Beer-Monopoly

Die Kopie ist häufig schlechter als das Original
Vision und Innovation statt Preisverhau
München: Eine-Milliarde-Hektoliter-Podium

von Monika Busch

Der Biermarkt weltweit erlebt seit einigen Jahren einen Globalisierungsprozess, der sich zunehmend verschärft. Und der deutsche Biermarkt spürt diese „Globalisierung“ mehr als deutlich. Behaupten werden sich neben den Branchenriesen lokale Märkte und kleinere Bauereien mit regionalem Charakter. Verstärkt stehe neben den Biermärkten in China und Russland auch Deutschland im Visier der Braugiganten wie Anheuser-Busch, Carlsberg, Heineken, InBev und SAB/Miller, so die Marktanalysten von Canadean.

Die weltweiten Top 4 (InBev, SAB/Miller/Anheuser Busch, Heineken – Stand 7/05/Messe München) haben sich in den letzten fünf Jahren mit einer rasanten Geschwindigkeit von den restlichen Mitbewerbern deutlich abgesetzt. Kehrseite: Die EU-Kommission hatte bereits mehrfach Kartelle von Brauereien im Visier. Auch Heineken wurde 2004 mit einem Bußgeld in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro belegt, aufgrund eines so genannten „Stillhalteabkommens“ mit Kronenbourg. Inbev S.A. und Grolsch haben ebenfalls mitgeteilt, dass beide Unternehmen im Visier der EU-Kartellbeamten stehen. Ihnen wird eine Abstimmung in den vergangenen Jahren über die Bierpreise vorgeworfen. Im letzten Jahr teilten sich die weltweiten Top Ten fast 60 Prozent des gesamten Weltbiermarktes. Und die weltweite Bierproduktion wächst – 2004 um fünf Prozent auf 1,552 Milliarden Hektoliter. In Europa liegt Deutschland mit Abstand an der Spitze mit einem Volumen von 106.190 Millionen Hektoliter, was etwa einem Fünftel der gesamten europäischen Bierproduktion entspricht.
Laut Plato Logic liegt der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch bei knapp 24 Liter, prognostiziert wird ein Anstieg bis 2015 auf cirka 26,2 Liter. Branchenexperten betonen, dass in den nächsten zehn Jahren der Zuwachs bei den internationalen Playern nicht mehr allein durch Wachstum erzielt wird, sondern in verschiedenen Regionen auf unterschiedlichen Wegen und in differenzierten Segmenten. Ergo, nicht mehr „Wachstum durch Zukauf in allen Märkten“, sondern eine Ausrichtung der Märkte untereinander für mehr Profit. Einig sind sich die meisten Brauer: Bier wird weiterhin in der Welt der Getränke mit der großen Vielfalt an Sorten und Varianten eine bedeutende Rolle spielen. Diese Fakten und vieles mehr wurde von Freitag (9.9.05) bis Sonntag (11.9.05) hochkarätig im Vorfeld der Münchner Weltmesse Drinktec auf dem 4. World Beer & Drinks Forum diskutiert und vorgestellt.
Founder und President Rüdiger Ruoss ist es gelungen, diesjährig mit einem Programm aufzuwarten, welches den Titel „München: Drei Tage Welt-Bier-Metropole“ für sich in Anspruch nehmen kann. Das Motto „Erfolgs-Storys: Visionäre und ihre Visionen“ stieß bei rund 740 hochkarätigen Teilnehmern aus der Getränkebranche auf ein reges Interesse. Gelungen ist es Ruoss in München, mit dem Programmpunkt „World Beer Monopoly“ sieben Führungsverantwortliche der Top-Weltbierproduktion auf ein Podium – mit gebührendem Abstand – in einer Gesprächsrunde zu vereinen. Keinerlei Interesse an der Veranstaltung zeigte die Führungsspitze des derzeitigen deutschen Branchenführers, der doch schließlich, so die eigenen Aussagen, sich als „Hüter der deutschen Bierkultur“ verstanden wissen will. Na ja, die Semperoper scheint zu genügen.
Zurück zu spannenderen Themen. Ein großes Lob an die Organisation, die diese Veranstaltung gestemmt hat. Beeindruckende Vorträge, spannende Botschaften, Workshops und Platz für viele interessante Gespräche und Kontakte wurden mit dem Voting der Teilnehmer mit einer Durchschnittsnote von 1,4 bestätigt. Ein absolutes Highlight war der Vortrag von Dr. Kjell A. Nordström/Stockholm Scholl of Economics/SE. Beeindruckend und mit relevanten Botschaften referierte Nordström zum Thema: „Karaoke-Kapitalismus: Wie man Preiskriege und Hyperwettbewerb überlebt und den Kampf gegen sofortige Imitation gewinnt.“
