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Nerv(en)-Faktor Liebe

Die Liebe, die Liebe ist eine Himmelsmacht… und dauert laut Wissenschaft nur ein Jahr – die romantische jedenfalls. Dafür sind – so neue Erkenntnisse – die Neurotrophine zuständig. Diese körpereigenen Signalstoffe bewirken die zielgerichteten Verbindungen unserer Nervenzellen („Nervenwachstumsfaktor) und sorgen damit am Anfang einer Liebesbeziehung für Euphorie. Bei den frisch Verliebten liegen diese Werte höher als bei jenen, die schon länger zu zweit sind. So richtig neu ist das allerdings auch nicht, aber dafür nun wissenschaftlich bewiesen. Von 58 Neuverliebten wurden 39 ein Jahr später nochmals untersucht (wie viele von denen noch zusammen waren, ist nicht bekannt) und siehe da – die Neurotrophine lagen im normalen Wert. Dies heiße nicht, so die Forscher, dass diese Menschen nicht mehr verliebt gewesen seien, aber es mache deutlich, dass es sich nicht mehr um den Zustand der akuten Liebe handele. Aber das ist wohl auch nicht so schlecht. Zuviele Neurotrophine sorgen nämlich für die typischen Verliebtheitssymptome wie schweißnasse Hände, Schmetterlinge im Bauch und Nervenflattern. Man stelle sich vor, so ein Zustand würde mehrere Jahre in der gleichen Intensität andauern – der Mensch bekäme nichts mehr geregelt…

Zigarren-Bauchbinden und Neurotrophine

…und kann sich aber so mit weniger Neurotrophinen bei einer guten Zigarre entspannen. So holt er das gute Stück aus Schachtel oder Humidor und steht vor der Frage: Ring dran oder Ring ab? Gemeint ist die Bauchbinde der Zigarre. Und da Raucher tolerante Menschen sind, ist dies egal: Jeder, wie er möchte. Kleiner Tipp des Autors: Im Zweifelsfalle lieber dranlassen, das empfindliche Deck-blatt der Zigarre kann schnell Schaden nehmen, manchmal klebt die Bauchbinde ein wenig an und es braucht etwas Übung, sie ohne Blessuren zu lösen. Aber eine Regel gibt es nicht dafür. Wie die Zigarren zur Bauchbinde kamen, lässt sich heute so nicht mehr nachvollziehen. Die Zarin Katharina die Große ließ ihre Zigarren angeblich in feinste Seide einwickeln, damit die königlichen Griffel nicht fleckig wurden – merkwürdig in einer Zeit, wo auch bei Hofe höchstens einmal im Monat – wenn überhaupt – gebadet wurde. Einer anderen These zufolge sollen es die Dandies im 19. Jahrhundert gewesen sein, die keine Fleck-en an ihren weißen Handschuhen haben wollten. Wahrscheinlicher dürfte die Geschichte vom holländischen Kaufmann Gustav(o) Bock gewesen sein, der 1850 seine Havannas mit Papierringen ausrüstete, damit sie sich von der Konkurrenz abheben konnten – eine frühe und clevere Marketingmaßnahme sozusagen…

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 01/02/2006