Premiere: 1. World Wine & Spirits Plenum – Volltreffer Wein

von Monika Busch

Gut Knut!.. war das Resümee des 1. World Wine & Spirits Plenum am
Vortag der ProWein in Düsseldorf. Hochkarätig besetzt und besucht,
drehte sich am 28. Februar im Steigenberger Parkhotel in Düsseldorf
alles um das Thema „Starke Marken und ihre Herausforderungen –
Strukturwandel in eine gemeinsame Zukunft“. Initiator Rüdiger Ruoss
(„Knut“) scheint mit der Idee und Zielsetzung dieses eintägigen Praxis-
seminares einen „missing link“ gefunden zu haben.

Die Premiere war mit rund 270 Teilnehmern (50 Prozent Handel
national und international) aus 17 Ländern restlos ausgebucht.

Mit der ProWein ist es Deutschland gelungen, eine hochkarätige,
internationale Messe zu platzieren. Zudem ist der deutsche Weinmarkt
Weinimportland Nummer Eins. Der Pro-Kopf-Verbrauch hier zu
Lande steigt kontinuierlich, aktuell liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von
Wein/Sekt bei 24,3 Liter. Daher war die große Resonanz des ein-
tägigen Praxisseminar nicht verwunderlich. 21 Referenten und
Moderatoren aus sieben Ländern lieferten Informationen und Anre-
gungen für eine erfolgreiche, gemeinsame Zusammenarbeit. „Vor dem
Hintergrund der zunehmenden Globalisierung sowie der Konzentration
auf Anbieter- und Abnehmerseite kommt auf den Wein- und
Spirituosenhandel ein Strukturwandel zu. Umso wichtiger ist es für
die einzelnen Unternehmen, frühzeitig zu erkennen, wohin die Entwick-
lung geht, Überlebensstrategien zu konzipieren, sinnvolle Synergien zu
nutzen und die Weichen in die richtige Richtung zu stellen“, kom-
mentierte Initiator Ruoss. „Der Weinmarkt 2010 – Zukunft aktiv
gestalten“ – hierüber referierten Arend Heijbroek von der Rabobank
International und Wilhelm Lerne von Arthur D. Little. Erkenntnisse
zum Thema „Wein als Marke“ lieferten Bernd M. Michael (Grey
Deutschland) und Hew Dalrymphe (Waverley Vintners LTD.
Scotland). Dass Erfolg nicht immer eine Frage der schlichten Größe
ist, sondern eine Kombination von Führungs- und Produktqualität,
erläuterten und diskutierten der australische Consultant David Combe,
John D. Philipps (Behringer Blass Wine Estates), Dr. Jan Berentzen
(Berentzen-Gruppe) und Lynne Sheriff, Consultant aus Großbritannien.

Sehr spannend war das Thema „Einkaufsverhandlungen mit dem Lebensmittelhandel“. Hier verrieten Russell Burgess (Thresher Group) und Allan Chessman (Sainsbury) mit einem Blick hinter die Kulissen, wie Wein- und Spirituoseneinkäufer in Großbritannien arbeiten. Marian Kopp, Racke International, nahm zudem die Einkaufsmechanismen in Großbritannien, Frankreich und Deutschland unter die Lupe, mit dem Resümee, dass Wein „kein Gott in Frankreich“ ist.

Abschließendes Highlight bildete der Vortrag „Welche Megatrends haben wesentlichen Einfluss auf den künftigen Weinkonsum?“ des Zukunftsforschers Matthias Horx. Geballte Informationen spiegelten sich in dieser Premiere wider. Die Teilnehmer waren wissbegierig, in den Pausen wurde eifrig diskutiert. Ein immer wieder aufkommender Diskussionspunkt: „Wein und Discount.“ Der verstärkte Weinkauf im Discount lässt die Durchschnittspreise sinken. Bei den Discountern konnte Aldi mit 23,3 Prozent seine Vormachtstellung ausbauen. Der Anteil der Discounter am Weinmarkt nähert sich mittlerweile mit 45,2 Prozent der 50-Prozent-Marke. Bernd Michael warnte davor, den Discount zu unterschätzen. Denn Discount sei oftmals mit Marke gleichzusetzen und verwies auf die Beispiele Ikea oder Aldi. Und hier liege die Stärke im limitierten Angebot, der Verbraucher werde im klassischen Handel oftmals von der Vielfalt der angebotenen Weine erschlagen und bezeichnete es als „Verzweiflung vor dem Weinregal“. Rund 35.000 Weinartikel hat Nielsen in Deutschland über Scanner erfasst. Wer kennt sich da noch aus? Daher, so Michael, vermittelten Discounter neben dem limitierten Angebot mit einheitlichen Läden sowie Preissicherheit, dem Konsumenten Heimatgefühl und Sicherheit.

