79. Internorga punktet

Hohe Qualität an Fachbesuchern bestätigt Messeengagement

von Monika Busch

Diesjährig wurde die Internorga mit der ersten neuen Halle eingeweiht und präsentierte sich mit einer Ausstellungsfläche von nunmehr rund 74.000 qm.  Die Messeerweiterung durch die neue Halle 14 mit knapp 10.000 Quadratmetern und einer Höhe von zwanzig Metern sorgte für Messepremieren (Metro Group-Cash&Carry-Sparte) und für größere Standpräsenz bei „Nahrungsmittel und Getränken“. Wermutstropfen für die Aussteller in Halle 14: eisige Kälte am Eröffnungsmorgen, provisorische Toilettenanlagen und viele Behinderungen während des Standaufbaus.

Positive Signale waren deutlich spürbar. Lobend äußerten sich Aussteller über einen deutlichen Anstieg der Qualität der Fachbesucher einhergehend mit einer verstärkten Ordertätigkeit. Gezählt wurden rund 105.000 Fachbesucher aus dem In- und Ausland, wobei der Anteil aus der oberen Entscheidungsebene laut einer Befragung der Messe Hamburg sich um 13 Prozentpunkte auf 58 Prozent erhöhte. Fazit: 91 Prozent der Aussteller bezeichneten die Internorga als wichtigste Fachmesse für den Außer-Haus-Markt. Spürbar war durchweg eine positive Stimmung im Gegensatz  zu den vergangenen Jahren.

Mit der Resonanz in der neuen Halle 14 zeigten sich trotz der noch abzustellenden „Wermutstropfen“ die Getränkeaussteller zufrieden. Udo Franke von der Deutschen Carlsberg-Holsten-Gruppe: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf dieser Internorga. In der neuen Halle 14 konnten wir uns deutlich besser präsentieren. Wir hatten große Resonanz und qualitativ sehr gute Fachbesucher.“ Auch der Bitburger Holding kam die neue Halle aufgrund eines erheblichen Flächenmehrbedarfs sehr entgegen. Die Brauereien Radeberger, Veltins und Warsteiner profitierten in Halle 12 durch mehr Standfläche und zeigten sich mit einem Standrelaunch. Mildere Biere und Biermischgetränke standen bei vielen Brauereien neben neuen Gebindevarianten im Fokus. Diese Entwicklung erinnert an die einstige Neueinführung von mehr oder weniger unkonventionellen Biermischgetränken.

Nach der sehr erfolgreichen Einführung von Beck`s Gold, folgten Krombacher Extra Mild, die Flensburger Brauerei feierte ihre „Gold“-Einführung mit einer Party am Samstagabend in Hamburg, Kulmbacher präsentierte ebenfalls Gold und Feinmild, die „ritterliche Antwort“ der Deutschen Carlsberg-Holsten-Gruppe heißt Knight und Bitburger präsentierte Bitburger Sun. Das Thema Wellness und Gesundheit stand im Fokus der alkoholfreien Getränke.

„Toys for the Boys“

Im Vorfeld der diesjährigen Internorga präsentierte Interbrew Deutschland mit PerfectDraft ein Kompakt-Zapfsystem für die eigenen vier Wände. Entwickelt wurde diese Innovation vom Mutterkonzern InBev und  Philips. Laut Andreas Hilger, Geschäftsführer Marketing Interbrew Deutschland, soll PerfectDraft in Belgien und Frankreich so erfolgreich gewesen sein, das kurzfristig die Werbung aufgrund von Lieferschwierigkeiten eingestellt werden musste. Was im Segment der Kaffeemaschinen bestens funktioniert, soll nun auf den Biermarkt abstrahlen. Philips gelang mit der Einführung der Kaffeemaschine Senseo ein absoluter Treffer, mit Kaffepads die nur in dieses Gerät passen. Mitbewerber ziehen nach.

Das Design von PerfectDraft ist edel, erinnert an eine stylistische Kaffeemaschine, die Technik ausgefeilt. Mit 200 Euro hat der Kaufpreis durchaus ein hohes Niveau. Durch das patentierte System bleibt bis zu 28 Tagen nach Anstich der Inhalt zapffrisch und behält die Qualität. Ein integriertes Display liefert die erforderlichen Informationen wie beispielsweise Temperatur und Füllstand. Befüllt wird die Zapfanlage mit speziell entwickelten und patentierten Sechs-Liter-Mehrweg-Fässern aus Aluminium, zunächst mit dem Marken Beck`s Pils, Beck`s Gold und Diebels. Durch die Zusammenarbeit mit einem der größten Elektrokonzerne der Welt ist das neue Zapfsystem ab Herbst 2005 im Elektrofachhandel erhältlich.

