Zunehmende Internationalisierung: ProWein 2006 wird zum „Global Village

von Timur Dosdogru, Fotos: dgw
Nach einem etwas schwächerem aber immer noch überproportional starken Jahr 2005 hat sich die ProWein in Düsseldorf diesjährig noch mehr als in früheren Jahren zur internationalen Plattform in einem internationalen Wein-Business gemausert. Dies zeigte sich auch an den über 30.000 Fachbesuchern aus 40 Ländern (Vorjahr: 28.500). Mit 26 Prozent sei der Anstieg der Profis diesmal überproportional gewesen, heißt es seitens der Messe Düsseldorf, die Messe habe ihre Leitfunktion für das globale Wein- und Spirituosenbusiness weiter ausgebaut.

Nicht nur für die ProWein selbst war dieses Jahr mit einem Aussteller- und Länderrekord von 2900 aus 46 verbunden (Vorjahr: 2754 Aussteller aus 40 Ländern), auch im weltweiten Vergleich hält die Veranstaltung derzeit das umfassendste Angebot parat.
Erfreulicherweise wurde es für die deutschen Besucher, nebst Fachpresse ein wenig stressfreier, da die Hamburger Internorga in diesem Jahr endlich – und hoffentlich für die nächsten Jahre dauerhaft – auf Anfang März gelegt worden war (Manchmal soll sich ja so etwas wie Vernunft doch durchsetzen…). Auch die internationalen Medien zeigten am Düsseldorfer Schauplatz großes Interesse, rund 750 Journalisten aus 33 Ländern waren in Düsseldorf akkreditiert. Zumindest in Europa hat die ProWein ihre Spitzenposition als führende Fachmesse in Sachen Wein und Spirituosen weiter gefestigt – mit Blick auf den Rest der Welt. Das Deutsche Weininstitut (DWI) in Gestalt von Geschäftsführer Armin Göring spricht von einem internationalem Erfolg der deutschen Aussteller und will beobachtet haben, dass zahlreiche Anbieter ihr Sortiment an deutschen Weinen erweitert haben.
Sowohl aus den west- wie auch den osteuropäischen Ländern wurde ein weiteres Besucherwachstum vermeldet, das Interesse der Fachleute aus Übersee, wie beispielsweise USA, Süd- und Mittelamerika und Japan, habe sich nahezu verdoppelt, heißt es. An der ProWein komme keiner mehr vorbei, so die Einschätzung vieler international renommierter Fachleute, die auch von Top-Einkäufern aus Europa und Übersee geteilt wird. In jedem Fall hat sich „Old Europe“ als Marktführer erwiesen, Weine aus Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Österreich seien laut Besucherbefragung am stärksten angesagt gewesen, heißt es, gefolgt von Übersee und Osteuropa.

Wein und Fußball

Ein nicht zu leugnendes Thema war auch die Fußball WM in Deutschland, zwar auch in Sachen Wein, aber vor allem im Spirituosenbereich, hier gibt es kaum Anbieter, die mit dem Thema nicht verbunden sind, und sei es auch nur über das x-ste Gewinnspiel mit irgendwelchem PoS- und Vkf-Schnick-Schnack. Am DWI-Stand konnte man meinen, der Wein wachse auf Stadionrasen statt an Rebhängen, diesen Eindruck verstärkten auch die rund 100 offiziellen WM-Weine, die dort in einer speziellen Lounge vorgestellt wurden. Unter anderem verloste Fußball-Weltmeister 1974 Gerd Müller dort eigenhändig Eintrittskarten für WM-Spiele unter den DWI-Lizenznehmern.
Feststellen lassen sich zwei größere Trends: Der Montag als Hauptmessetag, der vor allem die Facheinkäufer auf den Plan ruft und der Dienstag, der es vor allem in der „Spirituosenhalle“ 7a an Besuchermasse deutlich vermissen ließ. Große Häuser wie Bacardi, Pernod-Ricard oder Jägermeister glänzten sowieso in den vergangenen Jahren in Düsseldorf durch Abwesenheit, jetzt entzogen auch Diageo und MaxXium dem Standort ihre Gunst, was einen großen Ausfall internationaler Marken zur Folge hatte.
Trotz allem darf sich Düsseldorf mittlerweile zu Recht Welthauptstadt des Weins und der Spirituosen nennen. Vielleicht auch bald die Stadt der weintrinkenden Nichtraucher. Jedenfalls nimmt auch hier die Bevormundung ihren Lauf und ob man mit einer kompletten Bitte-nicht-rauchen-Kampagne einschließlich der kompletten Außerbetriebsetzung der fest installierten Aschenbecher in den Gängen entsprechenden Bestrebungen in der EU und in Übersee dermaßen in den Allerwertesten kriechen muss, sei einmal dahingestellt.
Vor allem, wenn die letzte Entscheidung am Stand immer noch dem jeweiligen Aussteller obliegt (von denen sich viele auch unbeeindruckt zeigten, wie die oft nach wie vor bereitstehenden Aschenbecher bewiesen). Mag ja sein, dass „Weinprofis bei der Arbeit nicht rauchen“, wie überall angeschlagen (viele tun es aber nach getaner Arbeit oder bei entspannenden Gesprächen darüber), aber es geht ja auch nicht nur ums Verkosten, sondern primär auch ums Verkaufen. Es käme ja auch keiner ernsthaft auf die Idee, den Slogan „Weinprofis parfümieren sich nicht für die Arbeit“ zu proklamieren, obwohl auch dies immer wieder gefordert wird…

