SIG Holding AG will sich komplett auf den Getränkebereich konzentrieren

Verpackungsgeschäft „Trockenbereich“ soll verkauft werden
2004 kommen zwei neue Getränkeverpackungssysteme
für Karton und PET auf den Markt

von Timur Dosdogru

Die schweizerische SIG Holding AG will sich als globaler Anbieter von Verpackungsmaterial, Anlagen und Service für die Getränkeindustrie positionieren und konzentriert sich daher künftig auf den weiter wachsenden Getränkebereich. Dafür werden alle Ressourcen auf das Kerngeschäft „SIG Combibloc“ und „SIG Beverages“ gelegt.

Die im Trockenbereich tätige SIG Pack soll veräußert werden, ebenso alle anderen Geschäftsfelder, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Der Verpackungsmarkt für Trockengüter sei stark fragmentiert und befinde sich in einer Umbruchphase, heißt es, weshalb die Schweizer für diese Division „ein anderes industrielles Umfeld“ suchen, „welches bereit ist, die notwendigen Investitionen für ein nachhaltiges Wachstum zu tätigen“. Ebenfalls werden Käufer für die SIG Blowtec (Extrusionsmaschinen für Kunststoffbehälter, SIG Kautex (Extrusionsmaschinen für Automobilteile aus Kunststoff) sowie SIG Hamba Filltec (Füllmaschinen für Joghurt und Magarine) gesucht.

Im vergangenen Jahr hatte der schweizerische Konzern bereits das Spritzgussgeschäft der SIG Corpoplast und das nicht-aseptische Milchgeschäft von SIG Combibloc Großbritannien verkauft („devestiert“, wie es im Schweizer Bankendeutsch heißt), wie auch Mitte des Jahres die beiden Unternehmen PKL Flexible Verpackungen in Deutschland (beschichtete Papiere für Trockengüter) und SIG Stewart Systems (Bäckereianlagen) in den USA, die zusammen ein Umsatzvolumen von 60 Millionen Euro im Konzern ausmachten.
Zudem wurden nicht betriebsnotwendige Immobilien in den USA und in der Schweiz verkauft.Trotz der schlechten Konjunktur meldet der Konzern Wachstum, im ersten Halbjahr 2003 konnte der Umsatz um zwei Prozent von 905 auf 927 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Der Bestellungseingang erreichte mit 940 Millionen Euro knapp den Vorjahreswert (942). Durch die große Nachfrage nach Kartonverpackungen im ersten Halbjahr 2003 verzeichnete das Kerngeschäft einen Bestellungseingang von 749 Millionen Euro (Vorjahr: 732) und einen Umsatzanstieg von 705 auf 758 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) des Kerngeschäftes wird mit 60 Millionen Euro beziffert (Vorjahr: 70). Das Wachstum von SIG Combibloc setzte sich fort, der EBIT gegenüber dem Vorjahr konnte nahzu gleich gehalten werden, trotz gesteigerter Marktinvestitionen sowie Forschungs- und Entwicklungsausgaben.

Verluste werden dafür weiter für SIG Beverages gemeldet, am Turnaround werde aber mit neuer Führung gearbeitet, heißt es. Die Division habe umfassende Maßnahmen zur Profitsteigerung eingeleitet. Auch bei der Division SIG Pack und der Sparte „Übriges“ konnten die Vorjahresergebnisse nicht erreicht werden. Als Grund dafür werden unter anderem die Bereinigung des Konzernportfolios sowie die Verluste aus geplanten und schon umgesetzten „Devestitionen“ von 62 Millionen Euro genannt, von denen 48 Millionen Euro sich auf den EBIT ausgewirkt haben. Effekt auf das Betriebsergebnis: ein Minus von 26 Millionen Euro (Vorjahr: 44). Das Unternehmensergebnis wurde mit einem Minus von 49 Millionen Euro belastet (Vorjahr: 20).

Trotz der Verkäufe rechnet die SIG Holding AG für das laufende Geschäftsjahr 2003 mit einem leicht höheren Umsatz (2002: 1,877 Milliarden Euro), aber mit weniger Bestellungseingang (2002: 1,873 Milliarden Euro). Ohne Berücksichtigung der Devestition der SIG Pack geht die Konzernleitung wegen der einmaligen Effekte des ersten Halbjahres von einem nur leicht positiven EBIT, dafür aber von einem negativen Unternehmensergebnis aus. Das künftige Kerngeschäft in Gestalt der Divisionen SIG Combibloc und SIG Beverages mit führender Stellung als Material- und Systemlieferant macht bereits heute rund 80 Prozent des Konzernumsatzes aus.

In den kommenden sechs Jahren will der SIG-Konzern aus dem laufenden Cashflow etwa eine Milliarde Euro in diesen Kernbereich investieren, vor allem in neue Packstoffwerke und neue Füller der SIG Combibloc, weil das Geschäft mit aseptischen Geränkekartons ein starkes Wachstum verzeichnet. Auch die SIG Beverages soll mit gezielten Investitionen die Position im Getränkebereich außerhalb der Kartonverpackungen weiter ausbauen. Ein neues aseptisches Verpackungssystem namens „combishape“ ermöglicht erstmals die Fertigung von Kartonverpackungen in den unterschiedlichsten Grundflächen und Formen. Eine erste Anlage befinde sich bereits im Feldtest, heißt es.

Die zweite Innovation des SIG-Konzerns mit dem Namen „Plasmax“ ist eine Anlage zur Beschichtung von PET-Flaschen, die bereits bei einem Pilotkunden installiert wurde. Sie ermöglicht durch eine dünne Glasschicht im Inneren der Flasche eine höhere Barrierefähigkeit und eine Eignung für sensitive Produkte. Beide Innovationen sollen im nächsten Jahr auf den Markt kommen.