Kulmbacher Gruppe: Starker Regionalist wächst gegen den Branchentrend

Bierabsatz über zwei Millionen Hektoliter

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2003 / Deutliche Ertragsverbesserung

von Timur Dosdogru

Die Kulmbacher Gruppe im Geschäftsjahr 2003 kann trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage und der Einführung des Einwegpfandes Absatzzuwächse im Bier- und AfG-Bereich verzeichnen. Der Jahresüberschuss habe sich deutlich verbessert, heißt es, Dividenden- und Bonusausschüttung (0,31 Euro und 0,08 Euro pro Stückaktie) wurden angekündigt. Der Gesamtabsatz der Gruppe ist um 13 Prozent auf 3,4 Millionen Hektoliter gestiegen und damit hat der Gesamtbierabsatz erstmals die Zwei-Millionen-Hektoliter-Grenze überschritten (plus 8,2 Prozent).

Auch die alkoholfreien Getränke haben mit einer Steigerung von 21 Prozent zur überdurchschnittlichen Gesamtabsatzentwicklung beigetragen, bedingt auch durch den heißen Sommer im vergangenen Jahr. Der Konzernumsatz stieg um 10,6 Prozent auf 215 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr mit 194 Millionen Euro. Der Gesamtbierabsatz belief sich auf exakt 2,133 Millionen Hektoliter (Vorjahr: 1,939). Der Rück-gang im Einwegbereich konnte laut Unternehmen mit den neuen Bier-Mehrweg-Sechserpacks erfolgreich kompensiert werden. Der Fassbierabsatz blieb mit 20 Prozent vom Gesamtabsatz auf Vorjahresniveau.
Die Regionalmarkenstrategie der Gruppe hat sich zudem als erfolgreich erwiesen, in den Kernabsatzgebieten Nordbayern, Sachsen und Thüringen konnte die Gruppe ihre Marktposition weiter ausbauen. So ist die Pilsmarke Kulmbacher weiter Marktführer in Nordbayern, die aber unter den starken Einbrüchen im Einwegbereich Federn lassen musste. Bei EKU kam es zu einer Stabilisierung nach der Neupositionierung, die Biermischgetränke der Marke erzielten laut Unternehmen „beachtliche Zuwächse“, wobei aber auch hier das rückläufige Einweggeschäft nicht vollständig ausgeglichen worden sei. In Deutschland sei die Spezialitätenmarke Mönchshof im Bügelflaschensegment auf Rang Zwei positioniert und in Bayern unangefochtener Marktführer, heißt es.

Vom positiven Weißbiertrend konnte die Marke Kapuziner profitieren, die zu den drei größten Weißbiermarken Nordbayerns gehört. Deutlich ausgebaut werden konnte auch die Marke Sternquell in ihrem Kernmarkt Westsachsen, der zwangspfandbedingte Mehrwegtrend hat hingegen der Marke Braustolz gut getan, die ihren Absatz gegenüber dem Vorjahr steigern und die regionale Marktführerschaft für den Großraum Chemnitz sichern konnte.

Die im Oktober 2003 nach Insolvenz übernommene Privatbrauerei Scherdel, Hof, wird weiterhin als eigenständige Brauerei geführt und von der Kulmbacher Gruppe als „Schnittstelle“ zwischen dem Vertriebsgebiet zwischen Franken, Sachsen und der Oberpfalz angesehen. Die Marke Scherdel hat vor allem für die Gastronomie in Nordostoberfranken große Bedeutung. Dank heißem Sommer und der frühzeitigen Investition in PET-Einweg konnte die Kulmbacher Gruppe ihr AfG-Geschäft zweistellig ausbauen. Entsprechend erzielte die sächsische Marke Bad Brambacher hohe Zuwächse und neue Marktanteile in Nordbayern.

