EU-Kommission legt Coca-Cola-Vertrieb an die Kette

Bei Nichteinhaltung droht Geldbuße von zehn Prozent
des weltweiten Umsatzes

von Timur Dosdogru

Schon lange waren der EU-Kommission die Vertriebspraktiken des Coca-Cola-Konzerns in Europa ein Dorn im Auge. Nach einer etwa fünf Jahre währenden Untersuchung hat sich die Kommission mit Coca-Cola geeinigt, die strittigen Punkte zu ändern – sehr zur Freude des Erzkonkurrenten PepsiCo International. Dieser sieht durch die Entscheidung „bedeutende Veränderungen für den 17 Milliarden Euro umfassenden europäischen Markt für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke sowie verstärkten Wettbewerb“, der letztlich dem Einzelhandel die Möglichkeit gebe, zum Wohl der Konsumenten eine größere Auswahl an Produkten anzubieten. Die Einigung gilt für die 27 Staaten des europäischen Wirtschaftsraums (EU, Norwegen und Island).

Coca-Cola mit seinen Hauptabfüllern muss nun zahlreiche exklusive Vertriebspraktiken beenden, darunter fallen Exklusivklauseln in Vertriebsverträgen, die Vereinbarung von Zielrabatten und die Koppelung von Produkten sowie die Einführung von zeitlich beschränkten Verträgen für die Zapfanlagen, Theken und die Zugangsbeschränkungen zu Coca-Cola-Kühltruhen für Wettbewerbsprodukte. Schon ab dem kommenden Jahr können die eingegangenen Zusagen von Wettbewerbern vor nationalen Gerichten, Wettbewerbsbehörden und von der EU-Kommission eingeklagt werden. Bei Zuwiderhandlungen drohen der Coca-Cola-Company und ihren Hauptabfüllern Geldbußen in Höhe von zehn Prozent ihres weltweiten Umsatzes. Von der Vereinbarung ist nur Coca-Cola nebst Abfüllern betroffen.

Streng sind zudem die Maßnahmen, mit denen die Zusagen durchgesetzt werden sollen, beispielsweise die Vorlage eines jährlichen Berichts, die Einführung eines so genannten „Compliance“-Programms, um Management und Vertriebspersonal mit den Verpflichtungen vertraut zu machen, Veröffentlichung der Zusagen auf der Coca-Cola-Website an markanter Stelle und die Hervorhebung auf allen Rechnungen, dass jeder Kunde die Möglichkeit hat, kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke anderer Hersteller zu kaufen, anzubieten und zu verkaufen.

Die Auflagen betreffen nicht nur die Hauptabfüller, sondern auch alle anderen, an denen Coca-Cola keine Geschäftsanteile hält. Im Falle von Zuwiderhandlungen hat Coca-Cola zugesichert, die Verträge mit diesen Abfüllern zu kündigen, falls sie diese Zusagen nicht innerhalb von 120 Tagen nach In-Kraft-Treten nicht unterzeichnet haben. Abgeschafft werden auch Prozent-Rabatte für den Kauf von Coca-Cola-Produkten als prozentualer Anteil des jeweiligen Umsatzes des Kunden, ebenso Zielrabatte, mit denen ein bestimmtes Umsatzvolumen oder Umsatzsteigerungsziel erreicht werden soll. Ebenso dürfen Coca-Cola oder Fanta nicht an Verkäufe anderer Coca-Cola Getränke (auch ohne Kohlensäure) gekoppelt werden. Dasselbe gilt auch für Zusagen bezüglich der Lagerung.

Auch dürfen künftig von Coca-Cola vermietete Kühltruhen mit bis zu 20 Prozent mit Produkten anderer Hersteller befüllt werden, im Falle von Eigenbesitz kann Coca-Cola überhaupt nichts gegen eine Fremdbefüllung unternehmen. Ähnliches gilt für Zapfanlagen, wo die Verträge drei Jahre nicht überschreiten dürfen, oder auch bei der neuen Regalflächenbegrenzung auf 95 Prozent des Marktanteils für die Marke Coca-Cola und 100 Prozent des Marktanteils von Fanta.

Finanzierungsgeschäfte dürfen „On Premise“-Kunden nur noch für eine Dauer von maximal fünf Jahren angeboten werden, außerdem darf der Kredit mit dreimonatiger Kündigungsfrist jederzeit zurückbezahlt werden. „Die Verpflichtungszusagen von Coca-Cola werden die Wettbewerbsbedingungen auf den Märkten für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke in Europa verbessern“, befand auch Wettbewerbskommissar Mario Monti, die Verbraucher würden nun in Geschäften und Gaststätten ein größeres Angebot vorfinden.