Destillateur mit Körper und Seele, Herz und Leidenschaft

von Monika Busch

Nasenmensch, Handwerker, Kaufmann und Perfektionist – diese Attribute kann Michael Habbel – ein leidenschaftlicher Destillateur und Brenner aus dem südlichen Ruhrgebiet – für sich in Anspruch nehmen.

In Sprockhövel-Haßlinghausen, wo die Familie Habbel seit Generationen beheimatet ist, wird mit Seele, Herz und Leidenschaft gelebt, gebrannt und destilliert. Sprockhövel liegt am Südrand des Ruhrgebietes im Bergisch-Märkischen Hügelland. Unter der Bezeichnung „Spurkinhuvelo“ wurde Sprockhövel erstmals um das Jahr 1000 urkundlich erwähnt. Abgeleitet wird diese Namensgebung von dem lateinischen Wort „Spurka“ – was mit „Wacholder“ übersetzt wird und dem altdeutschen Wort „huvele“ – Hügel. So könnte „Sprockhövel“ auch „Wacholderhügel“ bedeuten und möglicherweise hat dieser Ort Michael Habbel die Liebe zu „Geistreichem“ in die Wiege gelegt.
In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts erwarb der Großvater von Michael Habbel, in dem heute unter Denkmalschutz stehendem Gebäude, eine Kornbrennerei und Gastwirtschaft mit angeschlossener Landwirtschaft. Genetisch bedingt ist wahrscheinlich auch die Liebe zu Flora und Fauna. Denn Kräuter und Früchte sind als Basis für Destillate und Liqueure für Michael Habbel unverzichtbar. Etwas ruhelos, ist das innovative Kreativbündel ständig mit seiner eigenen Qualitätkontrolle und „neuen“ Produkten beschäftigt, falls nicht gerade „Herr Lehmann” und „Athos” um Aufmerksamkeit buhlen. Denn schließlich bewachen die treuen Vierbeiner 24 Stunden das „Geistvolle” im Hause Habbel.
In der Region angestammt, sieht Habbel weitere Potenziale in einer überregionalen Vermarkung. Sein Argument: „Von den Big Playern gibt es heute kaum noch Innovationen, wie früher beispielsweise ,Persico‘ oder ,Saurer Fritz‘. Der Genießer greift deshalb vermehrt auf kleinere, qualitätsorientierte Hersteller, die  sich eben Innovation leisten, zurück.“ Hart kritisiert er die staatlichen Reglementierungen und bezeichnet diese als Innovations- und Wachstumsbremse. Besonders das Branntweinmonopol. Das Unternehmen Habbel durfte beispielsweise nur 20.000 Liter reinen Alkohol produzieren, ein Mehrbedarf musste hinzugekauft werden. Ein anderes Beispiel: 1983 beantragte Habbel, aus 100 Prozent Malz zu brennen, da es ein Herzenswunsch von ihm war, einen „Malt“ zu brennen. Die Erlaubnis wurde monopolrechtlich verweigert.
Erlaubt ist das Brennen von Malz erst seit drei Jahren, aber für Michael Habbel rechnet sich diese Investition jetzt nicht mehr. Seinen Herzenswunsch hat er erstmal „abgeschrieben“, denn ein guter Malt braucht eine Reifezeit von mindestens zehn  bis zwölf Jahren. Auf zu neuen Taten, sagte er sich, nachdem ihm 1983 der „Malt“ versagt wurde. Habbel  kreierte als einer der ersten Hersteller einen „Spargelgeist“. Das sei kein Produkt gewesen, wo Umsatz hinter gesteckt habe, aber der Absender Habbel habe stark davon profitiert. Eine Absage erteilt Habbel auch einer Volumenreduzierung bestimmter Produkte, um eine Erhöhung der Branntweinsteuer aufzufangen. Für ihn können diese Produkte nur verlieren. Sie brauchen ein bestimmtes Volumen für den Geschmack. Sein Weg war in Zeiten einer Branntweinsteuerhöhung nicht, Volumen zu reduzieren, sondern zu erhöhen – beispielsweise bei seinem Chocolat Cru-Liqueur mit 33 Prozent Volumen. Und auf diesen Liqueur ist Habbel besonders stolz. Die Schokolade – aus Plantagenanbau in Venezuela – hat er höchstpersönlich in Frankreich verkostet und ausgesucht. Die Rezeptur ist überlie…

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 06/07/2006