Deutschland einer der bedeutendsten Weinmärkte der Welt

von Timur Dosdogru
Die Bundesrepublik ist einer der wichtigsten Weinmärkte der Welt, wie Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbands, anlässlich der Weinmesse Intervitis Interfructa vom 22. bis 26. April in Stuttgart feststellte.

Auch als Weinbauland hat Deutschland in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, jährlich werden über zwei Milliarden 0,77-Liter-Flaschen abgesetzt. Somit trinkt statistisch gesehen jeder Deutsche rund 27 Flaschen Wein im Jahr.
Auf dem deutschen Weinmarkt sei die Globalisierung schon lange realisiert, so Weber, jeder Verbraucher könne hier zu Lande – egal ob zu Stadt oder Lande – aus dem Vollen schöpfen. In anderen großen europäischen Ländern sei dies noch längst nicht so, dort stehe die Internationalisierungswelle erst noch bevor. Die deutsche Weinwirtschaft habe sich über lange Jahre auf diese Herausforderungen eingestellt, der Verbraucher habe dies bereits anerkannt. „Denn heute dürfen wir feststellen, dass Wein insgesamt zu den beliebtesten alkoholischen Getränken zählt. Wein ist ,in’. Wein ist ein Kulturgut, und dies nicht im antiquierten Sinne.“
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehöre Wein zum modernen Lebensstil dazu, so Weber weiter. Genuss, Lebensfreude bis hin zur touristischen Verbindung Land, Leute und Region, all dies werde mit Wein in Verbindung gebracht. Auch als Wirtschaftsfaktor ist die Bedeutung von Wein gewachsen. Laut GfK beträgt geben die privaten Haushalte rund 3,3 Milliarden Euro im Jahr für Wein aus. Dazu kommt noch der Weinabsatz außer Haus, in der Gastronomie und auf öffentlichen Veranstaltungen sowie Export und Sektabsatz. Der Gesamtwert des deutschen Wein- und Sektmarktes wird auf etwa neun bis zehn Milliarden Euro geschätzt. Im Inland haben die Privathaushalte im vergangenen Jahr rund 1,5 Prozent mehr Wein als im Vorjahr eingekauft, wobei 38 Prozent der Einkäufe im LEH auf deutschen Wein entfallen, 62 Prozent auf ausländischen Wein. Das Verbraucherinteresse an deutschen Weinen sei um 7,8 Prozent gestiegen, so Weber weiter, während Importweine Marktanteile von 2,1 Prozent verloren hätten. Nach Deutschland mit 38 Prozent sind Italien mit 16 Prozent und Frankreich mit 14 Prozent Marktanteil die wichtigsten Lieferanten für den deutschen LEH.
Mittlerweile gehen die meisten Weine mit einem Anteil von 43 Prozent in der Menge und 30 Prozent im Wert im Discount über den Tisch. Laut neuesten GfK-Zahlen sind aber auch der Fachhandel mit acht Prozent (Menge) und 15 Prozent (Wert) sowie der Direktverkauf beim Winzer (16 Prozent/26 Prozent) weitere wichtige Weinabsatzkanäle.
Und der Angriff der Discounter auf die traditionellen Weinabsatzstätten geht in die nächste Runde: Aldi Süd bietet seit April erstmals einen Wein an, der sonst ausschließlich im gehobenen Fachhandel zu kaufen ist, den der Discountriese vom Lieferanten C. A. Warren bezieht. Angeboten wird neben einem deutschen Steillagenriesling ein Rosso Piceno DOC Superiore 2003 aus der italienischen „In“-Region Marken, der vom renommierten italienischen Weinführer Gambero Rosso bereits mit zwei Gläsern ausgezeichnet wurde und in allen Aldi-Süd-Filialen für 6,99 Euro verkauft wird.
Auch in Sachen Verpackung findet zunehmend ein Umdenken statt. War der Getränke-karton – zumindest im deutschen LEH – dem Billigsegment vorbehalten, etabliert er sich mittlerweile im internationalen Weinmarkt, wie es seitens des Kartonherstellers Tetra Pak aus Hochheim heißt. Vor allem die Tetra Prisma Aseptic-Verpackung habe sich als attraktive und umweltschonende Alternative zur Einwegglasflasche erwiesen, so das Unternehmen. Immer mehr internationale Kellereien böten zudem ihre edlen Tropfen im Karton an.
In Deutschland sei der Konsum von Wein im Karton von 2000 bis 2005 um 22 Prozent auf 107 Millionen Liter angestiegen. Die Leichtverpackung könne inzwischen mit einem Marktanteil von 18 Prozent insbesondere bei Weißwein punkten, so der Hersteller. „Glasflaschen tragen nichts zur Qualität des Weines bei, aber sie verursachen enorme Kosten im Hinblick auf Energie, Transport und Handling“, zeigt sich beispielsweise der französische Weinproduzent Jean-Claude Boisset überzeugt, der 2005 unter der Marke French Rabbit verschiedene Qualitätsweine in der Tetra Prisma Aseptic erfolgreich in Kanada und auch seit 2006 in den USA auf den Markt gebracht hat.
Als Vergleich wird vorgerechnet, dass ein Lkw voller Kartonverpackungsmaterial für die Abfüllung derselben Menge Wein ausreiche, für die 23 Lkw mit leeren Flaschen erforderlich seien. Aus önologischer Sicht sei der Getränkekarton hundertprozentig neutral und biete im Vergleich zur Flasche sogar mehr Sicherheit gegen „Lichtgeschmack“, weil durch den Karton kaum UV-Licht dringen könne – im Gegensatz zur Flasche.
Der gewachsenen Bedeutung des Weines in Deutschland hat auch die Messe Düsseldorf Rechnung getragen. Zur 15. Auflage ihrer weltweit führenden Fachmesse ProWein im kommenden Jahr soll sich diese mit einem neuen Look präsentieren. Dazu wurde ein entsprechendes Keyvisual entwickelt, der neue Slogan lautet künftig: „To another great year“.