Kreativität und Persönlichkeit verdienen den „Gastronomieoskar“

Sieben auf dem Weg zum Gastrostar…

von Monika Busch

Die Umstellung von DM auf den Euro und die spürbare Konjunkturflaute prägten und prägen die Rahmenbedingungen der hiesigen Wirtschaftslage. Die privaten Haushalte reagieren mit deutlicher Konsumzurückhaltung – drohende Steuerrisiken verstärken diesen Effekt. Und insbesondere die Gastronomie sah sich den Vorwürfen der „Euro-Preistreiberei “ ausgesetzt, das veränderte Konsumverhalten traf das Gastgewerbe besonders hart.

Konnte man in der getränke-orientierten Gastronomie im vierten Quartal 2001 noch über ein Plus von acht Prozent jubeln, befand man sich Mitte 2002 schon wieder im Minus. Ob Caterer, Hotels oder Gaststätten, überall waren die Umsätze innerhalb des vergangenen Jahres zu Teil dramatisch zurückgegangen. Bundesweit sehen etwa 45 Prozent der Gastronomen der Umsatzentwicklung im 1. Quartal 2003 mit einer gehörigen Portion Pessimismus entgegen, nur knapp sieben Prozent sehen optimistisch in die Zukunft.  Dass die Gastronomie nicht nur einem „Jammertal“ gleicht, wurde sehr deutlich bei der diesjährigen Verleihung des Herforder Preises Deutscher Kneipenoskar.

Zum neunten Mal würdigte die Brauerei Felsenkeller Herford mit diesem Preis herausragende Wirtepersönlichkeiten und signalisierte, dass in der modernen Gastronomie vor allem auch Ideenreichtum und Kreativität heute unerlässlich sind. „Die Erwartungen ihrer Gäste nicht nur erfüllen, sondern sie übertreffen – das zeichnet auch die diesjährigen Preisträger des Herforder Preises aus. Mit dieser Ehrung werden herausragende Persönlichkeiten der getränkeorientierten Gastronomie gewürdigt, die mit Trendgespür, Ideenreichtum, Know-how und Servicequalität ihre Unternehmen zum wirtschaftlichen Erfolg führen,“ erläuterte Ernst Fischer, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) die Anforderungen an die Preisträger des „Oskar“.

„Der Herforder Preis macht Mut, eine Karriere in der Gastronomie zu starten. Wer den Blick über den Tellerrand wagt, neugierig auf Menschen ist und sich nicht vom ersten Gegenwind umpusten lässt, kann – auch als Quereinsteiger – schnell die Leiter des beruflichen Erfolges nach oben klettern“, ist sich Fischer sicher. Die Preisträger unter den sieben nominierten Wirtinnen und Wirten auszuwählen, war auch in diesem Jahr keine leichte Aufgabe für die elfköpfige Jury. Neu in diesen Jahr: die Vergabe des „Sonderpreises für Gastronomie und Unterhaltung“.  Die Preisverleihung fand in einem würdigen Rahmen statt. Das GOP Varieté-Theater im Kaiserpalais Bad  Oeynhausen strahlte im Glanz mit der festlichen Gala für die Preisträger.

Claus-Dieter Hübsch moderierte die Preisverleihung getreu Deutschlands erfolgreichsten TV-Format „Deutschland sucht den Gastrostar“.   Die Künstler des GOP Varietés boten den fast 400 geladenen Gästen mehr als nur einen Augenschmaus. Nominiert waren, die Berliner Wirtinnen Ute Gilow und Gerti Hofman vom Restaurant  Florian, Ada Wit-hake, Chefin des Refugium, Antje Döring vom Bahnhof Nord in Bottrop, Uwe Christiansen von Christiansen’s Fine Drinks & Cocktails, Hubert Heller von Hellers Brauhaus und Achim Fiolka vom Bernstein. Sicherlich hätten alle sieben Nominierten diesen Preis verdient, denn Auswahlkriterien wie Persönlichkeit, Ideenreichtum, Originalität, Servicequalität, Mitarbeiterführung, allgemeiner Zustand des Betriebs und betriebswirtschaftlicher Erfolg, erfüllten sie sicher. Die Jury hatte die Qual der Wahl. „Die Leistungen der Nominierten zeigen, dass persönliches Engagement, ein gewisses Gespür für neue Trends und optimaler Service zum Erfolg führt. Mit dem Herforder Preis wollen wir dieses Engagement besonders würdigen. Wir wollen zeigen, dass sich Kreativität und Einsatz lohnen“, betonte Udo Tydecks, Geschäftsführer der Brauerei Felsenkeller Herford.

