Henkell & Söhnlein Gruppe: Würdiger Rahmen und ein respektables Ergebnis zum 150. Geburtstag

»Wir haben den Rücken frei für den Weg nach vorn«

von Monika Busch

Prickelnde Stimmung überzieht das Wiesbadener Henkellsfeld. Die dort ansässige Henkell & Söhnlein Sektkellereien KG hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005 „in unveränderten anspruchsvollen Märkten gut behauptet“ und kann zudem auf das stolze Jubiläum „150 Jahre Henkell Sekt“ anstoßen – bilanziert Dr. Hans Henning Wiegmann, Sprecher der Geschäftsführung das Jahresergebnis 2005.

1856 wurde in Mainz von Adam Henkell der erste Sekt des Hauses hergestellt, der heute als Synonym für deutschen Sekt steht und im Laufe der Jahre zur Weltmarke avancierte. Und weil Henkell wollte, daß auch Menschen mit weniger Einkommen seinen Sekt genießen konnten, erfand er den „Pikkolo“. Seit dem Jahre 1935 ist „Pikkolo“ als Warenzeichen eingetragen und die Bezeichnung darf bis heute ausschließlich für die 0,2-l-Flaschen von Henkell verwendet werden.
Im Geschäftsjahr 2005 stieg der Gruppenabsatz um zwei Prozent auf 206,6 Millionen 0,75-l-Flaschen, der Umsatz mit 505,3 Millionen Euro verzeichnet ein Plus von 6,6 Prozent. Auch akquisitionsbereinigt liege der Umsatz über dem Vorjahresniveau, betonte Wiegmann nicht ganz ohne Stolz. Den Löwenanteil am Absatz mit 135,2 Millionen Flaschen und einem Plus von 4,5 Prozent beansprucht traditionell das Segment Sekt. Wein kommt auf 34,2 Millionen (-16,6%) und die Spirituosen auf 37,1 Millionen Flaschen (+15,5%). Im Gruppenergebnis 2005 sind die Zukäufe von Kupferberg und Scharlachberg erstmals voll enthalten. Laut Schaumweinsteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2005 von in Deutschland ansässigen Unternehmen 332,2 Millionen Liter Sekt abgesetzt – ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleich. 312,2 Millionen Liter, was 94 Prozent des gesamten Absatzes entspricht, entfielen auf den Inlandsverbrauch (+0,4%).
Fürst von Metternich Riesling Sekt legte um 1,2 Prozent auf 7,7 Millionen 0,75-l-Flaschen zu. Das Absatzvolumen von 15,6 Millionen Flaschen Henkell Trocken und einem Plus von 9,6 Prozent bereitet den Wiesbadenern besondere Freude. Nicht nur wegen des 150. Geburtstages, sondern auch, weil der neu eingeführte Henkell Blanc de Blancs „als Absatzmillionär“ bereits im ersten Jahr nachhaltig zum Erfolg beigetragen habe. Deinhard Sekt – hiervon überwiegend betroffen Cabinet – sank von 7,6 Millionen auf 7,1 Millionen Flaschen. Der Rückgang von 6,4 Prozent bei Deinhard sei durch den Absatz von Kupferberg Gold etwas verwässert worden. „Denn irgendwo in unserem Sektportfolio muss Kupferberg dazwischen passen“, kommentierte Wiegmann. Im ersten vollen Geschäftsjahr von Kupferberg Gold wurden 10,7 Millionen Flaschen abgesetzt. Mit dem Hause Racke hat man sich geeinigt, keine Vorjahresvergleiche bekannt zu geben.
Mit 27,2 Millionen Flaschen liegt Söhnlein Brillant 2,3 Prozent unter dem Vorjahr (27,8 Mio.). Freude bereitet den Wiesbadenern ebenfalls die Entwicklung der renommierten Spitzensekte des Deidesheimer Sektgut Menger-Krug – preislich positioniert zwischen Markenchampagner und Premiumsekt. Mit „White is bright and brown is down“ skizzierte Wiegmann den Trend im Spirituosenmarkt. Gewinner wie in den Vorjahren waren klare Spirituosen. So auch der seit 1921 in Berlin hergestellte Wodka Gorbatschow. Mit einem Absatz in 2005 von 14,6 Millionen Flaschen legte die Marke um 8,1 Prozent zu. Laut Unternehmensangaben ist die Marke mit einem Marktanteil von 23,5 Prozent nicht nur Marktführer in der Kategorie Wodka, sondern auch die zweitstärkste Spirituosenmarke hier zu Lande. Mit einem Absatz von 6,3 Millionen Flaschen habe sich Scharlachberg Meister-brand im ersten vollen Jahr deutlich über Plan entwickelt. Scharlachberg Kräuterlikör erhielt aktuell ein neues „kräuteraffines“ Outfit. Batida de Coco mit einem Absatz von 2,1 Millionen Flaschen profitierte von dem Zuwachs Black Batida und erreichte ein Plus von 14,6 Prozent. „Nicht Geiz ist geil, sondern Qualität und Geschmack“, sagte Wiegmann energisch. Und verwies auf notwendige, wenngleich auch selektive Preiserhöhungen, die notwendig seien. Es werde kein Preiszugeständnis zu Lasten der Qualität geben. Denn, das Unternehmen stehe für Kontinuität, sowohl bei Personen als auch bei den Sekten. Ebenso aber auch für Innovationen, die ein zentraler Punkt des Hauses seien, stellte Wiegmann klar.
Die Auslandsaktivitäten der Gruppe trugen 36,6 Prozent zum Umsatzergebnis bei. „Mittlerweile verfügt die Gruppe über Local Heros Brands auf acht europäischen Märkten“, zeigte sich der Firmenchef sichtlich stolz. In den Märkten Osteuropas will die Gruppe weiter wachsen und ist hier offen für weitere Akquisitionen. Hinlänglich bekannt: zum Gewinn werden keine Angaben gemacht. Kommentar Wiegmanns: „Das Unternehmensergebnis ist eines Jubiläumsjahres angemessen mit stabilem Wachstum und stetiger Fortentwicklung. Wir sind kraftvoll und motiviert aufgestellt und haben den Rücken frei für ‘den Weg nach vorn’.“ Das Ergebnis skizzierte Wiegmann wie immer mit einer Metapher: „Ein Pikkolo mehr als in den vergangenen Jahren“.