Die Mehrwegfässer werden über LEH und GAM zwischen 12 und 15 Euro vertrieben. Die Resonanz auf der Internorga zu der gemeinsamen Entwicklung war unterschiedlich. Die Bandbreite erstreckte sich  von „Total super“ bis „zu keine Chance“. Neu im Portfolio der Bremer und auf der Internorga vorgestellt ist der Biermix Beck`s Green Lemon. Ab Mai 2005 ist der Zuwachs mit 2,5 Prozent Volumen Alkohol in Handel und Gastronomie in einer UV-geschützten 0,33 Liter-Weißglasflasche als Sixpack sowie im individuell gekennzeichneten 24er Kasten erhältlich.

Bitburger feilt an Markenarchitektur

Eine neue Markenstrategie stellte die Bitburger Brauerei ebenfalls am Messe-Vorabend in der Lounge des Hamburger Side-Hotels vor.

Erstmals in der Firmengeschichte wird ein zweiter Markenbereich eingeführt und eine Doppelstrategie gefahren. Mit „Bitburger“ und „Bit“ gibt es nun zwei Dachmarken in der Markenarchitektur.  Bitburger Pils, Alkoholfrei und Light werden unter der Dachmarke „Bitburger“ geführt. Unter „Bit“ sollen künftig Produkte die für einen „unkonventionellen Bierkonsum“ stehen, geführt werden. Peter Rikowski, Geschäftsführung Marketing und Vertrieb bezeichnet die neue Strategie als „Geburtsstunde einer neuen Marke im Biermarkt“ und präsentierte die erste Innovation unter dem Markendach Bit – Bitburger Sun.

Eine Trennung der beiden Dachmarken wird auch optisch deutlich. Bit Sun mit einem reduzierten Bitterstoffanteil zeigt sowohl beim Kasten als auch bei der Ausstattung deutliche Unterschiede. „Wir haben es hier mit einem Konsumentenkreis zu tun, der nicht zu den typischen Biertrinkern gehört. Es sind Menschen, die das Locker-Leichte, das Unkonventionelle mögen“, betonte Rikowski – im Fokus das Lebensgefühl einer breiten Zielgruppe. Die relativ späte Einführung, begründet Rikowski mit „Abwatschen der Verbraucher“ vor drei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen bereits ein Bitburger Gold im Markttest, welches jedoch nicht auf die gewünschte Resonanz gestoßen ist. Es sei gefloppt, ebenso ein „extra mild“ vor zwei Jahren. Bestätigt fühlen sich die Bitburger durch das Wachstum der „milden Biere”. Laut Nielsen erzielten diese mit 240.896 Hektoliter ein Absatzplus von 103 Prozent (Feb. bis Nov. 2004) gegenüber dem Vorjahresvergleich 2003 mit 118.951 Hektoliter. In Halle 14 präsentierte sich die Holding mit einer erheblich vergrößerten Standfläche erstmals mit allen Biermarken der Gruppe.

Markendifferenzierung durch eigenständigen Messeauftritt

Positive Resonanz konnte auch die Brauerei C.&A. Veltins verbuchen. „Die Internorga ist für uns unverzichtbar. Selbstverständlich geht es dabei vorrangig um den Dialog – mit wachsender Tendenz auch im internationalem Umfeld“, so das Statement von Marketingleiter Herbert Sollich.

Aufgrund der vergrößerten Standfläche, möglich durch die Abwanderung von Bitburger in Halle 14, wurde dem Biermix V+ mit 180 qm ein eigenständiger Messeauftritt spendiert. Die Edelstahl-Glas-Konstruktion in den Markenfarben auf zwei Ebenen zeigte deutlich das eigenständige Profil der Biermixrange. Vorgestellt wurde unter der Stamm-Marke Veltins ein Radler. „Für den erklärenden Pilskenner rangiert die Sorte Radler auf der Wunschliste ganz oben – da wollen wir ein treffsicheres Produkt bereitstellen“, begründete Dr. Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb die Einführung. Zudem gebe das von Veltins losgelöste V+-Markenimage jetzt einen neuen Raum für ein Radler, das direkten Anschluss an die Dachmarke findet und zugleich die Biermix-Kompetenz nachhaltig stärke.

„Wahre“ Filmmomente

Startschuss für eine Benefizaktion zu Gunsten des deutschen Films der Warsteiner Brauerei war die Internorga. Das bundesweite Engagement soll insbesondere die Deutsche Filmakademie unterstützen. Auf die Reise geschickt wird eine lebensgroße Lola-Statue (Lola ist eine Auszeichnung, die den Preisträgern des Deutschen Filmpreises von der Kulturstaatsministerin alljährlich verliehen wird), beispielsweise zu Filmpremieren oder Festivals, zu Hertha BSC und BVB Dortmund. Prominente, insbesondere Filmschaffende, die den deutschen Film unterstützen wollen, unterschreiben auf der Lola. Im Sommer 2006 wird diese Lola zugunsten der Deutschen Filmakademie e.V. versteigert. Zahlreiche Kooperationsvereinbarungen, beispielsweise mit großen Produktionsfirmen wie Constantin Film oder dem Filmpark Babelsberg ergänzen das Filmarrangement. „Wir wollen unter Einsatz modernster Technologien das beste Bier der Welt brauen“, verkündete der Generalbe…

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in unserer Print-Ausgabe  04/2005