Whisky Experten 2003

Das beste Wissen und die feinste Nase
hatte ein 37-jähriger Polizeibeamter

von Martin Joest

Am 22. Februar fiel die Entscheidung über den „Whisky Experten 2003“. Der Experte ist diesjährig der 37-jährige Polizeibeamte Jürgen Lustina. Die hervorragenden Leistungen der 24 Endrundenteilnehmer des „Whisky Experten 2003“ sind fast nicht mehr zu verbessern.

Die Finalteilnehmer haben sich zur 7. Veranstaltung der Classic Malts of Scotland  „Whisky Experte 2003” mit der Beantwortung von 15 besonders tiefgehenden Fragen qualifiziert. Dazu gehörten  Fragen wie „Was ist ein Splash of Cash auf Islay?“ oder „Die Stadt Oban ist die Hauptstadt welcher Grafschaft?“

Dennoch gingen unter den 2200 Eingängen, 187 mit ausschließlich richtigen Antworten ein. Um auf die Anzahl von 25 Endrundenteilnehmern zu kommen, musste das Los entscheiden. Ein Teilnehmer sagte so kurzfristig ab, dass kein „Nachrücker“ mehr benannt werden konnte. Die Jury des Jahres 2003 bestand nur aus „Keepers of the Quaich“, dieser exklusiven Gesellschaft von Persönlichkeiten, die sich um schottischen Whisky und die schottische Lebensart verdient gemacht haben.

Diese waren der deutsche „Whisky-Papst“ Prof. Walter Schobert, Karl Rudolf, Chefredakteur „Der Whisky Botschafter“ (leider kurz vor der Veranstaltung erkrankt), Bernd Schäfer, Jurymitglied der International Wine and Spirits Competition, und Horst Kroll, Hausherr und Betreiber des Whiskymuseums in Kirn auf der Kyrburg. Diesjähriger Austragungsort des Finales war das Dorint Hotel an der Messe Köln. Die Räumlichkeiten des Whiskymuseums, Austragungsort der letztjährigen Veranstaltung, sind inspirierender gewesen, aber das Dorint hat den IC-Bahnhof vor der Tür. Der Wettbewerb wurde in sechs Runden mit Stechen der Besten vier  durchgeführt. Zum Warmwerden verteilten die Juroren erst einmal zehn Fragen. Die sollten gleich von Anfang an klarstellen: hier wird ein Experte gebraucht. Interessanteste Frage: „Wie sollte im Wash Act von 1784 das illegale Whiskybrennen in den Highlands eingedämmt werden?“ Erstaunliche Antwort: „Durch geringere Steuern für Whisky aus den Highlands.“ Und schon ging es ins erste Tasting. Vier Single Malts sind zu erkennen, die vorgegebenen Namen den nummerierten Gläsern und deren Inhalt zuzuordnen.

Kein Problem für die, die vorher trainiert haben, aber dennoch erstaunlich, wie gut die Nasen der 24 Endrundenteilnehmer zügig ihren Besitzern Ergebnisse zutragen, denn die Gläser waren blau eingefärbt. Runde Drei: ein Bilderrätsel, welches nur zu lösen war, wenn man die vier gezeigten Herren, allesamt Distillery Manager, kennt und woher – denn es wurde nach Namen und geleiteter Destille gefragt. In Runde Vier und Fünf wurden wieder die Nasen und Geschmacksnerven bemüht. Diesmal in klaren Gläsern, was die Sache nur scheinbar einfacher machte. In Runde Vier sollten ohne Angabe von Namen vier Single Malts ungestützt den Destillen zugeordnet werden. In Runde Fünf wurden die unterschiedlichen Stile der Brennerei Coal Ila aus den letzten 20 Jahren zu einem Vertical Tasting zusammengestellt. Hier waren dann schon ausgefallene Single Malts am Start, die schon schwer die gemeinsame Herkunft erkennen ließen, geschweige denn, sich einfach in eine zeitliche Reihenfolge bringen ließen. Der Erholung zuliebe kam dann noch einmal ein Quiz aus sechs Fragen und schon ging es zum Stechen. Obwohl der Sieger bereits feststand – sein Punktestand war bereits uneinholbar – wurde noch keine Platzierung angedeutet. Hier kam zum Erkennen von vier Proben noch die Zusatzfrage „Welche Probe ist die Älteste?“ Die Veranstaltung fand dann  in einem anschließendem  Dinner mit Haggis-Zeremonie ihren Höhepunkt.

Dieses schottische Nationalgericht, zu dem Prof. Walter Schobert die professionelle Erläuterung zu wild lebenden Haggissen den Links- und den Rechtsdrehenden zum Besten gab, hat alle Anwesenden wieder ein Stück tiefer in schottische Lebensart eintauchen lassen.  Und darum geht es bei dieser Veranstaltung, die nur vordergründig Competition ist, aber in der Tiefe Ihrer Bedeutung Menschen kulturell bildet und verbindet. Es wird auch 2004 einen Wettbewerb zum Whiskyexperten geben und alle, die auf Sieg hoffen, sollten schon mal eine Flasche Single Malt aufmachen – zehn Monate sind schnell vorbei.