Die Branche und das Weltmeisterschaftsfieber

80. Internorga:
Aufbruchstimmung,
Investitionsbereitschaft,
erhöhte Ordertätigkeit

von Monika Busch

Berichtet wurde zudem von einer Investitionsbereitschaft wie seit Jahren nicht mehr, einhergehend mit einer erhöhten Ordertätigkeit. „2005 wollten die Unternehmen investieren, in diesem Jahr machen sie es wirklich. Vielen Entscheidern dient die Fußball-Weltmeisterschaft dabei als Auslöser und willkommener Anlass“, lautet nach sechs Messetagen das Fazit von Ralf Hübner, Vorsitzender Internorga Ausstellerbeirat und Geschäftsführer Hobart.
Auch das Ifo-Institut kommt in seiner aktuellen Investitionserhebung zu dem Ergebnis, dass die westdeutsche Ernährungsindustrie in diesem Jahr rund zwei Prozent mehr investieren will, was laut Ifo einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 3.630 Millionen Euro entspricht. Die Getränkebranche ist im WM-Fieber, dieses wurde auf der Hamburger Messe mehr als deutlich. Unzählige Aktionen, Verpack-ungen, Gebinde wollen bei der anstehenden WM punkten. Jedoch ‘Verdammp lang her’ sind die Zeiten, als der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft mehr als feuchtfröhlich in „meiner Kneipe um’s Eck“ mit den Kumpels bei „Bier und Korn“ gefeiert wurde. Heute noch ist bei den Fans der legendäre Reporterjubel „Tor, Tor, Tor“ im Ohr.
Obwohl die Fußball-WM nur ein „temporäres Ereignis“ und es sehr fraglich ist, ob die deutsche Nationalelf auch „Weltmeisterliches“ bietet, setzt die gesamte Branche darauf. Mit attraktiven Angeboten wollen Brauereien und Gastronomen die Fans wieder zu einem „munteren Thekenleben“ locken. Die Gastronomie rückt als Absatzkanal für die Brauereien wieder stärker in den Fokus. So will sich beispielsweise die Holsten-Brauerei AG verstärkt bei Gastronomen engagieren, die bei der Entwicklung ihrer Objekte „innovatives Engagement beweisen“. Mischgetränke stehen auch weiterhin im Fokus der Brauereien. Und hier insbesondere eine „Lemon(itis)“.
Auch für die Fans die lieber „In-House“ die WM erleben wollen, stehen die Zapfhähne bereit. Gesellschaft bekommt Perfect Draft von Inbev und der Beertender von Heineken nun mit dem branchenoffenen System „Zapfprofi“. Die von der Kulmbacher Brauerei mit entwickelte Technologie erfreute sich einer großen Aufmerksamkeit in Hamburg. Im Gegensatz zu den Mitbewerbern können hier alle 5-Liter-Party-Fässer, ohne Lieferengpass, verwandt werden – „ein Ass im Ärmel der Kulmbacher“. Mitbewerber Warsteiner geht den Weg über den klassischen Kühlschrank. In Kooperation mit der Firma Foron ist jetzt eine Kühl-Gefrierkombination mit integrierter Zapfanlage für alle handelsüblichen Warsteiner-5-Liter-Fässer zu haben. Getauft wurde das Gerät auf den Namen „Home Pub“. Mit „Wamos – Warsteiner Marketing Ordering System“ stellte die Warsteiner Gruppe ein neues EDV-gestütztes Planungsinstrument für die Gastronomie vor. Eingeführt werden in den deutschen Vertrieb soll das Marketingtool voraussichtlich im Mai 2006. Die Paderborner Brauerei, seit 1990 zur Warsteiner Gruppe zählend, führt mit Paderborner Malz ihr erstes Erfrischungsgetränk ein. Angesiedelt in der Preiseinstiegssparte neben Paderborner Pilsener, Radler und Cola.
