Veltins setzt auf Portfolio-Erweiterung:

„Wir haben unsere Hausaufgaben gut gemacht“

von Monika Busch

„Ein schwieriges, bewegtes Jahr liegt hinter uns und ein aufregendes vor uns“, kommentierte der Generalbevollmächtigte Michael Huber der Brauerei C. & A. Veltins das abgelaufene Geschäftsjahr 2002 beim Bilanzpressegespräch in Düsseldorf. Huber ist der Überzeugung, dass die Premiummarken auch 2003 weiter Marktanteile zugunsten von Handelsmarken einbüßen werden. Zudem prognostizierte Huber „wesentliche Veränderungen für 2003 im deutschen Biermarkt“. 2002 verbuchten die so genannten Billigmarken ein Plus von 10,1 Prozent, während die Premiummarken 0,7 Prozent einbüßten.

Die Mescheder Privatbrauerei ist mit ihrem Ergebnis 2002 „sehr zufrieden“. „2002 ist eines der besten Ergebnisse, im Absatz, Umsatz und Ertrag seit Bestehen“, vor allem vor dem Hintergrund, so Huber „eines sich ständig verändernden Marktes“. Mit einem Ausstoß von 2,38 Millionen Hektoliter (+0,2,%) habe sich das Unternehmen  kontinuierlich, wenn gleich auch nur leicht nach oben, weiterentwickelt. Mit der Umsatzsteigerung von 5,4 Prozent auf 214 Millionen Euro sei der „eigene Zielkorridor“ erreicht worden.

In punkto Einwegpfand habe die gesamte Branche erst einmal eine „Ohrfeige“  bekommen, verbunden mit  viel Unsicherheit. Hier sei der Erfolg nur eine negative Bilanz – im ersten Quartal 2003, so die Prognose Hubers, werde  es einen Absatzeinbruch von 50 bis 70 Prozent an Tankstellen/Kiosken und bis zu 80 Prozent im LEH geben.  Hier rätselte Huber, ob der Umweltminister auch  mit dem Finanzminister eingehend über die Einführung des Einwegpfandes diskutiert habe, der Steuereinnahmenverluste von rund 100 Millionen Euro durch den „Wegfall“ der Dose beklagen müsse.

„Wir verlieren deutlich an Menge und Absatz. Aber wir haben nicht das Gefühl, dass es an der Zeit ist, den Kopf in den Sand zu steck-en, “stellte der Generalbevollmächtige fest. Das Produktportfolio soll ausgeweitet werden, flexibel wollen die Mescheder auf den Markt weiter reagieren. Zur diesjährigen Anuga will das Unternehmen den Markt mit „Neueinführungen“ überraschen – die, so Huber nicht unbedingt „bier-affin“ sein müssten, aber könnten. Denn schließlich gehöre zum Unternehmensverbund auch ein Mineralbrunnen (Reginaris, durch die Übernahme von Bier Schneider).

„Die Konsumflaute in Gastronomie und Handel schlug zwar spürbar durch, konnte aber aufgrund der Biermix-Produkte aufgefangen werden“, zog Huber Resümee. V+Lemon und V+Cola erzielten im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Ausstoßergebnis von 88.900 Hektoliter. Der Fassbierabsatz verzeichnete mit 591.000 Hektoliter einen Minus von 2,8 Prozent. Mit 1,32 Millionen Hektoliter wurden 4,8 Prozent weniger Mehrweggebinde abgesetzt. Das traditionell dominierende 0,5-l-Mehrweggebinde büßte 7,5 Prozent ein. Der Veltins-Kernmarkt NRW litt im Vergleich zu den anderen Bundesländern deutlicher unter der abgeschwächten Konjunktur und den fehlenden Wirtschaftsperspektiven.

„Sämtliche Premium-Marken verloren im Pils-Segment Marktanteile – wie nie zuvor erlebten billige No-Name-Produkte einen Mengenschub von  25 Prozent“, skizzierte Dr. Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb die Situation. „Der Verbraucher reagierte auf die Teuro-Dis-kussion und die unsichere Wirtschaftslage mit ausgesprochener Konsumzurückhaltung.“ Konsequent wurde im Frühsommer 2002 die Preiserhöhung durchgesetzt, als Signal für „eine klar formulierte und für den Pilsverwender sichtbare Premium-Strategie“. „Wenngleich in einer von Preisbewusstsein geprägten Zeit gerade die unteren Preissegmente Dynamik verspüren, ist es für die Brauerei C. & A. Veltins eine zwingende Notwendigkeit, den Marktwert zu erhalten,“ lautet Kuhls Devise. Hart kritisierte dieser auch die Einführung des Einwegpfandes: „Der Einschnitt hätte zu Jahresbeginn unglücklicher nicht ausfallen können. Wir hätten dem Verbraucher das Durcheinander gern erspart, aber die Politik bewies leider kein Augenmaß.“ Absätze gingen verloren, die nicht mehr kompensierbar seien. „Wer so rigide in wirtschaftliche Abläufe eingreift, ohne Übergangslösungen  zu tolerieren, der erweist dem Mittelstand einen Bärendienst“, lautet Kuhls Botschaft an den Umweltminister. Und zudem bremse der „Abgabenschock“ die „Einkaufslust“.

Sein Formel 1-Engagement hat das Unternehmen beendet. „Ein derartiges Sponsoring kostet ein mittelständisches Unternehmen sehr viel Geld. Irgendwann standen diese Summen nicht mehr in einem Preis-Leistungsverhältnis“, kritisierte Huber. „Wir müssen heute sehr genau auf die Effizienz achten. Nachlassendes Zuschauerinteresse, gesunkene Ein-

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