And the Oskar goes to: Antje Döing vom Bahnhof Nord in Bottrop – Wirtin des Jahres 2002, to Achim Fiolka, Bernstein Bielefeld – Wirt des Jahres 2002, to Hans-Peter Wodarz – Sonderpreis für Gastronomie und Unterhaltung. Antje Döing steht für eine Quereinsteigerin, wie Fischer sie beschreibt. Ursprünglich wollte sie Ärztin werden, studierte jedoch Betriebswirtin und realisierte im Bahnhof Nord in Bottrop das Thema ihrer Diplomarbeit „Erlebnisgastronomie als Marketing-Konzept“. Laudator und Stammgast Bodo Buschmann, Chef vom Tuning Unternehmen Brabus war sichtlich stolz auf seine „Anke“. Und erzählte, dass bei einem seiner Geschäftsessen als Vorspeise ein verrosteter Kerzenleuchter und als Nachspeise ein antiker Stuhl bestellt wurde.

„Im Bahnhof Nord kann man nicht nur hervorragend speisen, man kann auch alles an Mobiliar, ob Salzstreuer, Blumenvase oder Tisch erwerben“, beschrieb der Laudator das Konzept.  Und betonte abschließend: „Anke hat ein Stück Sylt nach Bottrop gebracht.“ Achim Fiolka, Bernstein, Bielefeld –  Wirt des Jahres 2002 wurde für sein Gastronomiekonzept mit Standort im 5. Obergeschoss ausgezeichnet. Bereits nominiert im vergangenen Jahr – hier war er Zweitplatzierter – , war die Freude bei Fiolka groß. Fiolkas Laudator Fernsehmoderator Oliver Welke freute sich das der Preis in seine Heimat Ostwestfalen ging: „Sicherlich ist es ein Erlebnis, Abends beim feinen Dinner auf das Lichtermeer der Bielefelder Innenstadt zu blicken. Vor allem aber hat es Achim Fiolka geschafft, mit seinem Gastronomie-Konzept Jung und Alt gleichermaßen anzusprechen.“ Als „Vater“ der modernen Erlebnisgastronomie gilt Hans-Peter Wodarz. Mit dem Sonderpreis wurde er für sein Lebenswerk und insbesondere für Pomp, Duck und Circumstance ausgezeichnet. Schauspieler Axel Pape  betonte in seiner Laudatio: „Hans Peter Wodarz ist der sprichwörtliche Visionär – angetrieben von unbändiger Besessenheit und Kreativität.“ Auf die Frage, warum Pape die Laudatio hielt, antwortete er: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Als Wodarz den Sonderpreis hoch erfreut entgegen nahm, regte er an den „Kneipenoskar“ doch umzutaufen in „Gastronomieoskar“. Das Wort Kneipe würde heute nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen. Auch sei er froh, damals zu Zeiten der „Ente im Nassauer Hof“ nicht auf ein Michelin-Restaurant-Tester gehört zu haben, der sagte. „Wodarz, wenn Sie mit dem Theater nicht aufhören, kriegen sie nie einen zweiten Stern.“

Im nächsten Jahr feiert der Herforder Preis 10-jähriges Jubiläum. Udo Tydecks: „Wir hören immer wieder, dass der Herforder Preis, sich als Gastro-Auszeichnung fest etabliert und in Fachkreisen eine gute Reputation hat. Aufgrund seiner Neutralität – denn Herforder am Hahn zu haben, ist nicht Voraussetzung – ist er glaubwürdig, hat eine große Breitenwirkung und ist aus der Branche nicht mehr wegzudenken. Und – bestimmt werden wir uns aber für das nächste Mal – dem Jubiläum – etwas Besonderes überlegen.”