Trends im Spirituosenmarkt

Die Cocktails werden neu gemischt
Mega-Deal von EU-Kommission genehmigt
– Briten werden französisch

von Monika Busch

Das Segment der Spirituosen zählt nach wie vor zu den umsatzträchtigsten der Branche. Der Absatzanteil beträgt – ohne Bier – rund ein Fünftel am Gesamtmarkt. Wertmäßig  erreichen die Spirituosen bedeutsame 46 Prozent und liegen damit vor der Kategorie Wein, die zwar mengenmäßig dominiert, wertmäßig jedoch mit 34 Prozent deutlich Abstand aufweist. Und im europäischen Vergleich belegt der deutsche Spirituosenmarkt in 2004 mit rund 776 Millionen Flaschen (0,7 Liter) den Spitzenplatz.

Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt mit 5,8 Litern nur leicht unter dem Vorjahresniveau (0,1), sicherlich auch bedingt durch die anhaltenden politischen Diskussionen. Angeführt in 2003/04 wird die Spirituosen-Hitparade im LEH wieder von den Halbbitterlikören mit einem Gesamtanteil von 29,5 Prozent, gefolgt von Korn/klaren Spirituosen mit 22,8 Prozent. Wertmäßig wird die Hitparade angeführt von Wodka, gefolgt von Halbbitterlikören und Ouzo. Das ehemals sehr erfolgreiche Segment der alkoholischen Mischgetränke und Shootingstar ist aufgrund der eingeführten Sondersteuer im August 2004 von 84 Cent pro 0,275 Liter-Flasche fast zusammen gebrochen (-80%). Dieser Fakt steht bei den Spirituosenherstellern hart in der Kritik. Denn, anders als in dem „Gesetz zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vor Gefahren des Alkohol- und Tabakkonsums“ angeführt, komme es wie prognostiziert zu einem nachhaltigen Ausweichen auf die niedriggrädigeren Wein- und Biermischgetränke, die zudem ab 16 Jahren verkauft werden dürfen. Die Marktforscher von AC Nielsen hätten im Zeitraum von August 2004 bis Mai 2005 ein Plus von rund 250 Prozent bei Weinmischgetränken sowie ein Plus von 19 Prozent bei Biermischgetränken ermittelt. So hätte dieses Gesetz zwar zu einer erheblichen Reduzierung des Segmentes der so genannten Alcopops geführt, gleichzeitig aber die vorgebrachten Bedenken hinsichtlich einer Substitution bestätigt. Nach wie vor befürworten die Spirituosenhersteller ein einheitliches Abgabealter von 18 Jahren für alkoholische Getränke, was wiederum die deutsche Brauindustrie und die Weinbranche keinesfalls teilen.
IRI Information Resources GmbH berichtet für die ersten vier Monate 2005 über ein leichtes Absatzplus von einem halben Prozent bei relativ stabilen Preisen (-0,3%) gegenüber dem Vorjahresvergleich. Neben den Biermischgetränken zeigen sich demnach die Spirituosen im bisherigen Jahresverlauf als erfolgreichstes Segment. Als einen wesentlichen Grund für diesen Erfolg haben die Nürnberger Marktforscher das „Engagement des Handels“ ausgemacht. Die relative kühle Witterung in den ersten Monaten diesen Jahres, für den größten Teil der Branche eher nicht positiv, scheint zudem die Spirituosen beflügelt zu haben. Wachstum konnte in nahezu allen wichtigen Vertriebskanälen laut IRI erzielt werden. Angebotsvielfalt sowie Preispositionierung beeinflussen hier besonders die Verbraucher.
In den ersten vier Monaten 2005 verzeichneten die Hochprozenter mengenmäßig ein etwa gleich starkes Wachstum in den mittleren und größeren Verbrauchermärkten sowie bei den Marken- und Harddiscountern. Für das laufende Jahr prognostiziert IRI ein leichtes Wachstum. Die Branche geht von ein bis zwei Prozent aus.
Nicht ohne Einfluss auf dem deutschen Markt wird der Mega-Deal in der Branche – die Übernahme des britischen Spirituosenkonzern Allied Domecq (AD) durch den französischen Mitbewerber Pernod Ricard (PR) mit Partner Fortune Brands – bleiben (dgw 5/05). AD, durch die Übernahme zur weltweiten Nummer Zwei aufgestiegen muss sich aus kartellrechtlichen Gründen von Marken trennen. Damit werde sofort begonnen, bestimmte Geschäftsteile würden an den Konsortialpartner Fortune Brands abgegeben, so die Unternehmensmeldung. An Fortune Brands sollen unter anderem die Marken Kümmerling und Laros (Gin) sowie die Vertriebsstrukturen in Deutschland, Spanien und Großbritannien gehen. Die Whiskey-Marke Bushmills soll an Weltmarktführer Diageo verkauft werden, Interesse an weiteren Übernahmen von AD-Marken wurden vom Weltmarktführer bekundet. Eine Option für das AD-Weingeschäft Montana sei eingeräumt worden. Das amerikanische…

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 10/2005