DEHOGA: Aufwind für die Gastronomie im WM Jahr 2006

16. Forum Systemgastronomie auf der hogatec in Düsseldorf
von Timur Dosdogru, Fotos: dgw

„Die Schafe scheren“, damit konnte sich Ernst Fischer, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA auf dem 16. Forum der Systemgastronomie anlässlich der hogatec 2006 in Düsseldorf noch anfreunden, „aber nicht das Fell abziehen“, fand der Verbandspräsident mahnende Worte an die Bundesregierung, von der er „Vertragstreue“ einforderte.

Ob es nun um eine reduzierte Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe geht oder um das in letzter Zeit wieder viel diskutierte Rauchverbot, „die Jobs machen wir“, stellte Fischer unmissverständlich klar, „wir sind die Dienstleistungsbranche Nr. 1“. Ausdrück-lich begrüßte Fischer „die Ausweitung des Angebotes für Nichtraucher“ in der Gastronomie und wies noch einmal darauf hin, dass der DEHOGA ja selbst eine Liste mit rauchfreien Betrieben in der Bundesrepublik im Internet veröffentlicht habe.
Tatsächlich konnte die Gastronomie in Deutschland in den ersten sieben Monaten 2006 den Wachstumstrend des zweiten Halbjahres 2005 fortsetzen, wo sich bereits eine stabilere Entwicklung angedeutet hatte. Demnach haben die „Verzehrsfälle“ im Berichtszeitraum um 1,7 Prozent auf 2,64 Milliarden zugenommen – das sind täglich in Deutschland rund 200.000 Besuche mehr als im Vorjahr. Die ausländischen Besucher seien damit im WM-Jahr 2006 aufgrund der Untersuchungsmethodik noch gar nicht einmal erfasst, wie Jochen Pinsker, Vice President Foodservice, bei der Vorstellung des Berichts erläuterte. Die Durchschnittsausgaben pro Besuch stiegen ebenfalls um 0,6 Prozent auf 8,03 Euro. „Damit scheint die Geiz-Zeit endlich beendet und der Preis nicht mehr die zentrale Rolle bei der Wahl des Gastronomiebetriebes zu spielen“, so die Schlussfolgerung. Die gestiegene Anzahl an Gästebesuchen führt die Branche auf die gewachsene Käuferreichweite zurück, viele neue Gäste hätten die Leistungen der Gastronomen genutzt, hieß es. Vor allem habe die Erlebnisgastronomie vor und während der Fußballweltmeisterschaft die Menschen in ihre Betriebe gelockt. Dazu habe auch das bessere Konsumklima bei Verbrauchern und potentiellen Gästen beigetragen, heißt es. Die während der WM vorherrschende euphorische Stimmung habe sich positiv auf das Ausgehverhalten der Gäste ausgewirkt und habe somit einen wichtigeren Einfluss als „die harten Fakten“ gezeigt. Vom Marktwachstum hätten alle Marktsegmente in der deutschen Gastronomie profitiert – sowohl Ketten, Quick Service Markt, Full Service Gastronomie, wie auch die Individualgastronomie. Die Systemgastronomie sei damit wieder ein deutlicher Wachstumsmotor gewesen, hieß es.
Dass der Durchschnittsverzehr trotz der im Verhältnis wenig gestiegenen Gästezahl gewachsen sei, sei auch ein Beleg dafür, dass das Geld beim Verbraucher „also endlich wieder etwas lockerer“, sitze. Jetzt gelte es für Betreiber und Zulieferer der Gastronomie die richtigen Entscheidungen zu treffen, „um möglichst viel des Schwungs mit ins Jahresende zu nehmen“: „Denn im Jahr 2007 wartet das Damoklesschwert der Mehrwertsteuer auf uns.“
Um den Elan für die Zukunft noch einmal richtig voranzubringen, war der Ex-Fußballprofi Paul Breitner engagiert worden, der sich in den letzten Jahren auch als Autor und Unternehmer einen Namen gemacht hat. Passend zum WM-Jahr präsentierte Breitner seine Ansichten unter dem Motto: „11 Freunde müsst ihr sein. Was die Wirtschaft vom Fußball lernen kann.” Und das war einiges: Die „Klinsmänner“ hätten einen neuen Stil geprägt, „der auf Sieg ausgerichtet ist“ – weg vom Mittelmaß, auch mit Risiko. Auch er, Breitner, habe die anfangs viel belächelten Trainingsmethoden des Bundestrainers kritisch betrachtet, die sich im Nachhinein aber als ungemein erfolgreich dargestellt hätten.
Keine Leistungs- und Risikobereitschaft mehr – dies sei Deutschland im Jahre 2006: „Wann haben Sie in Deutschland das letzte Mal das Wort von der Leistungsgesellschaft gehört, die wir mal waren? Wir sind ein Volk geworden, das sich von oben bis unten 24 Stunden am Tag verwaltet.“
Aus ehemaligen „Leistungsweltmeistern“ seien „Verwaltungsweltmeister“ geworden, klagte Breitner, dies sehe er sowohl als Sportler wie als Unternehmer. Auch im Fußball gelte allgemein mittlerweile leider: Bloß kein Risiko eingehen. Auch seien echte Stars selten geworden, heutige so genannte „Superstars“ oder „Models“ so zu nennen, sei ein „armseliger Versuch einer Orientierung“. Ein Grundübel – sowohl in der Wirtschaft als auch im Fußball zu beobachten – sei die Einstellung „Der Star ist die Mannschaft“ – „Falsch“, so Breitner, „es muss heißen: Der Star bin ich, ich muss meinen individuellen Weg gehen.“ Dieser falsch verstandene Teamgedanke könne keine Leistungsträger schaffen: „Letztendlich sind wir doch Einzelkämpfer.“
Dieses Zurückstecken sei aber auch allgemein in der (deutschen) Gesellschaft zu beobachten, so der Ex-Fußballer durchaus auch selbstkritisch: „Die heutigen Wohlstandsjünglinge beißen sich nicht mehr so durch, wie wir das gewöhnt waren. Wir sind aber auch selber schuld, wir haben unsere Kinder zu Weicheiern gemacht. Wir nehmen ihnen zu viel ab und verhätscheln sie, wie sollen da noch Siegertypen und Persönlichkeiten entstehen? Alles nur noch Mittelmaß.“
Dass nach wie vor noch Persönlichkeiten und Sieger gefragt seien, habe sich vor allem im deutschen WM-Sommer beim allgemeinen Wir-Gefühl in den Stadien gezeigt, ausgelöst

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 11/12/2006