„Gütersloher System“ macht leere Wein- und Sektflaschen mehrwegfähig

Neue Sortieranlage erkennt 70 Kriterien / Beachtliches Einsparpotenzial

von Timur Dosdogru

Das Sortieren von leeren Wein- und Sektflaschen in Verbindung mit einem praxistauglichen Mehrwegsystem macht ein Modellprojekt der Fachhochschule Bielefeld und der Gesellschaft für Wein- und Sektflaschenrecycling (WSR), Marienfeld, möglich. Damit können die wegen ihrer verschiedenen Formen und Größen problematischen Flaschen wieder den Kellereien zugeführt werden. Die Umweltentlastung sei beachtlich, so Franz-Peter Heidenreich, Experte bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die 93.000 Euro in das Projekt gesteckt hat.

„Das Recycling einer Flasche kostet etwa eine Kilowattstunde Energie, das Sortieren und Spülen dagegen nur 0,1 Kilowattstunde“, so Heidenreich, der darauf hinweist, dass mit der durch das Gütersloher Modell eingesparten Energie jedes Jahr über 300 Drei-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden könnten. Derzeit würden nur rund 25 Prozent der jährlich in Deutschland rund zwei Milliarden anfallenden leeren Flaschen mehrfach verwendet. Das Problem: Wein und Sekt werden bislang nicht wie Bier und Wasser über einen regionalen Fachgroßhandel vertrieben, der die Logistik des Leergut-Rücktransportes organisiert.
Dies hat dazu geführt, dass es die in anbaufernen Gebieten bis vor 40 Jahren überall verbreitete Mehrwegflasche für Wein und Sekt fast nicht mehr gibt. Die Gütersloher Anlage kann nun Flaschen nach 70 Kriterien sortieren, wobei auch ein großer Teil der internationalen Flaschen wieder verwendet werden kann. Was dann noch übrig bleibt, wie beispielsweise seltene Sonderflaschen, wird dem herkömmlichen Altglasrecycling zugeführt. „Wenn es in mehreren Ballungszentren vergleichbare Sammel- und Sortierzentren für ganze Flaschen gäbe, könnte sich in Deutschland ein leistungsfähiger Sekundärmarkt für Flaschen und andere Glasverpackungen entwickeln“, meint WSR-Geschäftsführer Andreas Uhlen.  Auch der Transport der leeren Flaschen zu Winzern beeinträchtigt nicht die Ökobilanz des Systems, weil nach dem Gütersloher Modell die Sortieranlagen immer in Zentren des Weinverbrauchs liegen.
Die Spediteure können so Wein aus den Weinbauregionen liefern und ohne zeitaufwendige und umweltbelastete Umwege gebrauchte Flaschen auf dem Rückweg mitnehmen. Auch der Mensch wird nach dem Gütersloher Modell entlastet, weil die Flaschen nicht mehr von Hand sortiert werden müssen. Für die Endbewertung, so heißt es, sei der Mensch aber immer noch unverzichtbar.