Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Die gute & schlechte Nachricht: Die Maut funktioniert!

Dabei ist sie nichts anderes als die Hundesteuer

Irgendwie spricht Frauchen manchmal in Rätseln. Das soll ein wohlmeinendes Hundegemüt mal verstehen, als Sie eine gute und eine schlechte Nachricht ankündigt. „Die gute: Die Maut funktioniert. Die schlechte: Die Maut funktioniert.“ Diese zutiefst widersprüchlichen Worte haben die Hirnwindungen zwischen meinen Ohren ganz schön in Bewegung gebracht. Aber zur meiner Ehrenrettung sei schnell angefügt:  Nur ein schlauer Hund ist ein guter Hund. Er schnüffelt so lange, bis die Ursache oder noch besser der Übeltäter gefunden und angebellt ist!

Was ist gemeint? Eigentlich haben alle unisono auf unseren Bundesverkehrsminister Stolpe geschimpft, weil es ihm trotz vieler Warnungen im ersten Anlauf kräftig misslang, das Toll-Collect-Projekt zum Erfolg zu führen. Schadenfreude landauf landab. Damals keine Spur von Frohlocken, weil den Autobahnnutzern unangenehme Kosten – zumindest vorübergehend – erspart bleiben sollten. Es mag bei der Hängepartie zwischen defekten und funktionierenden On-Board-Units für den Bundesverkehrsminister ein sprichwörtliches Hundeleben gewesen sein – von allen verbal verprügelt zu werden und vielleicht doch nicht wirklich schuld gewesen zu sein, weil’s vielleicht der politische Vorgänger ausgeheckt haben mag. Gut für den letzteren. Vorbei. Vergessen. Viele Monate und ebenso viele schlechte Nachrichten weiter trumpfte der nicht mit Lob verwöhnte Mann aus dem Schröder-Kabinett zu Jahresbeginn richtig auf. Und tatsächlich: Was niemand mehr für möglich gehalten hatte, funktionierte endlich – die Maut war auf den Weg gebracht.
Für die Getränkeindustrie kommen Mautfolgen erst in diesen Wochen so richtig zum Tragen. Wie nach einem murmelnden Winterschlaf das Frühlingserwachen des Jahres 2005. Allerdings mit einem Wechselbad der Gefühle. Denn Toll-Collect bucht beim Getränkefachgroßhandel seit Jahresbeginn ebenso regelmäßig ab wie bei der produzierenden Industrie. Und die saisonale Spitze steht ja gerade noch bevor. Die Tourenplanung obliegt heute gewissenhaften Ortskundigen, die die Lieferstrecke zu den Gastronomen oder Getränkemärkten perfekt austüfteln, denn jeder Autobahnkilometer zählt – bei Toll-Collect. Dass da lieber Bundesstraßen genutzt werden, versteht sich von selbst. Der Segen liegt bekanntlich im Einkauf und wer verzichtet angesichts des Kostendrucks nicht gern auf den Maut-Dienstleister, der sich auf den Autobahnen zwischen Flensburg und Garmisch bereits zu Lebzeiten hässliche Denkmäler in seltsamer Brückenform setzte. Sei’s drum.

Wer will also die Kosten schlucken, denn so richtig wollte sie bis zum Einschlag in der Buchhaltung eigentlich niemand wahrhaben? Und da sehe ich meine Freunde in der Getränkebranche in der Not der Zeit. Preiserhöhungen bei Herstellern sind derzeit kein Thema, weil die markenlosen Niedrigpreisprodukte einiger Brauereien und Mineralbrunnen den portmonee-sensiblen Verbraucher buchstäblich überrennen. Die Maut der Beschaffungslogistik – konsequent und hundelogisch – lässt sich also nicht weiterreichen. Und der Handel möchte am liebsten im Preisreduzierungswahn auch kein Cent nach oben gehen – der geneigte Verbraucher könnte ja zum nächsten Discounter rennen. Die Misere scheint unauflösbar. Zumindest, bis die Erkenntnis gereift ist, dass egal ob Niedrigpreis oder Premium zu guter Letzt der Verbraucher die Zeche zahlen muss.

Spätestens dann werden alle erkennen, dass diese versteckte Geldquelle des Fiskus’ nichts anderes ist wie die üble Hundesteuer, die Frauchen und Herrchen regelmäßig mit dem Kostenbescheid in den Briefkasten flattert. Da gilt nur das treue Hundemotto: Augen zu und durch.

Bis demnächst

Euer Viktor