Zum konsolidierten Gesamtum-satz von 215 Millionen Euro hätten alle Unternehmen der Gruppe beigetragen, heißt es, die Ertragslage sei aber durch die Risikovorsorge für Darlehensausreichungen in der Gastronomie weiter belastet worden. Der Cash-Flow der AG hingegen habe sich mit 17,5 gegenüber 13,9 Millionen Euro im Vorjahr verbessert, im Konzern wuchs er von 27,2 auf 33,3 Millionen Euro.

Der Konzernjahresüberschuss der Gruppe konnte von 3,5 auf 5,5 Millionen Euro gesteigert werden, wie auch die Kulmbacher Brauerei AG ihr Ergebnis von 2,5 auf 4,6 Millionen Euro verbessern konnte. Das Eigenkapital der Gruppe stieg um 4,4 auf 40 Millionen Euro, die Kulmbacher Brauerei AG steigerte es um 3,5 auf 46,9 Millionen Euro, was eine Eigenkapitalquote von 40 Prozent des Gesamtkapitals bedeutet. Die Bank- und Wechselverbindlichkeiten sanken von 53 auf 51,2 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt investierte die Gruppe in 2003 rund 33,1 Millionen Euro. Auch in diesem Jahr rechnet das Unternehmen mit einem positiven Ergebnis, welches die Dividendenpolitik stützt.

„Wir setzen auf die Kraft regionaler Marken“

Interview mit Markus Stodden, Vorstand Marketing und Vertrieb (Kulmbacher Brauerei AG), über das Erfolgsgeheimnis der Kulmbacher Gruppe.
Der Erfolg der Kulmbacher Gruppe ist verbunden mit Schlagworten wie Kernmarkt- beziehungsweise Regionalmarkenstrategie. Was versteht die Kulmbacher Gruppe darunter?
In dieser unübersichtlichen Zeit sehnen sich die Menschen nach Geborgenheit und Halt. Diese finden sie am ehesten in ihrer vertrauten Umgebung. Hier setzt die Strategie unseres Hauses an. Als traditionell regional orientierte Brauerei bekennt sich die Kulmbacher Gruppe zur Kraft starker regionaler Bier- und Getränkemarken. Damit meinen wir authentische Marken, die historisch gewachsen sind und mit der sich die Menschen identifizieren können.
Alle Marken der Kulmbacher Gruppe umfassen ein individuelles Sortiment regionaler Bierspezialitäten, die nach eigenen Rezepturen eingebraut werden. Damit werden wir dem Anspruch „Bier braucht Heimat“ gerecht. Gleichwohl haben wir die gesamten Entwicklungen im Biermarkt fest im Blick und besetzen hier erfolgreich Nischen. Ein Beispiel ist unsere Bügelverschlussmarke Mönchshof, die national zur Nummer zwei in diesem Segment aufgestiegen ist.
Welches Profil haben die Biermarken der Kulmbacher Gruppe und wie haben sich die einzelnen Marken entwickelt?
Mit unserer erfolgreichen Regionalmarkenstrategie konnte die Marktposition der Kulmbacher Gruppe im Kernabsatzgebiet erneut ausgebaut werden. Kulmbacher konnte als überregionale Premium-Pilsmarke ihre Spitzenposition auf dem Biermarkt in Nordbayern halten. EKU wurde unter dem Slogan „EKU – Unser Bier“ als klassisches, bodenständiges Bier neu positioniert. Im Bereich Biermischgetränke erzielte EKU beachtliche Zuwächse.
Wie schon erwähnt, hat sich die Spezialitätenmarke Mönchshof prächtig entwickelt. Sie nimmt in Deutschland mittlerweile Platz zwei im Bügelflaschensegment ein und ist in Bayern unangefochtener Marktführer. Kapuziner profitierte vom positiven Weißbiertrend und baute seine Position unter den drei führenden Weißbiermarken Nordbayerns aus. Sternquell hat sich als authentische Ostmarke fest

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe  06/07/2004