RTD-Getränke haben Spirituosenindustrie angeschoben

BSI meldet leichtes Absatzplus für die Branche

von Timur Dosdogru

Eine leicht gestiegene Konsumentwicklung meldet der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) e. V. Bonn, für das Jahr 2002. Danach ist der Pro-Kopf-Verbrauch im vergangenen Jahr leicht um 0,1 Liter auf 5,9 Liter angestiegen, was einem Zuwachs von 1,7 Prozent entspricht. Nach Erwartungen der Branche wird sich der Pro-Kopf-Verbrauch künftig auch beim jetzigen Wert einpendeln.

Dies erfreut die Spirituosenbranche umso mehr, weil der Gesamtmarkt mit alkoholischen Getränken um 0,4 Prozent auf 151,6 Liter pro Kopf gesunken ist. Vor allem die Ready-to-drink-Getränke, kurz RTD’s genannt, haben der in den letzten Jahren nicht verwöhnten Branche zu diesem Zuwachs verholfen.

In Zeiten wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen gehe der Konsument mit seinem verfügbaren Einkommen nun einmal bewusster um, so BSI-Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick. Die Käuferreichweite  sei aber dafür im vergangenen Jahr fast konstant geblieben, so die Verbandsgeschäftsführerin weiter, rund 68 Prozent der Haushalte hätten mindestens einmal pro Jahr Spirituosen eingekauft. Die Branche erwartet daher, sich auch in Zukunft im Segment der alkoholhaltigen Getränke weiter behaupten zu können. Interessant in diesem Zusammenhang: hatten sich die RTD-Getränke seit ihrer Einführung in den letzten Jahren vor allem in der Gastronomie etabliert, wird insbesondere im laufenden Jahr im LEH ein starkes Wachstum in diesem Segment festgestellt.

Nach der erfolgreichen Einführung in der Gast-ronomie kamen die RTD’s im vergangenen Jahr im LEH auf einen Anteil von rund fünf Prozent. Nach aktuellen GfK-Ergebnissen lag der Absatz von Spirituosen im LEH im vergangenen Jahr bei rund 413 Millionen 0,7-l-Flaschen – 0,4 Prozent höher als im Vorjahr – und machte dabei 60 Prozent des Gesamtmarktes aus (ohne Aldi). Inklusive der rettenden RTD-Getränke mit rund 18 Millionen 0,7-l-Flaschen hat der Absatz im LEH damit um über drei Prozent zugelegt. Die übrige Marktentwicklung zeigte sich je nach Segment wieder sehr unterschiedlich. So verbuchten weiterhin mengenmäßig die Liköre, Korn und Weinbrände die größten Marktanteile.

Eine verstärkte Nachfrage zeigte sich vor allem bei Halbbitterlikören, Wodka, Obstbränden, Sahnelikören, fruchtigen Softspirituosen, Trester-brand, Klaren sowie bei Gin/Genever, Doppelkorn, Grappa, Fruchtlikören, Pfefferminzlikören, Amaretto, Cognac, Bourbon Whiskey, Eierlikören, Kümmel, Ouzo, Cachaça, Tequila und Sambuca. Die Deutschen schätzten vor allem Genuss, Qualität und die breite Angebotspalette an Spirituosen und deren zahlreichen Verwend-ungsmöglichkeiten, so BSI-Präsident Wilfried Mocken.

Der Import von Spirituosen bewegte sich 2002 mit 329 Millionen Flaschen weiterhin auf hohem Niveau, obwohl dieses im Vorjahr laut Statistischem Bundesamt noch bei 336 Millionen Flaschen gelegen hatte. Der Einfuhrwert betrug 2002 rund 810 Millionen Euro, rund 63 Prozent der Importe stammten aus EU-Ländern. Wichtigste Herkunftsländer: Frankreich, Bahamas, Italien, Großbritannien, USA, Griechenland, Niederlande, Mexiko und Brasilien, Französische Südgebiete, Spanien und Jamaika. Rückläufig zeigte sich aber auch der Export von Spirituosen, die Ausfuhren umfassten hier 97 Millionen 0,7-l-Flaschen und lagen damit auf dem Niveau von 1998. Mit einem Anteil von 71 Prozent bezogen auf alle Exporte waren die wichtigsten Ausfuhrländer die Niederlande, USA, Tschechische Republik, Belgien/Luxemburg, Österreich, Frankreich, Russland, Dänemark, Jordanien, Italien, Schweiz und Spanien.

Die Osterweiterung der EU begreift der BSI als zusätzliche Chance, wobei es nun darauf ankomme, wie die Anerkennung des europäischen Gemeinschaftsrechts durch die Beitrittskandidaten jeweils als nationales Recht umgesetzt werde, so BSI-Präsident Mocken. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2002 rund 781 Millionen 0,7-l-Flaschen Spirituosen produziert, was einer Zunahme im Vorjahresvergleich von 1,7 Prozent entspricht. Diese Zahl lag ursprünglich höher (797 Millionen Flaschen), wurde aber nach Schätzungen des BSI um einen hohen Anteil an Doppelzählungen bereinigt. Im europäischen Vergleich liegt der deutsche Spirituosen-Pro-Kopf-Verbrauch an 13. Stelle, mit Russland an der Spitze. Beim gesamten Alkoholverbrauch findet sich Deutschland auf dem achten Platz wieder, mit Tschechien als Spitzenreiter. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Alkohol insgesamt in Deutschland sank 2002 um 0,2 Liter (1,9 Prozent) und lag damit bei 10,3 Liter. Die Spirituosenbranche beschäftigte 4050 Mitarbeiter in 86 Betrieben, 32 mehr als im Vorjahr.

Aktuellen Prognosen zufolge sieht es für die Branche langfristig gut aus: im Jahr 2010 werden rund 25 Prozent der Deutschen 60 Jahre und älter sein. 40 Prozent aller Getränkeausgaben für den Haushaltskonsum dieser Altersgruppe entfallen auf Genussmittel. Bis zum Jahr 2006 wird für den Weltmarkt mit einer Umsatzsteigerung von 3,9 Prozent gerechnet – vorausgesetzt, dass staatliche Restriktionen in Sachen Alkoholpolitik keinen Strich durch die Rechnung machen.