Die von Peter Rikowski, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, angekündigte „Innovationsoffensive“ (dgw 3/06) der Bitburger Getränkegruppe wurde auf der Hamburger Messe demonstriert. Fünf neue Produkte, davon vier Biermischgetränke, wurden vorgestellt. Bit kommt mit Passion und nicht nur aus Wernesgrün kommt jetzt ein Lemon, sondern auch die Duisburger Königs Brauerei hat ihren ersten Biermix mit König-Pilsener Lemon. Vorgestellt wurde in Hamburg zudem ein Bitburger Radler, und die jüngste Innovation „aus dem Herzen der Natur“ ist Licher Weizen Hefe hell.
Vermisst wurde diesjährig an allseits bekannter Stelle die Karlsberg Brauerei. Uli Grundmann, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, peilt nach eigenen Aussagen eine neue Hallenplatzierung, vorzugsweise in Halle A1 an. Ein Thema bei InBev Deutschland war und ist die angekündigte „Verschlankung der Verwaltung“ bedingt durch die Einführung von europäischen Servicecentern. Die Belgier wollen zwei gesamteuropäische Servicecenter, in denen grundlegende administrative Aufgaben aus den Bereichen Finanzen, Export und Einkauf zusammengelegt werden sollen, aufbauen. Ein Servicecenter für den Export soll in der Tschechischen Republik entstehen, ein weiteres für die Abwick-lung aller transaktionalen Finanz- und Einkaufsprozesse mit Sitz in Ungarn.
Dieses bedeutet für Deutschland insgesamt einen Arbeitsplatzabbau von geschätzten 160 Stellen. Das Einsparungspotenzial will Inbev vor allem in seine Marken investieren, insbesondere unter dem Aspekt „eines seit Jahren rückläufigen deutschen Biermarktes und einer parallel zunehmenden Bedeutung von Niedrigpreisanbietern“. Diese Entwicklung trifft verständlicherweise auf großen Unmut und massive Proteste, legte doch der Brauriese für 2005 beste Jahreszahlen mit Umsatz- und Gewinnsprung vor. Der bekannte gegebene Ebidata (Gewinn vor Abschreibungen, Steuern, Zinsen) verzeichnet ein Wachstum von 15,3 Prozent auf 3,339 Milliarden Euro. Weiter wurde berichtet, dass die drei globalen Marken des Bierriesen sich mehr als erfreulich in 2005 entwickelten. Die Marke Brahma kommt auf ein Plus von 15,9 Prozent, Stella Artois auf 1,1 Prozent und Beck`s auf Plus 13,5 Prozent. Die  vierte Marke im Bunde des globalen Markenportfolio wurde Leffe.
Bei den alkoholfreien Getränken liegt der Innovationsschwerpunkt bei Near-Water-Produkten und Gebinden. Im Fruchtsaftbereich wurde der Trend zu Cocktail Basics deutlich. So konnte beispielsweise die neue Cocktailrange unter dem Markendach DCide von tucano nicht nur in Augenschein genommen, sondern auch verkostet werden (dgw 1-2/06). Für „Einsteiger“ wird ein spezielles Starter-Set angeboten. Das Segment der Cocktails in der Gastronomie ist lukrativ.
Die Konsumforscher der GfK kommen zu dem Ergebnis, dass 37,8 Prozent aller Ausgaben von Gastronomiebesuchern  zwischen 16 und 29 Jahren auf Cocktails entfallen. „Weg von Preiskampf, hin zu mehr Qualitätsbewusstsein“, lautet ein weiteres Resümee der Markenartikel-Hersteller mit Blick auf den Konsumenten.

Schlossbrauerei Kaltenberg:
Mutiger Schritt

Die Schlossbrauerei Kaltenberg hat ihr Prinzregent Luitpold Weissbier umgetauft in König Ludwig Weissbier. Diesen durchaus mutigen Schritt für die Marke, die seit einem Vierteljahrhundert im Markt Präsenz zeigt, kommentierte Seine Königliche Hoheit Luitpold Prinz von Bayern „als einen wohl einmaligen Vorgang im deutschen Brauwesen.“ Ab 20. März soll nicht nur auf den Etiketten und Kästen der neue Markenname stehen, sondern…

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 04/2006