Ein Auszug seiner Botschaft: „Wer Erfolg haben will, muss sich eine Art Monopol aufbauen. Kunden wollen das Gefühl haben, ein einzigartiges Produkt zu kaufen: ein Original. In der Karaoke-Bar würde deshalb ein Elvis-Imitator immer gegenüber dem echten Star verlieren. Auch im Geschäftsleben gilt: Die Kopie ist fast immer schlechter als das Original. Doch das Karaoke-Prinzip beherrscht momentan in lähmender Weise das Marktgeschehen. Wer aber nur kopiert, hat keine Chance. Innovative Köpfe sind gefragt. Dafür müssen Unternehmer nicht das Rad neu erfinden, sondern vielleicht nur Bekanntes unkonventionell zusammenfügen – ihr Angebot ,fit’ und ,sexy’ machen.“ Nach Beendigung seines Vortrages sah man viele begeisterte Gesichter – die Botschaft kam an.
„Capri-Sonne: Faszination einer Weltmarke“ lautete nicht nur der Vortrag von Dr. Hans-Peter Wild, Chairman & Ceo, Wild Company, sondern er zog die Teilnehmer in seinen Bann. Das Thema „Von Spirituosen zu Wein“ wurde von David Scotland – während der Veranstaltung seit zehn Tagen nicht mehr im Amt als President von Allied Domecq World Wines and PLC Director – und Markus Moller-Racke strategisch exzellent ausgeleuchtet. Der Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner zeigte unter dem Motto „Der Grenzgänger zwischen seinem 6. und 7. Leben“ Visionen für das Management auf. Visionen muss und sollte man haben und diese keinesfalls so beurteilen, wie ein deutscher Ex-Bundeskanzler, der sagte: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen…“ So folgt beispielsweise Benno Emsländer, Inhaber der Brauerei Hofmühl, seinem Ruf als Visionär der Brautechnologie.
Die Brauerei im bayerischen Eichstätt wird die erste solarbetriebene Brauerei der Welt sein. Emsländer ist überzeugt, dass in spätestens zehn Jahren seine Brauerei mit absolut sauberer Energie betrieben wird. Der mittelständische Brauer hatte sich auch als erster weltweit für die ressourcenschonenden Brausysteme Merlin und Pegasus der Krones AG entschieden. Mit großer Spannung wurde die so genannte Elefantenrunde erwartet. Erstmals saßen die internationalen Big-Player August A. Busch IV, President Anheuser-Busch, Nils S. Andersen, President and Ceo Carlsberg, Ahmet Boyacioglu, President und Ceo Efes Beverage Group, Trevor O’Hoy, President & Ceo Foster‘s`s, Jean Fran-çois Boxmeer, Member Executive Board Heineken, John F. Brock, Ceo InBev und Graham Mackay, Group Chief Executive SAB/Miller auf einem Podium – ein gewichtiger Teil der Weltproduktion – Weltbiermonopoly. Moderiert wurde diese Runde von Dieter Ammer, seit Juni 2003 Vorsitzender des Vorstandes der Tchibo Holding AG und Henner Klein, Ceo und Mitglied der weltweiten Geschäftsführung von A.T. Kearney. Einig waren sich die Mitbewerber in punkto Wachstum, Zukäufe, Akquisitionen und Innovationen. Aber hier jeder auf „seine Art“. Die Branche sei nicht besonders innovativ, merkte Heineken-Chef van Boxmeer an. Und berichtete recht stolz über die Einführung der Haus-Zapfanlage „BeerTender“ für die eine Entwick-lungszeit von sechs Jahren benötigt wurde. Und mit Blick auf seinen Mitbewerber John Brock von InBev, bemerkte er: „Wir sind stolz darauf, dass ihr uns nachgemacht habt.“ John Brock konterte gelassen auf die Anspielung: „Mein Freund es ist nicht wichtig der Erste zu sein, sondern der Beste.“ Diesjährig stellte InBev auf der Internorga mit „Perfekt Draft“ die so genannte In-Home-Zapfanlage vor. BeerTender kontra Perfect Draft? Ende September gab Heineken be…

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe  11/12/2005