Fruchtsaft als Wachstumsmarkt für Deutschland und die Welt

Kartonverpackungen weiter auf dem Vormarsch

von Timur Dosdogru

Nach fünf Jahren Stagnation ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Fruchtsäften und -nektaren in Deutschland erstmals wieder gestiegen. Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF) spricht von seiner Branche als bleibenden Wachstumsmarkt, nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit. Allerdings bleibe die betriebswirtschaftliche Lage weiter unbefriedigend, heißt es.

Das Sonnenjahr 2003 habe der bundesdeutschen Fruchtsaftindustrie erstmals seit 1999 wieder eine merkliche Konsumsteigerung beschert, so der VdF. Der Pro-Kopf-Verbrauch konnte um rund 1,6 auf 42 Liter zulegen (Vorjahr: 40,4 Liter). Dies kam vor allem dem Apfelsaft zugute, auch bei Orangensaft wird eine leichte Steigerung verzeichnet. Insgesamt stieg der Branchenumsatz um 7,4 Prozent auf 3,53 Milliarden Euro, was aber nichts über den wahren Zustand der Branche aussagt. Diese konnte zwar im vergangenen Jahr ein deutliches Absatzplus von 3,8 Prozent für Fruchtsäfte und -nektare erzielen, aber das wertmäßige Wachstum lag mit 1,6 Prozent weit hinter diesem Ergebnis.

Trotz des Mehrabsatzes klaffen aufgrund der geringeren Preise Umsatz- und Mengenentwick-lung weit auseinander. Der VdF spricht von einem „betriebswirtschaftlichen Dilemma, in dem sich die Fruchtsaftindustrie seit Jahren befindet“ und welches sich immer weiter zuspitze. Auch die ungebrochene Beliebtheit von Apfelsaft habe daran nichts ändern können, der gesteigerte Konsum des Lieblingssaftes der Deutschen sei vielmehr durch das Zwangspfand auf kohlensäurehaltige Fruchtschorlen bedingt. „So haben 2003 viele Verbraucher zu Apfelsaft in pfandfreien Verpackungen gegriffen und die Apfelsaftschorle zu Hause selbst gemixt“, klagt der Verband.

Dazu kommt noch 2003 die in Deutschland und der Europäischen Union um rund elf Prozent reduzierte Apfelernte – wesentlich unter den durchschnittlichen Ergebnissen der vergangenen drei Jahre. Dies ließ die Preise für Mostäpfel in Deutschland und anderen traditionellen Lieferländern wie Polen in die Höhe schnellen. So wurden in der Bundesrepublik lediglich nur noch 490 Millionen Liter Apfelsaft gekeltert, gegenüber einem guten Apfeljahr wie 2000 mit rund 770 Millionen Liter. Allein Zukäufe aus dem Ausland hätten die Versorgung mit erstklassiger Ware sichern können, heißt es. Das für die Branche gute Jahr sei jedenfalls nicht das „Strohfeuer eines heißen Sommers“, das Angebot werde aber zunehmend facettenreicher, auch wenn klassischer Fruchtsaft wie Apfel- und Orangensaft weiterhin Bestand haben werde. Als „Verpackungen der Zukunft“ sieht der VdF leichte, wiederverschließbare Kartonverpack-ungen und Kunststoffbehältnisse. Glasmehrwegsysteme würden weiter in der Gastronomie und für hochwertige Marken aufgrund der tradionellen Entwicklung und Struktur der Getränkewirtschaft von Bedeutung bleiben. Gleichzeitig werde die Konzentration der Produktionskapazitäten weiter zunehmen und sich wie die Handelsentwicklung europäisch ausweiten. Die sinkenden Erträge begründet der VdF vor allem mit dem ungleichen Preisniveau in den verschiedenen Ländern.

In Deutschland ist Fruchtsaft/-nektar mit am preiswertesten in der EU. So kostet beispielsweise ein Liter in England 96 Cent, in Frankreich gar 1,11 Euro, in Deutschland hingegen nur 86 Cent im Durchschnitt – im Falle Frankreich ein Preisunterschied von knapp 30 Prozent. Deutschland ist der größte Produzent, von den rund 600 Fruchtsaftherstellern in Europa sind 444 deutsche Anbieter. Von dem europäischen Gesamtumsatz von rund 5,3 Milliarden Euro, werden 3,6 Milliarden von deutschen Unternehmen erwirtschaftet. Bei der Obstverarbeitung sieht es ähnlich aus: von rund 115 Rohwaren-Verarbeitungsbetrieben europaweit stellt Deutschland etwa 85, von den rund 1,4 Millionen EU-Tonnen Obst verarbeiten deutsche Betriebe 800.000 Tonnen. Da Deutschland im internationalen Fruchtsaftmarkt eine so große Rolle spielt, liegt es nahe, dass sich auch ausländische Hersteller dem deutschen Markt stellen und ihrerseits auch die Einhaltung hiesiger Qualitätskriterien bestätigt haben wollen. Dies zeigt sich am jährlichen Qualitätswettbewerb für Fruchtgetränke der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), die diesjährig im Mai in Oppenheim stattfand – auch wenn diesmal „nur“ zwei große österreichische Hersteller teilnahmen. Die Veranstaltung stellt mittlerweile die größte Fruchtgetränkeprüfung Europas dar. Rund 400 Produkte wurden unter die „Qualitätslupe“ genommen, darunter 136 Apfelsäfte, sieben Eistees und 20 Fruchtschorlen. Sowohl im Handel als auch im DLG-Wettbewerb gibt es immer häufiger Fruchtschorlen, allen voran die Apfelsaftschorlen. Mit exotischen Kreationen wie „Apfel-Mango-Maracuja“ oder „Banane-Zitrone“ habe auch die „Geschmacks-Globalisierung“ in den Wettbewerb Einzug gehalten, so die DLG.

„Der internationale Qualitätswettbewerb der DLG, an dem sich 81 Unternehmen aus dem In- und Ausland beteiligen, liefert ein repräsentatives Bild, wie es um Trends und das Qualitätsniveau bei Fruchtgetränken bestellt ist“, stellt Thomas Burk-hardt, Leiter Geschäftsfeld Getränke der DLG, klar. Auch die DLG kommt zu dem Schluss, dass der Anteil an Karton- und PET-Verpackungen immer weiter zunimmt und dass mit neuen Kleinflaschenkonzepten und Verschlusstechniken neue Zielgruppen gewonnen werden sollen.