Globale Themen „Kunstwein“ und Wettbewerb

Beherrschende Themen derzeit sind das Weinhandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA sowie die wachsende Konkurrenz in Verbindung mit einer nie da gewesenen Weinvielfalt. Sowohl in Tages- und Fachpresse kochten die Emotionen zum Thema „Kunst- oder Industriewein“ immer wieder etwas höher, und nicht immer war der Schlagabtausch zwischen denen, die sich damit eventuell neue Märkte erschließen können und denjenigen, die um ihre Märkte fürchten, von fairer Sachlichkeit geprägt.
Dies hat beispielsweise auch der Verband der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP) bereits im Vorfeld der ProWein erkannt, der sich klar von der zunehmenden Polarisierung der Weinbereitung in „böser US-Industrie-Wein“ und „guter handwerklicher deutscher Wein“ distanziert. Sogar nationalistische Töne hätten sich vor allem in Deutschland zu diesem Thema breit gemacht, hinter vorgehaltener Hand heißt es sogar, rechtsradikale Parteien seien damit – der Sache völlig unkundig – auf Stimmenfang gegangen.

VDP will neue Verhandlungen für den Herkunftsschutz deutscher Weine

Der VDP lehne die Anwendung der neuen in der Kritik stehenden önologischen Verfahren für sich grundsätzlich ab und spreche sich dagegen aus, diese Verfahren auch in Deutschland zuzulassen. „Die Prädikatsweingüter fordern eine Fortsetzung der Verhandlungen, um eine klare, angemessene Regelung für den Export deutscher edelsüßer Weine zu erreichen sowie den Herkunftsschutz herausragender deutscher Lagen zu dokumentieren“, heißt es, nationalistische Parolen, die sich auf das Abkommen bezögen, weise man „auf das Schärfste“ zurück.
Vielmehr sieht man sich beim VDP in einem Boot mit den Spitzenweinerzeugern der ganzen Welt, die wie der Verband auf eine handwerkliche Weinbereitung setzen. Man wolle nun den „Schulterschluss mit gleichgesinnten Spitzenweingütern“ in den USA und den anderen Ländern suchen, um „gemeinsam unsere Ideale der handwerklichen Weinbereitung zu demonstrieren, die weltweit gleichen Grundsätzen unterliegen“, heißt es weiter (eine Art Welt-VDP?).
Aus weinbaupolitischer Sicht sei es zunächst im Interesse des VDP gewesen, das Abkommen zu verhindern, weil darin der Schutz deutscher Herkunftsbezeichnungen in den USA völlig unzureichend fixiert worden sei und darüber hinaus der Import edelsüßer Weine, die das Renommee deutscher Weine auf der ganzen Welt begründet hätten, erst ab sieben Volumenprozent gestattet werden sollte. An diesen Punkten will der VDP nach wie vor festhalten, verhehlt auch nicht, dass durch die Zulassung neuer…

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 05/2006