König der Kekse

Tamara Dragus im Gespräch … Prof. Dr. Hermann Bühlbecker

Er führt ganze Nationen in Versuchung. Er gehört zu den erfolgreichsten Unternehmern der Welt. Und er beherrscht den Schlagabtausch wie kein Zweiter.
Als ehemaliger Tennisprofi weiß Prof. Dr. Hermann Bühlbecker, Alleininhaber der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz GmbH & Co. KG, was es braucht, um einen Kampf für sich zu entscheiden: Zähigkeit, Beharrlichkeit und die Gabe, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen.

„Das süße Geschäft ist eine mitleidlose Branche.“ Da sitzt er. Herr der Kugeln, Kuchen, Steine und Sterne. Die Printen nicht zu vergessen, mit denen fing nämlich alles an. Am 15.9.1688 erhielt der Bäckermeister Henry Lambertz – ein Ur-Ur-Ur-Ahn des Herrn Professors – vom Rate des königlichen Stuhles und des Heiligen Römischen Reiches die „Gerechtsame“, sprich Erlaubnis, ein Back-haus in Aachen zu errichten.
Dort wurde geprintet, was das Zeug hält. Aus sogenannten Modeln, hölzernen Gebäckformen, aus denen der Teig ausgedruckt wurde, entstanden die kunstvollen Gebildebrote, mit denen man in erster Linie den Adel belieferte. Die klassische Lambertz-Printe gilt als älteste Marke der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Rund 130 Jahre später gelingt einem Spross aus der Backdynastie ein weiterer Geniestreich: Er mischt den bis dato relativ geschmacklosen Printenteig mit Farinzucker und Zuckersirup und schneidet ihn in rechteckige Streifen – die Kräuterprinte ist geboren.

Die Erfindung der Dampfmaschine und die Experimentierfreudigkeit einer weiblichen Person verhelfen dem Hause Lambertz zum endgültigen Durchbruch. Maria Geller, Tochter des kaufmännischen Beraters und späteren Inhabers der Firma, taucht bei einem ihrer neugierigen Streifzüge durch die „Aachener Printen- und Dampfschokoladenfabrik“ das Gebäck in den Kübel mit der braunen, süßen Masse. Wir schreiben das Jahr 1872 und es ist das erste Mal in der Keksgeschichte, dass selbiger mit dem köstlichen Kakaogemisch überzogen wird. Mandeln, Nüsse, Marzipan und andere Leckereien folgen, und Lambertz avanciert zum königlichen Hoflieferanten. Doch genug der Histörchen. Widmen wir uns der Gegenwart und dem Mann, der 2002 zum „Entrepreneur des Jahres“ gewählt wurde und sich damit als einziger Deutscher Finalist für den internationalen Wettbewerb qualifiziert hatte. Dass die Wahl zum „World Entrepreneur of the Year“ ausgerechnet auf seinen 53. Geburtstag fiel, mag Zufall sein. Dass er den begehrten Preis am 7. Juni 2003 denn doch nicht mit nach Hause nehmen durfte, ist Schicksal. Ein Inder siegt. Doch Bühlbecker, ganz Sportsmann, kommentiert das Ganze mit einem Lächeln: „Ich bin nicht traurig, dass ich nicht gewonnen habe.“ Man glaubt ihm. Denn Bühlbecker kommt bescheiden rüber. Trotz all seiner Erfolge und dem, was er aus dem Unternehmen gemacht hat.

Gerettet hat er es. 26 Jahre jung und eigentlich im Begriff Diplomat zu werden. Der kinderlose Onkel holt ihn ins Unternehmen, weil er kurz davor steht, den ganzen Laden zu verkaufen. Zu sehr hatte man sich auf das Saisongeschäft konzentriert, doch Weihnachten ist nicht alle Tage und mit Printen alleine lässt sich keine goldene Nase verdienen. Der frisch promovierte Betriebswirtschaftler steigt ein. An seinem ersten Arbeitstag setzt er zum allerersten Mal einen Fuß in das Unternehmen, das von nun an unter seiner Führung weiter bestehen soll. Schnell ist er sich bewusst, was für eine Verantwortung von nun an auf seinen Schultern lastet. „Das war die Herausforderung meines Lebens.“ Als Assistent der Geschäftsleitung fängt er an, nach einem halben Jahr überträgt ihm seine Mutter ihre Anteile. Und Bühlbecker geht Klinken putzen. Packt die Printen ein und fährt zu den namhaften Handelsketten und Supermärkten. Umfragen vor Ort ergeben, dass Umdenken angesagt ist oder, wie Herr Doktor es gerne formuliert: „Alles muss sich ändern, damit es bleiben kann, wie es ist.“ Zu exklusiv, zu einseitig, zu altbacken – so das Image des Aachener Klassikers Mitte der 70er Jahre. Also, raus aus der Ecke, rein in die Märkte. Unter diesem Motto verjüngt der ehrgeizige Unternehmersneffe das Corporate Design, macht die Packungen handelsgerecht und erweitert das Sortiment.

Bei nur 16 Millionen DM Gesamtumsatz investiert Bühlbecker 1978 sechs Millionen in eine Anlage, die kleine süße Würfel produziert. „Eine wichtige strategische Entscheidung.“ Der Dominostein wird zum Meilenstein in einer Erfolgsserie, die seit gut einem Vierteljahrhundert andauert. Ob Kleinkuchen oder Spitzkuchen, Glücksschweine oder Schweinsohren, Herzen, Sterne, Waffeln, Brezeln. Mittlerweile gibt es wohl kaum noch etwas, was Spaß macht und dick macht, das nicht in den heißen Öfen des Herrn Dr. Bühlbecker zusammengebrodelt wird. 640 Millionen Steine werden jährlich unters Volk geworfen. Dominosteine versteht sich. Doch damit nicht genug.
Mehr als 58 Prozent seines Gesamtumsatzes macht der Oecher Printenkönig  mittlerweile mit seinem Ganzjahresgebäck und ist damit neben Bahlsen deutscher  Marktführer. Gesamt-umsatz heute: ca. 401 Millionen Euro. Hermann Bühlbecker ist ein Einzelkämpfer. Nach der Devise „Große Apparate stehen dem Erfolg im Wege“, trifft er wichtige Entscheidungen am liebsten alleine oder im Dialog mit seinen drei Geschäftsführern. Und er trifft sie schnell – aus dem Bauch raus sozusagen. Obwohl ein großer

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe  06/07/2004