Unter dem Aspekt, dass eine Kaufentscheidung vor dem Regal in
etwa drei bis vier Minuten falle, böten Discounter ein stressfreien
Einkauf und eine klare Orientierung. Zur Verdeutlichung zitierte
Michael die Musikerin Nina Hagen: „Es ist alles so schön bunt hier,
ich kann mich garnicht entscheiden.” Nach dem Motto „Weniger ist
mehr“ verschaffe ein limitiertes Angebot den mit Angeboten über-
fluteten Verbraucher Orientierung und Sicherheit. Zudem gebe es
in Deutschland mit 17 Prozent Anteil zu wenig Markenweine, die
eben für Rendite sprächen. Hier sieht Michael größte Chancen für
Marken, um Orientierung zu schaffen.

Nachahmenswert für Michael sind die Aktivitäten der englischen Kette Sainsbury’s. Mit verbrauchergerechten Informationssystemen und Wegweisern an den Weinregalen, einer Konzentration auf die Top Ten und einer verständlichen Produktsortierung wächst das englische Handelshaus drei Mal schneller im Segment Wein als der Markt. Durch die Konzentration auf Marken werden Margen von sechs bis acht Prozent erzielt. Ein Traum für den deutschen Markt, wo laut Michael lediglich 0,3 Prozent erzielt werden. Die derzeit kursierende „Geiz ist geil“-Mentalität in Deutschland stellt nach Auffassung des Food-Analysten Arend Heijbroek ein großes Hindernis für die Etablierung von Markenwein hier zu Lande dar. Denn nach seinen Erfahrungen, rentiere es sich nur einen Markenwein aufzubauen, wenn ein Endverbraucherpreis von mindestens drei Euro erzielt werden könne. Jedoch würden in Deutschland die Discounter bis 2010 die Hälfte der Vertriebsschienen vereinnahmen.

Ein Potpourri aus Sicht des Zukunftforschers mit Tatsachen des Weinmarktes und dessen Trendentwicklungen standen im Fokus von Matthias Horx. Sein Vortrag begann mit: „Die Weinbranche hat ein größeres Problem. Es geht ihr richtig gut!“ Im Gegensatz zu Autohändlern oder Apothekern, die vor lauter Freude an Innovationen, diese vermeiden würden. Wein liege absolut im Trend mit gutem Rückenwind, der Markt werde sich in den nächsten 15 Jahren in Europa an Wertschöpfung verdoppeln. Laut Horx befindet sich unsere Gesellschaft („zumindest auf unserem Planeten“) in einem Zivilisationswandel mit einem Übergang in die Wissensgesellschaft. Dieses sei ein beunruhigender und verunsichernder Prozess, der politisch häufig zu Panikreaktionen führe, zugleich aber ein wichtiger Fakt für die Entwicklung des Weinmarktes sei. Wein sei in der absoluten Hochphase der agraischen Gesellschaft entstanden und stark an diese gebunden. Dies gelte ebenso für das Produkt Bier, welches aber zur Massenware geworden sei. Aktuell finde eine mittlere Veränderung statt, nur allein mit Technik sei kaum mehr eine Produktivitätssteigerung zu erreichen. Beispielsweise erreiche man heute mit einer Erweiterung des Computers keine Steigerung der Produktivität mehr, im Gegenteil, noch größere Computer führten zum so genannten Toll Collect-Effekt.

„Ökonomische Systeme ändern sich alle fünf bis sechs Jahre und werden faul, einschließlich der Menschen. Bezeichnet wird dies mit Bereinigungskrisen“, denn so Horx, „es braucht Krisen um die nächste Stufe zu erreichen. Dass nennt man dann Rezession.“ Nachahmenswert sind für den Zukunftsforscher die Finnen. Finnland hatte drei Jahre hinter einander sechs Prozent Negativwachstum, dann haben die Finnen