränke (+19,1%) der Holsten-Beteiligung Hansa-Brunnen. Zudem ist im Bierbereich ab dem 1. August die Produktion der Licher Brauerei enthalten, an der die Hamburger zu diesem Zeitpunkt ihre Beteiligung auf 64 Prozent erhöhten. Einschließlich aller Bier- und AfG-Mengen aus den Beteiligungen, wozu auch die Heemann-Gruppe über die Holsten-Tochter Hansa-Brunnen gehört, kam die Holsten-Gruppe auf einen Gesamtabsatz von 23,13 Millionen Hektoliter im vergangenen Jahr, was einem Plus von 7,2 Prozent entspricht.

Bei den alkoholfreien Getränken konnte die Holsten-Tochter Hansa-Brunnen ihren Absatz an Mineralwässern um 13,8 Prozent und den Absatz von Erfrischungsgetränken um 26,8 Prozent um insgesamt 19,1 Prozent steigern, der Gesamtabsatz beträgt damit 4,14 Millionen Hektoliter. Im Inland konnte Holsten den Bierabsatz um 2,5 Prozent auf 8,66 Millionen Hektoliter erhöhen, davon entfielen 2,06 Millionen auf die Marke König Pilsener, die damit allerdings gegenüber dem Vorjahr 3,8 Prozent an Absatzvolumen verlor.

Die Marke Holsten Pilsener konnte ihr Vorjahresniveau von 1,83 Millionen Hektoliter halten, während die hessische Privatbrauerei Licher ihren Absatz bei knapp einer Million Hektoliter hielt.

Neue Zuwächse wurden durch die Biermischgetränke Holsten Cooler und Licher x2 erreicht, mit insgesamt 580.000 Hektoliter. Feldschlößchen-Bier aus Dresden und Braunschweig verlor um 2,7 Prozent auf 0,84 Millionen Hektoliter und die Lübzer Marken aus Mecklenburg konnten um 4,4 Prozent auf 0,77 Millionen Hektoliter zulegen. Den Gesamtanteil am deutschen Biermarkt beziffert die Gruppe mit 9,4 Prozent, gegenüber 8,5 Prozent im Vorjahr.

Holsten Cooler, seit Mai auch in der PET-Flasche erhältlich, wurde im Juni von Entscheidern des Lebensmittelhandels kürzlich zum „HIT 2003“ gewählt. Damit ist die Marke eine der erfolgreichsten Produktneueinführungen der vergangenen zwölf Monate und belegt nach Clausthaler Hefeweizen und Beck’s Gold den dritten Platz – als einziges Biermischgetränk. Ins Ausland exportierte die Gruppe rund 1,1 Millionen Hektoliter Bier im vergangenen Jahr, 19,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies wird auf den gezielten Abbau des Exports von margenschwachen Exklusiv- und Handelsmarken zurückgeführt. Internationale Lizenzpartner in Europa, Afrika und Mittelamerika setzten 440.000 Hektoliter Holsten-Bier in ihren Ländern ab, 42,5 Prozent mehr als im Vorjahr. In Russland wurde der Absatz auf 274.000 Hektoliter verdoppelt.

Den Cash Flow konnte die Holsten-Gruppe um 27,3 Prozent auf 80 Millionen Euro steigern, die Umsatzrendite stieg um 2,3 Prozentpunkte auf fünf Prozent und der zahlungsorientierte Cash Flow Return on Investment konnte von sieben auf 8,8 Prozent verbessert werden. Investiert wurden im vergangenen Jahr rund 60,8 Millionen Euro in Rechte und Sachanlagen. Am Standort Hamburg wurde ein neues Ausweichrechenzentrum in Betrieb genommen, um Risiken im Störungsfall weiter minimieren zu können. Die Bilanzsumme des Konzerns stieg um 14 auf 907 Millionen Euro, wobei auch die Erstkonsolidierung der Licher Brauerei enthalten ist. Die Eigenkapitalquote konnte von 23,8 auf 25,9 Prozent gesteigert werden. Die Verbindlichkeiten sanken von 439,1 auf 414,3 Millionen Euro, die Finanzverbindlichkeiten um 11,2 auf 344,5 Millionen Euro.

Auch bei Holsten wagt man für das laufende Jahr wegen der vielen Unwegbarkeiten keine bestimmte Prognose abzugeben: diese Planungsunsicherheiten stellten eine erhebliche Herausforderung dar, heißt es.