Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Hilfe, der Sommer kommt!

Man merkt es doch, der Sommer kommt; Frauchen kauft wieder Light-Produkte, dreht sich immer öfter schockiert vor dem Spiegel und treibt Herrchen mit Fangfragen, „… findest du mich zu dick“, „…meinst du der Rock ist zu kurz“ usw. in die Identitätskrise.
Für mich ist das auch der Stress, kein Schnüffeln am Baum, kein gemütlicher Small-Talk mit dem Setter von nebenan, nein… Frauchen joggt und macht einen Bogen um die leckeren Torten im Cafe an der Ecke. Da wird das Laufband aus dem Keller geholt und statt mit mir, den Chips und der Cola auf dem Sofa zu liegen, wird ziellos auf dem Laufband gerannt, dabei irgendwelches Körnerzeug gekaut und mit high-energy Vitalizern heruntergespült. Nach dem Training gibt es dann – um den gequollenen Körnerbrei wieder loswerden zu können – einen Joghurt mit ezzensiss-kultirellen-probikotischen-laktischen Bakterien, oder wie das Zeug heißen mag, na lecker, dagegen schmecken mir ja die Appetitzügler aus Zitronenfaser noch besser. Wo ist meine Schokolade, mein Kuchen, all das schöne Zeug, was ich sonst immer kriege? Ein Hundeleben, wahrscheinlich bin ich eher verhungert als Frauchen zwei Pfund abgenommen hat. Als durchschnittlicher Hund fragt man sich schon, wieso die Einkaufstaschen immer noch so schwer sind, wenn alles light, fett-free und eigentlich schon vorverdaut ist. Na ja, wir als bellende Verbraucher sind da Gott sei Dank noch verschont von „Lappi-Light“ und „Fett-Free-Frolic“.
Nun ja, bei dem Stress verebben meine sozialen Kontakte völlig, weil Frauchen nur noch joggt, als würde sie verfolgt, ständig schlecht gelaunt – weil hungrig – ist und immer noch nicht in den Rock passt, der doch schon seit immer gepasst hat. Also gehe ich mit Frauchen shoppen, über den Winter immer ein Spaß, da kann ich mich in Ruhe mit der niedlichen Dackelhündin der Boutiquenbesitzerin unterhalten, während Frauchen, Sekt trinkend, Canapé essend, fröhlich einkauft. Doch der Sommer naht, der Boutiquenbesuch wird zu einem Kriegsschauplatz, der kleine Dackel verkrochen und verängstigt unter der Kasse und mein Frauchen brüllt „… ihre beste Freundin“ an, dass die Klamotten falsch etikettiert sein müssten, die Hersteller keine Ahnung von Größen hätten und sie schon immer in Gr. 36 gepasst habe. Viktor, Viktor, wenn es nur schon wieder Herbst wäre, sage ich zu mir, während der Boutiquenkrieg zu einem harmlosen Streit verkommt, als Herrchen sagt, „.. Schatz, ich mag dich auch etwas runder“, das war es dann, der Vorteil für mich liegt auf der Hand, an diesem Abend habe ich Herrchens Bett für mich allein, weil dieser aus unverständlichen Gründen auf dem Sofa schläft.
Zwischen Frauchen und Herrchen bricht eine harte Zeit an, aber dafür nimmt mich Herrchen immer öfter mit zu seinen Geschäftsterminen – in die Kneipe an der Ecke – wo ich dann Würstchen satt kriege. Gut, dass wir Hunde nicht festgelegt sind, so hab ich halt das Frauchen für den leckeren Winter und das Herrchen für den leckeren Sommer. Der erste schöne Sommertag, Frauchen hat dann doch nachgegeben und den Rock in Gr. 40 genommen, selbstverständlich nur weil er falsch etikettiert ist und geht mit Herrchen und mir Eis essen, alles entspannt sich… Lieber Gott, lass es nie wieder Frühling werden.

Tschüss
Euer Viktor