ONe will auch Flüüügel.

Vorwurf: Unlauterer Wettbewerb

von Monika Busch und Timur Dosdogru

Seit vier Jahren versucht der Getränkehersteller ONe aus Salzburg seine Marke ONe Functional Drink in der heimischen Gastronomie zu platzieren – bisher ohne nennenswerten Erfolg. Dabei ist der vom Schweizer Unternehmen Veuve Clicquot mitentwickelte Drink bereits in exklusiven Prominentenclubs von Monaco bis Moskau und von Frankreich bis Ägypten zuhause, wie auch in deutschen Szeneclubs. Dass es in Österreich bisher nicht geklappt hat, liegt aus Sicht der Salzburger am übermächtigen Mitbewerber und milliardenschweren Weltmarktführer Red Bull.

Mit „Knebelverträgen“, so der Vorwurf, halte Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz aus Fuschl am See andere Mitbewerber aus der heimischen Gastronomie heraus. Dies will man sich im Hause ONe nun nicht länger gefallen lassen. Harmlos ausgedrückt, würden die vertraglich festgelegten Marketingmaßnahmen und Werbekostenzuschüsse als „Bitte um Branchen-Exklusivität“ bezeichnet. Für andere Wettbewerber wie für ONe bedeute dies aber eine Verdrängung vom Markt und eine Wettbewerbsverzerrung, die man so nicht mehr widerspruchslos hinnehmen wolle, heißt es. „Wir haben in jeder Stadt Probleme mit Red Bull“, zeigt sich ONe-Geschäftsführer Dr. Karl Lichtenegger verärgert. Dies sei „lächerlich, ein Blödsinn von A bis Z“, zitierte das Nachrichtenmagazin Format Red-Bull-Chef Mateschitz, „es gibt keine Knebelungsverträge.“

Dies scheint aber so auch nicht ganz zu stimmen. Tatsache ist, dass ONe in den letzten Wochen und Monaten genau solche Verträge der Presse präsentierte, mit denen das Unternehmen zu belegen versucht, dass dies kein „lokales Problem“ der österreichischen Getränkehersteller sei. Dies sei durch verschiedene Beispiele bewiesen, untern anderem bei den beiden bekannten Münchner Szenelokalen P1 und Reitschule.  So geht aus den vorliegenden Unterlagen hervor, dass der ausschließliche Ausschank von Red Bull und den ebenfalls zu Red Bull gehörenden Marken Carpe Diem und Kombucha mit einem Obolus von 25.000 Euro belohnt wird. Im Falle des P1 gibt es dann eine Laufzeit von fünf Jahren und pro Jahr noch einmal 10.000 Euro aus der Red-Bull-Kasse.

Dies findet sich in einem offiziellen Angebot der Henkell & Söhnlein Sektkellereien KG, Wiesbaden, vom Februar 2002, die seinerzeit noch die Vertriebsrechte für Red Bull in Deutschland innehatte. Im Fall des Lokals Reitschule wurden Klagen laut, dass so genannte „Red-Bull-Detektive“ bei ihrer Jagd auf Mitbewerber bis zu 100.000 Euro Vertragsstrafe wegen angeblicher Verstöße einklagen wollten. Tatsächlich findet sich ein solcher Passus in einem anderen vorliegenden Vertragsmuster, ebenso wie der Vertragsbestandteil, dass die Beteiligten über all diese Vereinbarungen zu Stillschweigen verpflichtet sind – ausdrücklich auch ihren eigenen Angestellten gegenüber. Zudem verpflichtet sich der Vertragspartner, neben Red Bull keine anderen Getränke auszuschenken, die mit der Marke in Konkurrenz stehen, vor allem solche, die Koffein, Taurin oder Guarana enthalten.

Um das ganze perfekt zu machen, gilt dieser Exklusivausschank dann auch für Lokale, die der Vertragspartner in dieser Zeit neu übernimmt oder eröffnet und Rechtsnachfolgen – selbstredend unkündbar für die Vertragsmindestlaufzeit von fünf Jahren. Fairerweise muss festgehalten werden, dass die vorgelegten Verträge und Angebote schon älteren Datums sind und keine Gültigkeit mehr haben, wie auch Red-Bull-Deutschland-Geschäftsführer Dr. Manfred Hückel ausdrücklich betont. Was aber auch nicht heißt, dass es solche Verträge nie gegeben haben kann. Schließlich wird in der Branche dem Red-Bull-Erfinder Mateschitz einiges zugetraut.

Bei all dem Hickhack steht für ONe-Chef Lichtenegger auch völlig außer Frage, dass es sich bei ONe nicht um einen Energydrink handelt, sondern im Segment der funktionalen Erfrischungsgetränke positioniert sei, sogar Vitamine enthalte und damit nicht unter den Red-Bull-Konkurrenzausschluss falle, der ja zudem in dieser Form sittenwidrig sei – was man erwartungsgemäß im Hause Red Bull ganz anders sieht. Die süffisante Antwort der Red-Bull-Juristen; Es sei völlig egal, ob ONe denn nun ein Energydrink sei oder nicht, entscheidend seien lediglich Zusammensetzung und Zweckbestimmung des Getränks. Ein vorgeworfener sittenwidriger Behinderungswettbewerb liege nicht vor, anscheinend habe die Gastronomie es schlicht und einfach nicht als interessant erachtet, ein weiteres vitaminangereichertes, kohlensäure- und koffeeinhaltiges Getränk in ihr Sortiment aufzunehmen, was die unterbliebene Listung erkläre. Nun ja.

Nach vier Jahren mit Gesprächs- und Einigungsangeboten hatte Lichtenegger nun die Nase voll, er zog vor das Bezirksgericht Salzburg und zog außerdem in Erwägung, den Europäischen Gerichtshof mit dieser Frage zu beschäftigen. Ein am 26. August anberaumter Termin platzte, die Parteien kamen noch einmal ins Gespräch, beharrten aber im Wesentlichen auf ihren Standpunkten. Jetzt wollen beide noch einmal bei sich selbst prüfen, ob es möglicherweise doch „Irrtümer“ gegeben habe, um sich dann noch einmal zusammenzusetzen.